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Minderjährige unter Alkohol: Großrazzia im „Kosmos“

Südstadt Minderjährige unter Alkohol: Großrazzia im „Kosmos“

Großkontrolle in der Südstadt / Übernimmt ein NPD-Mann die Disko?

Südstadt. Es ist 0.30 Uhr am frühen Sonnabendmorgen, als plötzlich 112 Polizisten in voller Einsatzmontur die Diskothek „Kosmos“ in der Südstadt abriegeln. Razzia.

Keiner darf mehr rein, keiner raus. Angerückt sind auch Fachleute des Gewerbe- und des Jugendamtes der Stadt. Denn die Behörden haben nicht etwa Drogen, sondern Kinder und Jugendliche im Visier. Und bei der Großkontrolle gelingt ihnen ein Volltreffer: Sie greifen im „Kosmos“ 47 Minderjährige auf. Dem Betreiber drohen fünfstellige Bußgelder und der Verlust seiner Lizenz.

Kontrolle seit Wochen geplant

In den sozialen Netzwerken im Internet hat die Diskothek keinen allzu guten Ruf: Dass dort Minderjährige bis in die Nacht feiern, sei die Regel. Das schreiben jedenfalls mehrere Nutzer bei Facebook.

Zuletzt hatten auch die Behörden mehrmals Hinweise erhalten, dass in dem Club selbst Kinder – also Jugendliche unter 14 Jahren – feiern. Alkoholisiert und oft sogar unter Drogen. „Im Fall des ,Kosmos‘ haben wir die Notwendigkeit einer Kontrolle als gegeben gesehen“, so Ulrich Kunze, Sprecher der Hansestadt. Die Razzia war unter strenger Geheimhaltung vorbereitet worden, selbst im Rathaus wusste nur ein kleiner Kreis davon.

Am Sonnabend rückten nun die Ermittler an: Das Gelände wurde abgesperrt, mit Lichtmasten leuchtete die Polizei das Areal aus. Sogar ein Zelt bauten die Fahnder auf – als Kontrollposten. „An der Aktion waren Kräfte der Rostocker Polizei und der Bereitschaftspolizei des Landes beteiligt“, sagt Dörte Lembke, Sprecherin der Polizeiinspektion.

23 Minderjährige unter Alkohol

Alle gut 100 Gäste wurden durchsucht. Stadt und Polizei ziehen danach eine erschreckende Bilanz: Gut die Hälfte der Besucher im „Kosmos“ war minderjährig – darunter sogar ein Kind. 23 Minderjährige waren alkoholisiert. Gegen sieben Personen wird ermittelt: Bei einem Gast wurden Drogen gefunden, bei dreien stellten die Beamten Waffen sicher und drei Besucher müssen sich wegen Beleidigung verantworten.

Die Minderjährigen mussten im Club bleiben, bis ihre Personalien festgestellt und sie von ihren Eltern abgeholt wurden. In einigen Fällen weigerten sich Mutter und Vater jedoch. Die Minderjährigen wurden dann nach Hause gebracht. Im Internet beschweren sich Jugendliche, dass sie sogar auf die Toilette nur in Begleitung von Polizisten durften. „Rostock setzt die Anforderungen des Jugendschutzgesetzes konsequent durch. Die Ergebnisse der Kontrollen werden jetzt ausgewertet“, sagt Stadtsprecher Kunze. Welche Folgen das für den Betreiber hat, kann er noch nicht sagen. Der Bußgeldkatalog sieht für schwere Verstöße Strafen von bis zu 15 000 Euro pro Einzelfall vor. Zudem droht dem Inhaber der Verlust der Lizenz und dem Club die Schließung.

NPD-Mann soll Club führen

Das „Kosmos“ sorgt schon seit Wochen für Gesprächsstoff in den sozialen Netzwerken. Betreiber der Diskothek ist laut deren Internet- Seite Eduard Geers. Der Geschäftsmann machte in den 1990er Jahren Schlagzeilen mit dem Tierschutzverein „Arche 2000“. Geers, besser bekannt als „Eppy“, soll zehn Millionen veruntreut haben. Er wurde wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. 2014 eröffnete Geers im ehemaligen Tanzlokal „Dietas“ das „Kosmos“. Bei Facebook machen nun Gerüchte die Runde, Geers wolle das „Kosmos“ abgeben. Übernehmen soll Birger Lüssow.

Der Rostocker war bis 2011 Landtagsabgeordneter der NPD und saß für die rechtsextreme Partei auch in der Bürgerschaft. Doch Lüssow selbst dementierte die Gerüchte, die linke Szene rief bereits zum Boykott des „Kosmos“ auf. Der Stadtverwaltung ist von einem Betreiberwechsel derzeit nichts bekannt, sagt Ulrich Kunze. Nach OZ-Informationen sollen sich Leute aus Geers Umfeld im Rathaus aber bereits erkundigt haben, was für Genehmigungen für eine Übernahme der Disko nötig seien.

Andreas Meyer

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