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Legionellen: Mehr Kontrollen in Rostock

Stadtmitte Legionellen: Mehr Kontrollen in Rostock

Vor allem Mehrfamilienhäuser werden wieder geprüft / Bisher 149 Meldungen beim Gesundheitsamt

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Legionellen sind natürlich vorkommende Bakterien, die auch im Grundwasser zu finden sind. Sie vermehren sich besonders stark bei 30 bis 45 Grad Celsius. Der Grenzwert liegt bei 100 Kolonien bildende Einheiten je 100 Milliliter Wasser. Grafik: psdesign1 / Fotolia

Stadtmitte. Vermieter und Betreiber von Immobilien kontrollieren wieder verstärkt, ob die gefährlichen Legionellen im Trinkwasser zu finden sind. Und scheinbar ist das auch notwendig: Bis zur Mitte dieses Jahres sind bereits 149 Meldungen beim Gesundheitsamt eingegangen, bei denen der Grenzwert übertreten wurde. Davon wurde in neun Häusern sogar eine „massive Überschreitung“ der Bakterien im Wasser festgestellt – um das Hundertfache des zulässigen Grenzwertes.

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Vor allem Mehrfamilienhäuser werden wieder geprüft / Bisher 149 Meldungen beim Gesundheitsamt

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„Wir haben jetzt schon die durchschnittliche Anzahl von Meldungen eines Jahres erreicht“, sagt Dr. Kerstin Neuber vom Gesundheitsamt der Stadt. Doch sie fügt sofort hinzu: „Das kann man nicht statistisch hochrechnen, da es keine ständigen Kontrollen gibt.“ Mehrfamilienhäuser, die an eine zentrale Warmwasseranlage angeschlossen sind, müssen regelmäßig untersucht werden – allerdings nicht jährlich. „Für die Untersuchungen sind die Betreiber oder Verwalter der Immobilie zuständig“, erklärt die Abteilungsleiterin für Hygiene und Infektionsschutz. Diese würden wiederum Firmen beauftragen. Techem zum Beispiel.

Das Unternehmen hat in diesem Jahr Proben in 26 Liegenschaften in Rostock entnommen. In drei Fällen wurden Legionellen entdeckt. „Das ist eine ,Befallsquote’ von rund 11,5 Prozent und liegt leicht unter dem Wert, den wir als Bundesdurchschnitt gemessen haben (12,5 Prozent)“, sagt Unternehmenssprecherin Beate Reins. Nach der ersten Untersuchung 2013/ 2014 müsse laut Trinkwasserverordnung dies spätestens alle drei Jahre wiederholt werden. Entsprechend erwarte Techem jetzt eine erneute Welle an Probe-Entnahmen.

Auch in dem Mehrfamilienhaus, in dem Martin Prelle wohnt, hat es eine solche Kontrolle gegeben. „Ich war überrascht. Ich habe schon in verschiedenen Wohnungen gelebt, aber noch nie wurde nach Legionellen geguckt“, sagt der 32-Jährige. Der Prüfer sei vorbeigekommen und habe den Wasserhahn erst mit einem Bunsenbrenner abgeflämmt. „Dann hat er die Temperatur des Wassers gemessen und eine Probe in eine Flasche abgefüllt“, beschreibt Prelle.

Kerstin Neuber weiß, dass schon die Temperatur ein mögliches Indiz ist. „Ab 20 Grad Celsius vermehren sich die Bakterien langsam.“ Optimale Bedingungen wären für sie 30 bis 45 Grad Celsius, dann kann die Menge der Bakterien im Wasser schnell „pathogen“, also krankheitserregend werden. Doch ab 55 Grad beginnen die Legionellen abzusterben „Daher ist es wichtig, dass die Leitungen gut isoliert sind und je nachdem kalt oder warm genug sind“, so Neuber. Die Temperaturen waren in Ordnung bei Prelle. Doch er ist durch die Kontrolle etwas besorgt: „Ich habe gehört, dass Legionellen auch Krankheiten verursachen können.“

Kerstin Neuber gibt Entwarnung: Die Fallzahl der sogenannten Legionellose seien gleichbleibend niedrig. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts hat es, wie auch 2015, in diesem Jahr erst einen Fall dieser schweren Lungenentzündung gegeben, bei der die Erkrankten meist stationär behandelt werden müssen. Die Infektion kann ausgelöst werden, wenn die Bakterien über die Atemwege inhaliert werden – zum Beispiel beim Duschen. „Beim Verschlucken kann also eigentlich nichts passieren“, sagt die Expertin vom Gesundheitsamt. Daher ist eine der Maßnahmen, die nach einem massiven Befall ausgerufen werden, ein Duschverbot. „In bestimmten Bereichen müssen sonst auch Filter angebracht und generell muss die Wasserversorgung entweder thermisch oder chemisch desinfiziert werden“, zählt Kerstin Neuber auf.

Einem gesunden Menschen könne nicht viel passieren. „Gefährdet sind vor allem Raucher, Alkoholiker und Menschen, die zum Beispiel wegen einer Krebserkrankung oder einer Transplantation schwerwiegend behandelt werden.“ Daher würden Einrichtungen, wie Krankenhäuser, jährlich einer Untersuchung unterzogen.

Ob der Wohnsitz von Martin Prelle befallen ist, weiß er noch nicht. „Man hat mir gesagt, dass es etwa zehn Tage dauert, bis das Ergebnis feststeht“, sagt er. Informiert wird er bei einem Befund auf jeden Fall, versichert die Expertin vom Gesundheitsamt. „Und dann wird schnell die Ursache, die meist durch einen technischen Fehler entsteht, vom Betreiber behoben.“

Auslöser für Pontiac-Fieber

Legionellen sind Bakterien, die auch im Grundwasser vorkommen.

Laut der aktualisierten Trinkwasserverordnung von 2012 müssen nach Angaben des Rostocker Gesundheitsamts Mehrfamilienhäuser mindestens alle drei Jahre kontrolliert werden.

169 Überschreitungen wurden 2013 gemessen. 2014 waren es 140 und 223 Meldungen 2015.

Neben Legionellose können die Bakterien Pontiac-Fieber auslösen. Dies werde meist nicht erkannt, da es die Symptome eines grippalen Infekts hat.

Johanna Hegermann

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