Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 6 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Mietstreit im „Regenbogenhaus“ eskaliert

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Mietstreit im „Regenbogenhaus“ eskaliert

Mieter fühlen sich von Verein „rat+tat“ gemobbt / Mieterverein spricht von Sonderfall / 5000 Fälle pro Jahr

Voriger Artikel
Trotz guter Noten: Jedes zweite Pflegeheim hat Mängel
Nächster Artikel
Mietstreit im „Regenbogenhaus“ eskaliert

Christian Weber (l.) und Hagen Fiedler haben den Garten nutzbar gemacht – nun untersagt der Vermieter ihnen die Nutzung.

Quelle: Ove Arscholl

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Zugeklebte Briefkästen, gestohlene Schuhe und eine Anzeige wegen Beleidigung: Im sogenannten Regenbogenhaus in der Leonardstraße tobt ein bizarrer Mietstreit.

OZ-Bild

Mieter fühlen sich von Verein „rat+tat“ gemobbt / Mieterverein spricht von Sonderfall / 5000 Fälle pro Jahr

Zur Bildergalerie

Der Rostocker Mieterverein ist eine Selbsthilfeorganisation mit aktuell rund 5600 Mitgliedern. Bei Mietrechtsfragen sind die Berater unter ☎ 0381 / 375 290 oder per E-Mail post@mieterverein-rostock.de erreichbar.

Christian Weber (35) und sein Verlobter Hagen Fiedler (38) fühlen sich vom Vermieter, dem Schwulen- und Lesbenverein „rat+tat“, gemobbt. „Der neue Vorstand versucht, uns hier rauszuekeln. Wir werden schikaniert und gestalkt“, sagt Fiedler.

Der Fall ist einer von Tausenden Mietstreitigkeiten in der Hansestadt. Allein der Rostocker Mieterverein verzeichnet pro Jahr rund 5000 mietrechtliche Beratungen. Schwerpunkte sind dabei Betriebskostenabrechnungen (62,5 Prozent), Wohnungsmängel (13 Prozent), allgemeine Mietvertragsprobleme (7,8 Prozent) und Kündigungen (5 Prozent).

Im „Regenbogenhaus“ störe sich der Verein an der Gartennutzung, sagen die Mieter. Dabei hätten Fiedler und Weber eine Vereinbarung mit dem alten Vorstand geschlossen: Sie dürfen den Garten nutzen – und müssen ihn dafür pflegen. „Das war hier eine Wüste. Wir haben den Rasen neu gesät. Nelken, Rosen und Sonnenblumen gepflanzt, eine Treppe angelegt“, so Fiedler. Der Garten war ihre Oase. Bis Fiedler bei der Arbeit eine Handynachricht vom neuen Vorstand erhielt: Sein Verlobter, der sich gerade im Garten Oberkörper frei sonnte, solle sich etwas überziehen. Und die Wäsche von der Leine nehmen, hieß es in der Nachricht. Rums. Seitdem fühlen sich die Mieter beobachtet.

„Wenn wir im Garten sind, wird wahrscheinlich alles dokumentiert“, sagt Fiedler. Sein Verlobter schrieb im sozialen Netzwerk Facebook von „Stasimachenschaften“ – woraufhin der Verein Anzeige wegen Beleidigung erstattet habe. „Das Verfahren wurde wegen Meinungsfreiheit eingestellt. Ich habe den Eintrag auf Facebook in ,Stasimethoden’ geändert“, sagt Weber.

Von einem Sonderfall spricht Kai-Uwe Glause, Rechtsberater beim Rostocker Mieterverein. Dass Privat-Vermieter und Mieter im gleichen Haus wohnten, sei in Rostock sehr selten – der Anteil liege bei unter zehn Prozent. „Wenn es aber so ist, kommt es häufig zu Reibereien“, so Glause. Vor allem, wenn Vermieter konkrete Vorstellungen vom Zusammenleben hätten. Dann achteten sie besonders darauf, dass es so funktioniere, wie sie sich das denken. Bei Treppenhausreinigung und Gartenarbeit etwa würden überzogene Ansprüche gestellt. Ohne jede Berechtigung. Einige Vermieter betrachteten Mieter wie „Leibeigene“.

„Auf der anderen Seite gibt es Mieter, die meinen, sie hätten jede Freiheit. Aber das hat in einem Mehrfamilienhaus Grenzen“, sagt Glause. Häufig gehe es um Nichtigkeiten, manchmal seien Vorwürfe berechtigt. „Mancher denkt, er dürfe einmal im Monat auf dem Balkon grillen. Doch das ist nicht so.“ Es komme auf die Umstände an. „Gibt das Haus mit der Balkonanordnung das überhaupt her?“

Eine Besonderheit im „Regenbogenhaus“ ist der Treppenflur. Durch die Bar im Erdgeschoss kämen spät abends Fremde rein. Die Folge: „Dreck, Lärm, Urin, Exkremente und Gestank bis in die oberen Etagen“, sagen die Mieter. Weber betont: „Wir haben nichts gegen die Bar, aber gegen den Lärm auf dem Flur. Hier wurde uns eine sichtbare Grenze zwischen öffentlichem und privatem Bereich versprochen.“ Als nichts passiert, installieren die Mieter eine Kamera-Attrappe – zur Abschreckung Fremder. Reaktion des Vermieters: Abmahnung wegen baulicher Veränderung. Die Mieter entfernen die Attrappe wieder.

Kurz darauf werden ihnen Schuhe gestohlen, die vor ihrer Wohnungstür stehen.

Der Schreit schaukelt sich weiter hoch. Die Mieter schalten Mieterverein und Anwalt ein, auch weil die Nebenkostenrechnung zu hoch sei. Sie machen eine Mietminderung um 35 Prozent geltend. Seit zwei Monaten stehe nun ihr Bad unter Wasser, weil die Duschkabine einen Riss habe und ein Wasserhahn lecke. Nichts passiere.

Der Vermieter kündigt derweil eine Mieterhöhung von 20 Prozent an – und untersagt die Gartennutzung. Zum Fall äußern will sich der Verein „rat+tat“ nicht. „Es läuft ein Rechtsstreit, dem wollen wir nicht vorgreifen“, sagt Vorstandsmitglied Frank-Egon Naß. Auch die Hausverwaltung, Dick Immobilienmanagement, schweigt.

André Wornowski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Grevesmühlen/Mallentin
Wir sind der Dienstleister und müssen uns an das halten, was der Landkreis als Auftraggeber vorsieht.“ Ekkehard Giewald, DRK-Geschäftsführer

Mit Blaulicht und Sirene ist er in Mallentin mit 90 Stundenkilometern geblitzt worden / Anwalt spricht von „hirnverbranntem Blödsinn“ / Dem DRK sind die Hände gebunden

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Telefon: 03 81 / 36 54 10

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
E-Mail: lokalredaktion.rostock@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Cafe,Kultur,Freizeit,Tipps Teaser der den User auf die Seite Rostocker Geheimtipps führen soll image/svg+xml Image Teaser Rostocker Geheimtipps 2017-04-30 de Themenseite Rostocker Geheimtipps Junge Rostocker entwickeln im OZ-Labor frische Ideen für die OSTSEE-ZEITUNG. In der Serie OZ-Entdecker stellen sie ihre Geheimtipps für die Stadt vor.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Für einen Tag Tischler, Seefahrer oder Bundespolizist

Mädchen lernen beim Girls’ Day typische Männerberufe kennen