Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Mini-Kameras filmten heimlich nackte Sauna-Gäste

Mini-Kameras filmten heimlich nackte Sauna-Gäste

Spanner-Eklat in Warnemünde: Polizei fasst 42-Jährigen / Zwei Frauen entdeckten die Kameras / Täter filmte möglicherweise seit Monaten

Voriger Artikel
Dubiose Firmen machen mit illegalen Kleiderboxen Kasse
Nächster Artikel
GEZ-Protest mit 106 Kilo Kleingeld

Die Opfer Lisa S., Anne-Marie S. und ihr Rostocker Anwalt Henning Köhler sichten das Videomaterial.

Warnemünde. Männer, Frauen und auch kleine Kinder – ohne es zu merken, wurden sie möglicherweise über Monate Opfer eines Spanners: Ein 42 Jahre alter Rostocker soll im Sauna-Bereich eines Erlebnisbades in Warnemünde unerlaubt Video-Aufnahmen von den nackten Gästen gemacht haben. So stellt sich der Fall jedenfalls aktuell für die Staatsanwaltschaft dar. Die rätselhafte Tat flog am Sonntag auf, als zwei junge Frauen aus Lübz eine Kamera entdeckten. Anne-Marie S. (30) und Lisa S. (26) bauten das kleine Gerät ab, erstatteten Anzeige. Gestern dann der schnelle Ermittlungserfolg: Die Polizei erwischte den Täter auf frischer Tat.

OZ-Bild

Spanner-Eklat in Warnemünde: Polizei fasst 42-Jährigen / Zwei Frauen entdeckten die Kameras / Täter filmte möglicherweise seit Monaten

Zur Bildergalerie

Der Rostocker Anwalt Henning Köhler vertritt die beiden jungen Opfer, die den entscheidenden Anstoß für die Ermittlungen geliefert hatten: „Die beiden wollten am Sonntag einen entspannten Tag in der Sauna verleben.“ Nach einem der Sauna-Gänge in dem öffentlichen Wellness-Bereich des Aja- Ressorts entdeckten die Lübzerinnen dann etwas, das ihnen höchst seltsam vorkam: „Zwischen Shampoo-Probefläschchen lag ein schwarzer Kasten mit USB-Anschluss und einer kleinen Linse.“ Anne-Maria S. und Lisa S. ahnten sofort, was das sein könnte und steckten die Kamera ein. Zu Hause schlossen sie das Gerät an ihren Computer an und entdeckten fast vier Stunden Bildmaterial – aufgenommen im Nacktbereich des „Seebades“.

Auffällig häufig sollen die beiden Frauen auf den Aufnahmen zu sehen sein. Warum sie nach dem Fund nicht sofort das Personal des „Seebades“ oder die Polizei informierten? „Sie wollten sich nicht den Mitarbeitern anvertrauen. Die beiden konnten damals ja noch nicht wissen, wer hinter dieser Tat steckt“, sagt Köhler. Stattdessen wandten sich Lisa S. und AnneMarie S. an den Anwalt, der erstattete unverzüglich Anzeige.

Gestern entdeckten Mitarbeiter des „Seebades“ dann plötzlich eine weitere Kamera – versteckt im Wellness-Bereich. „Die Mitarbeiter beobachteten einen Dauergast, riefen die Polizei“, so Staatsanwalt Harald Nowack. Der Verdächtigte zeigte sich sofort kooperativ und geständig, händigte den Beamten noch eine weitere Video-Falle aus. Seit wie vielen Monaten der Mann Kameras versteckt hatte und wie viele Menschen Opfer seines kriminellen Handelns wurden, kann die Staatsanwaltschaft noch nicht sagen. Am Abend dauerten die Vernehmungen des Verdächtigen noch an. „Vermutlich werden die Ermittler auch noch seine Wohnung durchsuchen.“ Die Computer des Mannes könnten für das Verfahren entscheidend sein. „Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mann bis zu zwei Jahre Haft“, sagt Nowack.

Zwischenzeitlich hatten die Ermittler noch eine andere Spur verfolgt: Einer der beiden Frauen war an jenem Sonntag im „Seebad“ von einem jungen Mann ein Zettel zugesteckt worden – mit dessen Namen, einer Telefonnummer und der Bitte, sich doch mal zu melden. Ob es einen Zusammenhang mit dem Video-Spanner gibt, wird nun ebenfalls geprüft.

Rechtsanwalt Köhler bezeichnet den Vorfall als „harte Nummer“: „Mehr als 200 Minuten lang hat jemand all die Menschen gefilmt. Bade- und Saunagäste, die sich ungezwungen erholen wollen.“ Die Aja-Gruppe äußert sich zu dem Vorfall im „Seebad“ nur kurz und knapp: „So etwas gab es noch nie in einem unserer Bäder“, sagt Unternehmenssprecherin Michaela Störr. „Wir bedauern das natürlich sehr für die betroffenen Gäste. Aber wir sind froh, dass der Fall so schnell aufgeklärt werden konnte – unter tatkräftiger Unterstützung unserer Mitarbeiter.“

Der Fall in Warnemünde erinnert an den sogenannten „WC- Spanner“ von Stralsund: 2014 hatte in der Hansestadt ein damals 39 Jahre alter Mann Kameras auf öffentlich zugänglichen Toiletten an mehreren Orten – unter anderem in einer Bäckerei – versteckt. Die Video-Geräte waren in Boxen für WC-Steine versteckt. Wenig später wurden ähnliche Vorfälle an der Uni in Greifswald bekannt.

Tatverdächtig war dort ein 47-Jähriger. Ebenfalls in Stralsund wurde 2015 ein Soldat zu einer Geldstrafe verurteilt, der Rekruten nackt beim Duschen in der Marinetechnikschule gefilmt hatte.

Andreas Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Nachdem die Zöllner zwei Personen ohne Papiere aufgegriffen haben, halten sie sie im Einsatzfahrzeug fest, um sie danach zur Bundespolizei nach Stralsund zu fahren.

Zöllner suchen im Raum Greifswald nach illegal Beschäftigten – und werden sofort fündig

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

DCX-Bild
Der Schein trügt: Fast alle Sterbe-Atteste sind fehlerhaft

Rostocker Rechtsmediziner: Tötungsdelikte können durch nachlässige Leichenschauen unentdeckt bleiben