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Kösterbeck/Bad Doberan Mit der ganzen Welt in Verbindung

Mailen? Chatten? Telefonieren? Amateurfunker gehen ihre eigenen Wege

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Der 75-jährige Eberhard Kammrath, Rufzeichen DL3CV, verbringt manchmal Stunden in seiner kleinen Funkstation – seit mehr als 50 Jahren lässt das Hobby ihn nicht los.

Quelle: Fotos: Katja Bülow

Kösterbeck/Bad Doberan. Eberhard Kammrath ist seit mehr als 50 Jahren Amateurfunker. Sein Haus in Kösterbeck, östlich von Rostock, ist schon von weitem an den großen Antennen auf dem Dach und hinten im Garten zu erkennen. In dem kleinen Zimmer, das sich der 75-Jährige als Funkstation eingerichtet hat, sitzt er oft stundenlang vor der alten DDR-Morsetaste, dem UKW-Gerät und seinem Laptop, den er mit einem selbst gebauten Sender und einem Empfänger verbunden hat. Ein absolut unzeitgemäßes Hobby angesichts der ständigen Verfügbarkeit von Internet und Handy, so könnte man meinen. Doch Kammrath schüttelt lachend den Kopf und versichert: „Das ist es überhaupt nicht.“

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Postkarten aus aller Welt stapeln sich auf dem Schreibtisch, sogenannte QSL-Karten, Verbindungsbestätigungskarten, die die Funker – wie Jäger ihre Trophäen – hüten und die von den Verbänden der unterschiedlichen Staaten jeweils gesammelt in großen Paketen verschickt werden. Kammrath zeigt eine solche Karte von Patrick Novak aus Australien, andere von Funkern aus Peru, Leipzig oder von der Insel Banaba im Pazifischen Ozean. „Ich kann über Funk Verbindungen nach Sonstewo aufnehmen, mit Chinesen, Japanern oder Neuseeländern einfach so mal in Kontakt kommen.“ Mit Hilfe von Betriebsabkürzungen ist es sogar möglich, dass Menschen miteinander kommunizieren, die völlig verschiedene Sprachen sprechen. Das Kürzel „as“ steht da beispielsweise für „bitte warten“, „btr“ für besser und „bcnu“ für „ich hoffe, Sie wieder zu treffen“. Die Inhalte dieser „Gespräche“ drehen sich allerdings meist um banale Dinge und vor allem um die Technik selbst – vielleicht einer der Gründe, warum es unter den Amateurfunkern kaum Frauen gibt. Politik ist bei den internationalen Verbindungen ein absolutes Tabu. Franz Berndt, der in Bad Doberan beheimatete Vorsitzende des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) in Mecklenburg-Vorpommern, erklärt: „Es gibt Länder, in denen würden die Menschen sonst sofort große Probleme bekommen. Einige, wie Nordkorea, haben den Amateurfunk aus lauter Angst sogar ganz verboten.“ Immerhin: Reisende können auch aus solchen Regionen funken. Berndt selber hat seine Technik einmal auf die Marshall-Inseln im westlichen Ozeanien mitgenommen und sich einen Spaß daraus gemacht, aus dieser exotischen Ecke der Welt mit anderen in Kontakt zu treten.

Eberhard Kammrath interessiert vor allem das Tüfteln, das Wissen über die benutzte Technik, das er nach und nach erweitern konnte. Dabei war es zunächst nur der Zufall, der ihn zur einstigen Clubstation der Neptun-Werft führte. Als junger Mann hatte er an der Rostocker Universität eine Ausbildung zum Rundfunkmechaniker angefangen, es war ihm aber verboten, Rundfunkgeräte zu reparieren.

„Das war völlig verrückt, ich musste doch irgendwie Erfahrungen damit sammeln und wollte ja auch irgendwann ein Examen ablegen.“ So kam er zur Funktruppe der DDR-Gesellschaft für Sport und Technik, wo er innerhalb von zwei Jahren zum Amateurfunker wurde. Gesetzeskunde, internationale Abkürzungen, Rechte und Pflichten . . . – Kammrath versichert: „Die Amateurfunker-Prüfung hatte und hat es in sich.“ Während CB-Funker einfach in den nächsten Laden gehen und loslegen können, müssen diejenigen, die mit deutlich mehr als vier Watt agieren und ihre Anlagen selber bauen, auch heute noch bei der Bundesnetzagentur belegen, dass sie dazu auch in der Lage sind.

Die Mitglieder im Rostocker Ortsverband des DARC haben mittlerweile ein Durchschnittsalter von etwa 65 Jahren, in Verbänden wie in Bad Doberan sind auch einige Jüngere vertreten. Franz Berndt: „Für die ganz Jungen sind meist die digitalen Betriebsarten interessant, bei denen schon mit ganz geringen Leistungen, also auch mit ganz geringen Kosten, Kommunikation über große Entfernungen möglich ist.“ Warum sie nicht ganz einfach gleich eine Mail schicken? Kammrath winkt ab: „Das wäre einfach, aber der Reiz ist ja zu sehen, ob meine Antennenanlage funktioniert, ob meine Sendeleistung ausreicht. Amateurfunk ist Experimentalfunk, das ist etwas ganz anderes.“

Fuchsjagden, Field Day, Selbstkontrolle

Wettbewerbe verschiedenster Art gehören zum Vereinsleben des Deutschen Amateurradio-Clubs, der in MV derzeit 535 Mitglieder hat. Mal geht es dabei darum, in kürzester Zeit Verbindung zu allen Ländern oder Kontinenten aufzunehmen, ein anderes Mal, wie bei den Fuchsjagden, werden Sender im Gelände versteckt, die es zu finden gilt. Am kommenden Wochenende ist überall in MV Field Day. Die Funker sitzen dabei irgendwo im Grünen und müssen beweisen, dass sie auch ohne Anschluss ans feste Stromnetz weiter arbeitsfähig sind. Abgesehen von solchen Ausscheiden kümmert sich der DARC aber auch um die Selbstkontrolle. So gibt es eine ehrenamtliche Bandwacht, die darauf achtet, dass der Funk nicht für kommerzielle Zwecke missbraucht wird.

Infos zum Verein und zu Stammtischen in den Ortsverbänden: www. amateurfunk-mvp.de

Katja Bülow

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