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Maritime Meile: Stillstand in der Politik

Stadthafen Maritime Meile: Stillstand in der Politik

Die Planungen für Umgestaltung des Stadthafens liegen auf Eis / Jetzt machen Ehrenamtler und Rathaus Druck

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Stadthafen. Wenn Hans-Joachim Hasse aus seinem Büro im „Haus der Schifffahrt“ gen Stadthafen blickt, wird er traurig. Nein, mehr noch: Der Ex-Vorstand der Deutschen Seereederei (DSR) ist enttäuscht. Bereits im Januar hatten er und seine Mitstreiter im Maritimen Rat ihre Vision für eine Umgestaltung des Warnowufers vorgestellt. Doch getan hat sich seitdem nichts. „Noch immer sitzen am Stadthafen Familien in Staub und Dreck, auf einem tristen und trostlosen Parkplatz. Das kann doch nicht sein“, sagt Hasse. Und genau deshalb geht der Maritime Rat jetzt in die Offensive: Während die Planungen im Rathaus auf Eis liegen, haben die Ehrenamtler weitergearbeitet – und stellen nun die ersten konkreten Entwürfe für das neue Herzstück des Hafens vor: für das Maritime Erlebniszentrum ein 40 Millionen Euro teures Multimedia-Museum.

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Auf den ersten Blick erinnert das Gebäude, in dem Besucher anhand historischer Schaustücke und auch digitaler Erlebniswelten mehr über die Themen Schifffahrt und -bau erfahren sollen, wie ein Ufo an: Die obere Etage ragt über die Kaikante und scheint über dem Stadthafen zu schweben. Die Fassade wirkt leicht. Viel Glas, viel Licht. Entworfen wurde der mögliche neue Mittelpunkt der Hafenmeile vom Rostocker Ingenieurbüro Inros Lackner – im Auftrag des Rates. „Das ist nur ein erster Entwurf“, betont Hasse. „Aber er soll die Diskussion neu beleben. Wir müssen endlich vorankommen bei dem Thema.“

Der Maritime Rat hat sich deshalb auch organisatorisch neu aufgestellt: Aus dem losen Zusammenschluss engagierter Gruppen ist Mitte August offiziell ein Verein geworden – mit dem Zweck, „das maritime Erbe, die maritime Kultur und Tradition der Hansestadt zu bewahren, zu pflegen und zu entwickeln“. Hasse, Vorsitzender des neuen Bündnisses, sagt: „Wir wollen aber nicht nur fordern:

Der Verein will seinen Beitrag leisten. Genau deshalb treiben wir ja die Planungen für die Maritime Meile voran: Das ist unsere Vorarbeit für die Stadt, unser Beitrag.“ Und: „Der Maritime Rat kann sich auch vorstellen, sich an der Umgestaltung des Stadthafens finanziell zu beteiligen. Wir wollen Firmen und Sponsoren für das neue Warnowufer begeistern, Spenden und Mittel einwerben.“

Dass wieder fast ein Jahr ohne Entscheidung zum Stadthafen vergangen ist – bedauerlich sei das, sagt Hasse. „Noch hätten wir die Möglichkeit, EU-Mittel für das Vorhaben einzuwerben. Aber die Zeit dafür läuft ab.“ An den Debatten über das Geld dürfe eine solche Vision nicht scheitern: „Ab 300000 Besucher pro Jahr wäre das Erlebniszentrum wirtschaftlich zu betreiben. Und diese Zahl – das beweisen andere, moderne Ausstellungshäuser – ist gar kein Problem.“ Davon würde die gesamte Stadt profitieren: „Rostock ist eine Hafenstadt – und das müssen wir endlich auch zeigen. Wir brauchen Erlebnisse am Wasser für unsere Gäste und auch für die Rostocker. Das ist nachhaltig.“

Zur Meile, deren Umbau insgesamt rund 50 Millionen Euro kosten würde, sollen laut den Plänen auch Grillplätze, Liege- und Spielwiesen, ein Seezeichen-Pfad und Plätze für die Kunst gehören. „Wir erarbeiten für all diese Themen derzeit konkrete Entwürfe – zum Beispiel für die Grillplätze. Wir wollen, dass schon 2017 erste Maßnahmen umgesetzt werden und zum Stadtjubiläum 2018 fertig sind“, so Hasse.

Im Rathaus hat er längst Verbündete gefunden: Kulturamtschefin Michaela Selling zum Beispiel. „Dass die Bürgerschaft im Januar eine Entscheidung vertagt hat, legt alle Planungen auf Eis. Wir brauchen von der Politik endlich eine klare Ansage, was wir von den Plänen umsetzen oder konkret ausarbeiten sollen“, sagt sie. „Aber eine solche Ansage gibt es nicht.“ Der Grund aus Sicht Sellings: „In Teilen der Politik wird das Thema auf die Debatte um den Standort für das Traditionsschiff reduziert. Aber wo das ,Tradi’ in Zukunft liegt, ist zweitrangig. Es geht um die Entwicklung des Stadthafens.“ Zum Beispiel auch um die Sanierung des Matrosendenkmals und um Kultursäulen, die sie gerne aufstellen möchte und die zwischen Werft und Silohalbinsel über historische Plätze am Hafen informieren sollen. Denn auch aus Sicht der Denkmalpflege sei das Areal eine Katastrophe: „Die Touristen fragen, wo sie Wasser und Geschichte erleben können. Bei uns geht das nicht.“ Anderenorts sei der Hafen ein Filetstück. Selling: „Das kann er auch in Rostock werden, aber wir brauchen eine Entscheidung.“

Zukunft Stadthafen: Stadt verbaut 8,2 Millionen Euro / Maritimer Rat zeigt Entwürfe für Erlebniszentrum

Hans-Joachim Hasse hat in dem entscheidenden Punkt (leider) vollkommen recht: Rostocks Stadthafen ist zu großen Teilen unwürdig. Er ist – von den Hanse Sail-Tagen mal abgesehen – vielerorts (nicht überall!) nur ein großer, trister Parkplatz. Um es deutlich zu sagen: Er ist ein Schandfleck. Keine andere Stadt am Wasser macht aus ihren 1A- Flächen so wenig wie Rostock. Statt das endlich zu ändern, das Potenzial zu nutzen und für die gesamte Stadt – für Einwohner, Gäste und die Wirtschaft – Gutes zu tun, befasst sich die Politik mit Randaspekten wie der Frage, wo denn nun das „Tradi“ liegen soll. Darum geht es aber doch gar nicht. Es geht um die wichtigste Brache der Hansestadt, um Rostocks Zukunft als lebens- und besuchenswerte Stadt. Die Bürgerschaft muss endlich Mut beweisen und Farbe bekennen, größer denken als nur in Einzelinteressen. Die Hansestadt braucht endlich das „Ja“ zum neuen Stadthafen.

Andreas Meyer

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