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Methlings Millionen-Spiel mit dem Wasser

Stadtmitte Methlings Millionen-Spiel mit dem Wasser

Rekommunalisierung: OB verhandelt mit Eurawasser über neuen Deal / Sinken die Gebühren doch nicht?

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Die Rostockerin Ekaterina Kaschapowa (22) trinkt der Skulptur „Die Trinkende“ zu.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Eigentlich hätten 260000 Menschen in und um Rostock gestern allen Grund zur Freude gehabt: Für wenige Stunden schien der Streit um Trink- und Abwasser in der Hansestadt und 29 Umlandgemeinde beigelegt, der Weg für sinkende Gebühren ab 2018 frei. Doch dann das: Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) will die seit Jahren beschlossene Rekommunalisierung der Wasser- Versorgung offenbar kurz vor Ultimo doch noch stoppen. Zumindest in der geplanten Form. Gestern stellte er der Bürgerschaft hinter veschlossenen Türen einen ebenso überraschenden, wie fragwürdigen Deal mit dem Konzern Remondis vor. Methlings Motiviation: Ihm wurden nach OZ-Informationen Millionen für die Stadtkasse in Aussicht gestellt.

Statt die Wasserversorgung wieder komplett in städtische Hände zu nehmen, soll – so Methlings Geheimplan – nämlich fast alles beim Alten bleiben – bei Eurawasser, Tochterfirma des global agierenden Versorgungsriesen Remondis. Einziger Unterschied zum Ist-Zustand: Die Stadt soll bei dem Unternehmen als Gesellschafter einsteigen. Partnerschaft statt „Wachablösung“ im Millionen-Geschäft mit dem Wasser.

Dabei laufen die Vorbereitungen für die Rekommunalisierung längst auf Hochtouren. Rostock und seine Nachbargemeinden hatten nämlich eigentlich beschlossen, dass Remondis kein Geld mehr mit dem Rostocker Wasser verdienen soll. Der laufende Vertrag wurde gekündigt, um ab Mitte 2018 das Geschäft wieder selbst zu machen. Der Warnow- Wasser- und Abwasserverband (WWAV) vergab den Auftrag an die Firma Nordwasser. „Wasser und Abwasser in der Hansestadt werden bis zu zehn Prozent günstiger“, versprach Jochen Bruhn, Chef der Rostocker Versorgungs- und Verkehrsholding (RVV). Über die Beteilungsgesellschaft hält die Stadt 51 Prozent an Nordwasser. WWAV-Chefin Katja Gödke rechnet vor: „Eine Familie mit vier Personen in einem Einfamilienhaus verbraucht im Schnitt 120 Kubikmeter Wasser – macht 892,68 Euro. Wir gehen davon aus, dass die Musterfamilie 90 Euro weniger zahlt.“

Remondis aber wehrt sich dagegen, das lukrative Geschäft aus der Hand geben zu müssen und war sogar vor Gericht gezogen. Gestern sollte das Urteil im Wasser-Streit gefällt werden, doch so weit kam es gar nicht: „Wir haben unsere Klage gegen die Vergabe der Wasser- Versorgung in Rostock zurückgezogen“, verkündete Remondis-Sprecher Michael Schneider überraschend am Firmensitz in Lünen. Warum? Das ließ er offen.

Der WWAV reagierte auf die Nachricht zunächst erleichtert: „Wir sehen uns in der eigenen Rechtsauffassung und dem eingeschlagenen Weg der Rekommunalisierung bestätigt“, so Gödke. Warum Remondis das Urteil nicht abwartete – dazu konnte sie nichts sagen. „Uns überrascht das sehr. Noch am Freitag wollte Remondis den Fall an den Europäischen Gerichtshof übergeben“, so Bruhn.

Da wussten beide aber offenbar noch nicht, dass es Gründe für Remondis „Friedenskurs“ gibt: Der Konzern verhandelt offenbar seit Jahresbeginn direkt mit der Rathaus-Spitze. Das Umland ist außen vor. Methling verkündete vor der Bürgerschaft, dass Remondis unbedingt am Wassergeschäft beteiligt bleiben will – in Form eines gemeinsamen, kommunal-privaten Unternehmens. Zunächst sollen der Stadt pro Jahr 2,8 Millionen Euro jährlich geboten worden sein. Mittlerweile habe der Konzern sein Angebot auf bis zu zwölf Millionen Euro erhöht. Methling will das Angebot prüfen und im Dezember eine Beschlussvorlage in die Bürgerschaft einbringen. Die Hansestadt benötige das Geld für den Schuldenabbau und für Investitionen in die Stadtentwicklung, sagt er hinter verschlossenen Türen. Und so viel Gewinn für die klamme Hansestadt, wie Remondis anbietet, könne Nordwasser gar nicht machen.

Dafür gibt es aber Gründe: Denn die kommunale Tochter wäre an das öffentliche Gebührenrecht gebunden, muss einfach nur eine „schwarze Null“ einfahren. Ein privates Unternehmen hingegen kann an der Gebührenschraube drehen – und Gewinne machen. „Natürlich sind zwölf Millionen Euro verlockend. Aber Leidtragende wären die Wasserkunden“, so ein Mitglied der Bürgerschaft.

Remondis stritt am Nachmittag noch ab, dass es einen Deal mit der Stadt gibt. OB Methling reagierte auf Anfragen der OZ zu dem Thema gar nicht.

Das Geschäft Wasser

260000 Kunden in Rostock und Umland beziehen derzeit noch vom privaten Versorger Eurawasser ihr Wasser. Das Unternehmen gehört zur Remondis-Gruppe mit Hauptsitz in Lünen.

6 Milliarden Euro Umsatz machte Remondis im Jahr 2015. Das Unternehmen gehört der Unternehmerfamilie Rethmann.

10 Prozent weniger als bisher sollen die Rostocker ab 2018 für Wasser und Abwasser bezahlen müssen – nach der Rekommunalisierung.

Andreas Meyer

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