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Tessin Mit Gummibärchen und Fromms

Jüdische Geschichte zum Anfassen / Museum Berlin zeigt mobile Ausstellung in Tessiner Schule

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Museumspädagoge Arnon Hampe (v. r.) erklärt den Schülern Max (16), Nils (14), Lucie (16) und Jasmin (16) die Tora-Rolle.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl (2), Doris Kesselring

Tessin. „Wie alt ist das Judentum?“, fragt Gunnar Meyer in die Runde. 70 Jahre? 1000? Die Fünftklässler raten. „3500 Jahre“, sagt der elfjährige Michel. „Das habe ich gelesen.“ Auch im weiteren Verlauf der ungewöhnlichen Geschichtsstunde gestern an der Regionalschule „Anne Frank“ in Tessin glänzt Michel mit guten Kenntnissen.

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Jüdische Geschichte zum Anfassen / Museum Berlin zeigt mobile Ausstellung in Tessiner Schule

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Halt an fünf Schulen in MV

Die mobile Ausstellung macht 2017 an 30 weiterführenden Schulen kostenlos im ganzen Bundesgebiet Halt. Vom 20. bis 24. März besucht der on.tour-Bus Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. Am Montag wurde Station in Hagenow gemacht, gestern in Tessin, morgen in Bergen auf Rügen, am Donnerstag in Schwaan und am Freitag in Torgelow.

Das Jüdische Museum Berlin ist mit einem Kleinbus on Tour und macht mit einer mobilen Ausstellung Halt in Tessin. Geschichtslehrerin Ute Thiele hat sich um das Projekt beworben, in dem Schüler ab Klasse 5 interaktiv und selbstständig jüdische Traditionen, Feste und Geschichte kennenlernen können. Bundesweit steuert das On-Tour-Team in diesem Jahr 30 Schulen mit dem mobilen Bildungsprogramm an, fünf davon in Mecklenburg-Vorpommern. „Unser Name, Anne Frank, hat sicherlich gezogen“, ist Schulleiter Ulrich Ziolkowski überzeugt. Seit 1965 schon trägt die Schule den Namen des jüdischen Mädchens, deren berühmtes Tagebuch zur Pflichtlektüre der Schüler gehört. „Tessin hatte einmal eine Synagoge“, berichtet Ute Thiele, die mit ihren Schülern durch die Kleinstadt läuft, ihnen ehemals jüdische Läden zeigt und Familiengeschichten erzählt. Die Kinder pflegen den jüdischen Friedhof in ihrer Heimatstadt und legen Blumen an der Anne-Frank-Stele auf dem Schulgelände nieder, wenn die Namensgeberin ihrer Schule Geburtstag hat.

Die Museumspädagogen aus Berlin sind beeindruckt. „Das ist auch für uns etwas ganz Besonderes, dass wir in einer Stadt sind, in der es eine Synagoge gab und einen Friedhof, und wo sich eine Schule so um jüdische Geschichte kümmert“, sagt Gunnar Meyer. Mit koscheren Gummibärchen erläutert der 40-Jährige den Schülern spielerisch jüdische Speisegesetze. „Er macht das total interessant“, findet Jennifer (11).

Die Mädchen und Jungen hocken auf fünf roten robusten Würfeln mit 16 Fenstern und verständlichen Texttafeln. In den Würfelvitrinen stecken Alltagsgegenstände und Zeremonialobjekte, mit denen die Schüler der Klassen 5 bis 7 an diesem Vormittag in mehreren Runden die Themen „Jüdischer Alltag“, „Leben und Überleben“ oder „Feste feiern“ erarbeiten. So erfahren sie, was Schabbat und Menora sind, dass hinter Niveacreme-Dosen und Levi’s Jeans spannende Unternehmer-Biographien deutsch-jüdischer Persönlichkeiten stecken.

Lisa schaut in ihren Würfel. „Was siehst du?“, fragt Gunnar Meyer. „Fromms“, liest die Fünftklässlerin vor und wird rot. Die Klasse lacht. Doch als es darum geht, in kleinen Teams das Museum zum Anfassen zu erobern und den anderen anschließend eine Geschichte vorzustellen, stürzen sich vor allem die Jungen auf die Fromms-Vitrine. „Das ist spannend“, sagt Justin, als er sich die Lebensgeschichte des Kondomfabrikanten Julius Fromm anschaut. „Das war also praktisch der Gummi-Erfinder“, sagt Arne. Schon sind die Jungs gefangen, die Albernheit ist verflogen, ihre Neugier geweckt.

Larissa, Johanna und Nele befassen sich mit Vornamen hebräischen Ursprungs. Jenny, Laura, Maximilian und Linus haben die Tora entdeckt, die hebräische Bibel mit 613 Ver- und Geboten. Die Verbindung jüdischer Geschichte mit der Lebenswelt der Schüler soll Lust auf einen Besuch des Jüdischen Museums Berlin machen. Die dürften die Tessiner gestern bekommen haben.

Doris Kesselring

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