Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Mietpreisbremse: Rostock muss Bedarf erst beweisen

Stadtmitte Mietpreisbremse: Rostock muss Bedarf erst beweisen

Wohnraum ist knapp und wird immer teurer / Die Hansestadt will Preisexplosionen per Gesetz verbieten lassen / Bauministerium prüft Antrag

Stadtmitte. Bittere Pille für Wohnungssuchende in Rostock: Die Landesregierung hat es abgelehnt, zügig Regionen für die Einführung einer Mietpreisbremse auszuweisen (die OZ berichtete). Damit erteilt sie auch dem Appell der Rostocker Bürgerschaft eine Absage.

Die hatte im Dezember 2015 die rot-schwarze Koalition dazu aufgefordert, Wuchermietern per Gesetz zu verhindern. „Wir waren am Anfang skeptisch, ob ein Rostocker Beschluss in Schwerin überhaupt ernst genommen wird“, sagt Bürgerschaftsmitglied Eva-Maria Kröger (Linke). Schließlich habe ihre Fraktion den von SPD und Grünen initiierten Handlungsauftrag ans Land aber unterstützt. Jetzt sei sie umso mehr enttäuscht, dass sich auf Landesebene nichts bewege. Der SPD wirft sie „Schaufensterpolitik“ vor. In Rostocks habe sie für die Mietpreisbremse geworben, im Landtag dann doch dem Willen der CDU nachgegeben. Obwohl Rostock die Mietpreisbremse dringend bräuchte.

Wer in Rostocks City wohnen möchte, braucht entweder viel Glück oder Geld. Für einkommensschwache Familien, Studenten und Senioren wird es hingegen immer schwieriger, im Zentrum ein neues Heim zu finden. Wenig Leerstand und viele Interessenten — das treibt die Mieten hoch. Um zu verhindern, dass die Preise weiter so rasant in die Höhe schnellen, hatte die Stadt Ende Januar nach dem Bürgerschaftsbeschluss vom Dezember beim Wirtschaftsministerium beantragt, die gesamte Stadt als „angespannten Wohnungsmarkt“ auszuweisen. Voraussetzung für die Mietpreisbremse.

Das Ressort von Minister Harry Glawe (CDU) allerdings fordert Beweise dafür, dass Rostock die nötigen Kriterien für eine Deckelung der Bestands- und Wiedervermietungsmieten überhaupt erfüllt. Bisher lägen die nicht vor, heißt es aus Schwerin. Wohl auch, weil aussagekräftige Statistiken erst noch erhoben werden müssen. Mit den Daten, die Rostock bislang zulieferte, ist das Wirtschaftsministerium jedenfalls nicht zufrieden. Große Nachfrage bei geringem Wohnungsangebot allein reicht als Beleg nicht aus. Nachweisen muss Rostock unter anderem auch, dass die Mietanstieg und -belastung der Haushalte deutlich über Bundesniveau liegen und alle Neubautätigkeiten den Bevölkerungszuwachs nicht aufgefangen können. In einem Schreiben hat Glawe vergangene Woche um entsprechende Zuarbeit gebeten.

Beweise für die prekäre Situation auf dem Markt braucht Kai-Uwe Glause vom Mieterverein Rostock nicht. „Die Preise explodieren. Ungebremst. Eine bezahlbare Wohnung in der Innenstadt zu finden, ist für den größten Teil der Bevölkerung eine unlösbare Aufgabe.“ Die Wohnungsunternehmen würden zwar Millionen in Neubauwohnungen investieren, sie aber auch zu entsprechenden Preisen vermieten. Für Durchschnittsverdiener seien die utopisch, sagt Glause. Solange sich aber solvente Kundschaft finde, drehe sich die Preisspirale weiter.

Leidtragende sind diejenigen, die da nicht Schritt halten können. Beispiel Rentner: Viele von ihnen möchten oder müssen in eine kleine, altersgerechte Wohnung umziehen, wollen aber in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. „Das kann sich aber kaum jemand leisten. Vielen bleibt keine andere Wahl, als in die Ferne zu ziehen“, verdeutlicht Monika Schmidt vom Sozialverband VdK. Ähnlich sehe es bei jungen Familien aus. Viele von ihnen lebten trotz geregeltem Einkommen an der Armutsgrenze. „Sie kommen gerade so über die Runden.“ Mit Mindestlohn sei eine teure Miete nicht vereinbar.

Laut Mietspiegel zahlen Rostocker durchschnittlich 5,69 Euro je Quadratmeter. In begehrten Stadtteilen müssen sie aber deutlich tiefer in die Tasche greifen: Nach Berechnungen des Online-Portals Immobilienscout sind in Stadtmitte und der KTV Quadratmeterpreise von 12 Euro und mehr Standard. In der Südstadt sind zehn Euro pro Quadratmeter üblich. Tendenz steigend. Zum Vergleich: In Toitenwinkel oder Evershagen sind lediglich zwischen 4,50 Euro und 6,50 Euro pro Quadratmeter fällig.

Monika Schmidt befürwortet eine Preisbremse, warnt aber vor deren Risiken. „Bevor sie eingeführt wird, werden die Vermieter ihre Mieten sicher noch mal drastisch anheben.“

Von Antje Bernstein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Satow
Irene und Joachim Jost sind die ersten Mieter im neuen barrierefreien Wohnhaus in Satow. Sie kommen aus Berlin.

Viel Lob für neues Wohnhaus / Tag der offenen Tür wurde gut genutzt

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Auf Genussreise durch Vorpommern

Die 2. Messe mit regionalen Produkten bot Gaumenfreuden pur