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Mehr als jeder zweite Rostocker geht krank zur Arbeit

Stadtmitte Mehr als jeder zweite Rostocker geht krank zur Arbeit

Laut DAK-Erhebung sind psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch / Viele Fehlzeiten wegen Rückenleiden / Hoher Krankenstand im Rathaus / Frauen gehen früher zum Arzt

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Viele Rostocker schleppen sich zur Arbeit – auch, um die Kollegen nicht im Stich zu lassen.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl/ Cornelius Kettler/ Universitätsmedizin

Stadtmitte. In Rostock sind fast fünf Prozent der Arbeitnehmer krank und können deshalb nicht zur Arbeit gehen. Das ist Ergebnis einer Sondererhebung der Krankenkasse DAK. Die Untersuchung zeigt auch: Viele Arbeitnehmer gehen zur Arbeit, obwohl sie krank sind. Frauen machen das laut Studie häufiger als Männer, sind jedoch auch häufiger krankgeschrieben.

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Laut DAK-Erhebung sind psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch / Viele Fehlzeiten wegen Rückenleiden / Hoher Krankenstand im Rathaus / Frauen gehen früher zum Arzt

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Attila Altiner, leitender Allgemeinmediziner der Unimedizin Rostock, schließt sich der Meinung der meisten Soziologen an, dass Frauen nicht grundsätzlich häufiger krank sind als Männer. Altiner: „Sie haben einfach ein anderes Gesundheitsverhalten, gehen beispielsweise früher zum Arzt, wenn sie sich nicht gut fühlen.“

Bei Frauen gibt es 36 Prozent mehr Fälle als bei Männern. Sie reagierten anders auf Stress, nähmen bereitwilliger Vorsorge-Untersuchungen in Anspruch und legten auch mal eher als Männer eine kurze Fehlzeit am Arbeitsplatz ein, wenn es nun mal nötig sei, erklärt Mediziner Altiner. Petra Köster, Leiterin des Servicecenters der DAK in Rostock: „Frauen gehen mit der Erkrankung offener um. Bei Männern wird die Diagnose in der heutigen Arbeitswelt immer noch als Schwäche und fehlende Willenskraft ausgelegt.“ In der Studie heißt es außerdem: Männer gingen seltener zum Arzt – auch unabhängig von Vorsorgeuntersuchungen, die Frauen laut Attila Altiner auch bereitwilliger in Anspruch nehmen. 77 Prozent der befragten Frauen in MV geben auch an, dass sie schon krank zur Arbeit gegangen sind.

Bei Männern sind es nur 45 Prozent.

Eine Rostocker Polizeibeamtin berichtet: „Bei kleinen Krankheiten, wie Husten, gehe ich natürlich arbeiten.“ Robert-Michel Hoffmann (24) fährt Patienten für die Uniklinik und sagt: „Ich lasse mich erst krankschreiben, wenn ich mich nicht mehr in der Lage fühle zu arbeiten.“

Die meisten befragten Angestellten konnten wegen Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Bandscheibenproblemen nicht arbeiten, danach folgen Atemwegserkrankungen. Auf Platz drei kommen psychische Leiden. Nach Angaben der DAK ist das die Folge eines offeneren Umgangs mit zum Beispiel Depressionen und der Veränderung der Arbeitswelt hin zu „wissensintensiven Dienstleistungstätigkeiten“. Seit 2008 würde die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen kontinuierlich ansteigen.

Im Rostocker Rathaus waren die Mitarbeiter 2015 im Schnitt 30,4 Kalendertage krank – Tendenz steigend. Im Universitätsklinikum waren die Angestellten mit 14,5 Arbeitstagen deutlich seltener krank.

Bei Ärzten und Wissenschaftlern liegt die Quote bei 2,5 Prozent, also sieben Tagen. Das Wohnungsunternehmen Wiro meldet einen Anteil von 3,4 Prozent Arbeitsunfähigen – eine Zahl, die im Unternehmen für keine Probleme sorge, sagt Wiro-Sprecherin Dagmar Hornig.

Die Stadt erklärt ihren überdurchschnittlich hohen Krankenstand (8,8 Prozent) damit, dass die Dauer der Erkrankungen einen großen Einfluss habe: Einige wenige Mitarbeiter seien überdurchschnittlich lange krank, sagt StadtSprecher Ulrich Kunze. Auch das hohe Durchschnittsalter und die steigenden Anforderungen am Arbeitsplatz seien Gründe für die vielen Krankheitstage. Die Stadt steuert dagegen – mit Gymnastik, Rückenschule oder Stressbewältigungskursen. Die Wiro hat ein eigenes Gesundheitsmanagement ins Leben gerufen und beuge so aktiv gegen einen hohen Krankenstand vor, sagt Dagmar Hornig.

Rostock liegt mit 4,5 Prozent Arbeitsunfähigen im Bundes- und unter dem Landesschnitt. Bundesweit ist der Krankenstand seit zehn Jahren stabil und seit den Siebzigern rückläufig. Im Juli 2016 waren 4,36 Prozent der gesetzlich Versicherten krankgeschrieben.

Krankenstand

77 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer sind schon mal krank zur Arbeit gegangen. Häufigster Grund: Die Kollegen nicht hängen lassen wollen.

30,4 Tage waren die Mitarbeiter des Rostocker Rathauses 2015 durchschnittlich krank gemeldet. Damit liegt die Stadtverwaltung weit über dem Durchschnitt.

4,36 Prozent der Angestellten bundesweit waren im vergangenen Juli krankgeschrieben. Die Quote ist seit zehn Jahren stabil.

Philip Schülermann

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