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Mit diesen Maschen operieren Rostocks Ladendiebe

Rostock Mit diesen Maschen operieren Rostocks Ladendiebe

Täter aus allen Alters- und Sozialschichten / Aufklärungsrate bei 90 Prozent

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Rostock. T-Shirts, Hemden, Lippenstift und Mascara. Darauf haben es die Langfinger in Rostock besonders abgesehen. 1330 Fälle von Ladendiebstahl gab es 2015 in Rostock. Doch die Diebe haben es schwer. Die Aufklärungsrate der Fälle liegt bei über 90 Prozent.

Bundesweit Schaden von vier Milliarden Euro im Jahr

Lutz Schlösser, Polizeihaupt-

kommissar

in Rostock

FOTO:

OVE ARSCHOLL

Viele Diebe stehlen nicht aus der Not heraus. Ivonne K. (Name von der Redaktion geändert) erzählt, wie es bei ihr war: „Warum ich gestohlen habe, das weiß ich nicht genau. Eine Angewohnheit, ich habe es nicht einmal als schlimm empfunden. Es gab mir ein gutes Gefühl.“ Als Ivonne elf Jahre alt war, ging sie mit ihrer Freundin in einen Laden, um zu stehlen. „Beim Rausgehen wurden wir plötzlich angehalten und vom Marktleiter in das Büro geführt“, erzählt sie. Dort mussten sie ihre Taschen leeren, die Polizei wurde gerufen. Die Mädchen wurden mit aufs Revier genommen, kamen in eine Zelle.

Ivonne: „Am Anfang war noch alles in Ordnung. Doch dann wurde meine Freundin von ihren Eltern abgeholt und plötzlich war ich allein in der Zelle.“ In diesem Moment seien bei ihr Schuldgefühle aufgekommen, und sie habe sich geschworen, nie wieder zu klauen.

Für Polizeihauptkommissar Lutz Schlösser keine Überraschung. Die Täter kämen aus allen Alters- und Sozialschichten. „Gelegenheit macht Diebe“, sagt Schlösser. Auffällig sei nicht etwa eine bestimmte Altersgruppe, sondern eher das Auftreten der Diebe.

Hier stimmen auch die Verkäufer. Um solche Leute zu erkennen, sei Menschenkenntnis nötig, verrät eine Verkäuferin. Eine beliebte Masche sei es, dass die Diebe in Gruppen kommen. Während sich zwei beraten ließen, stehle der andere Teil der Gruppe. Doch oft fällt erst am Abend auf, dass etwas fehlt. „Dann lässt man manche Situationen Revue passieren und es fällt einem ein, dass sich Leute sonderbar verhalten haben“, erzählt die Verkäuferin. Viel wird vor den Eingängen der Geschäfte gestohlen, doch auch mitten in den Geschäften langen die Langfinger zu. Blusen werden unter weite Pullover gezogen, das ein oder andere Teil wandert in die Sporttasche. Die Sicherungen werden zum Teil einfach herausgeschnitten. Nicht selten werden die Diebe auf frischer Tat ertappt. Nicht ungefährlich, berichtet ein Verkäufer. Seine Kollegin sei von der Treppe gestoßen worden, als sie versuchte, einen Dieb aufzuhalten. Erst nach mehreren Wochen habe sie wieder arbeiten können. Auch kreative Lösungen helfen nicht immer: Um den Diebstahl von Taschen einzüdämmen, banden die Mitarbeiter des Geschäfts immer zehn Taschen zusammen. Als diese dann jedoch alle auf einmal fehlten, war klar: Auch das bringt nichts. Auch wenn nur einzelne Schuhe in den Regalen stehen, ist das kein wirksamer Schutz: So klaute ein Mann tatsächlich einen blauen und einen roten Schuh verschiedener Paare. Später sah man ihn damit durch die Stadt laufen.

Wo und was geklaut wird, hänge oft von der Sicherung des Ladens ab, sagt Hauptkommissar Schlösser, etwa, ob es Kameras gebe und ob Detektive eingesetzt werden. Insgesamt halte sich der Diebstahl in Rostock jedoch in Grenzen.

90 Prozent beträgt nach Polizeiangaben die Aufklärungsrate bei Ladendiebstählen in Rostock. Im Jahr 2015 wurden insgesamt 1330 Fälle in der Stadt registriert. Ladendiebstahl ist ein Phänomen der Massenkriminalität. In der Regel werden Güter mit geringem Wert, selten mehr als 250 Euro, gestohlen. Ladendiebstähle machen im Einzelhandel den größten Anteil an den sogenannten Inventur-Differenzen aus.

Jährlich verschwinden im deutschen Einzelhandel Waren im Wert von vier Milliarden Euro.

Ann-Marie Engelke

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