Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Möbelgeschäft pleite: Kunden warten auf ihr Geld

Reutershagen Möbelgeschäft pleite: Kunden warten auf ihr Geld

Möbel bestellt, angezahlt, Geschäft insolvent: Der Verbraucherschutz gibt Tipps

Reutershagen. Eigentlich wollten Brigitte Pahlke und ihr Mann nur ein neues Sofa kaufen. In einem Geschäft in der Reuterpassage wurden sie fündig. Die Couchgarnitur wurde bestellt. „Das war alles ganz spontan“, sagt die 69-Jährige. „Sie haben uns gesagt, dass es vor Weihnachten geliefert wird“, erinnert sich Pahlke. „Sechs bis acht Wochen“ wurde dem Ehepaar versprochen. Das ist sechs Monate her. Das Geschäft in Reutershagen und auch die Zweigstelle in Lütten Klein sind geschlossen. Die Geschäftsführer nicht zu erreichen.

 

OZ-Bild

Brigitte Pahlke (69) hat einem Möbelhaus eine Anzahlung für ein Sofa geleistet. Nun ist das Unternehmen verschwunden.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

„Ich finde das unerhört, wir wurden hintergangen“, sagt die Reutershägerin erbost. Denn nicht nur auf die Couch wartet die 69-Jährige bis heute. „Ich möchte mein Geld zurück.“ Damals hätten sie eine Anzahlung über 400 Euro geleistet. Für eine Ware im Gesamtpreis von rund 1700 Euro.

Keine gute Idee, meint Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV. „Eine einfache Regel ist: Erst die Ware, dann das Geld“, erklärt er. Pahlkes seien nicht die Einzigen, die nun das Nachsehen hätten. „Bei uns haben sich wohl etwa zehn Kunden gemeldet“, erzählt der Berater. Dabei hätten die beiden Reutershäger noch beinahe Glück gehabt. „Andere haben mehrere tausend Euro angezahlt“, so Winz. „Solche ungesicherten Vorauszahlungen sollte man definitiv vermeiden.“ Im Internet sei das mittlerweile einfach. Man müsse nur bei Unternehmen bestellen, die zum Beispiel als „Trusted Shop“

(Vertrauenswürdiges Geschäft) ausgewiesen sind. Doch im Alltag sei das schwieriger. „Bei großen Summen kann man sich vielleicht eine Bankbürgschaft geben lassen oder fragen, ob der Kaufpreis abgesichert ist.“ Über eine kleine Anzahlung von fünf bis zehn Prozent könnte man reden. „Da ist es dann nicht ganz so schlimm, wenn das Geld auf einmal weg ist.“

So schnell wollte Brigitte Pahlke nicht aufgeben: „Wir haben mehrmals angerufen, sind fast wöchentlich in das Geschäft gegangen, um uns nach dem Sofa zu informieren“, erzählt Brigitte Pahlke. Jedes Mal seien sie vertröstet worden. „Es wurde immer wieder gesagt, dass sie sich kümmern, doch nichts ist passiert.“ Selbst als das Geschäft einen Schlussverkauf veranstaltet, wird ihnen zugesichert, dass das Ehepaar noch ihre Couch bekommen würden.

Das sei ganz typisch, erklärt Verbraucherschützer Matthias Wins. Er kennt viele solcher Ausreden. „Irgendetwas läuft angeblich schief, jemand sei krank, ein Lager wäre abgebrannt“, nennt er einige Beispiele von anderen Fällen. Doch auf solche Ausreden solle man nicht lange hören. „Am besten, man setzt schnell ab dem versprochenen Lieferdatum eine letzte Frist“, erzählt Wins. Diese sollte man intensiv verfolgen und den Vertrag bei Nichteinhaltung sofort auflösen. „Es gilt der Grundsatz, den Letzten beißen die Hunde“, sagt Wins. Wer schnell den Vertrag aufhebe, habe noch eine gute Chance, sein Geld zurückzubekommen.

Diese Chance hat Brigitte Pahlke vertan. Und plötzlich war die Telefonnummer abgemeldet: „Der gewünschte Gesprächspartner ist nicht erreichbar.“ Dann wurde das Geschäft in der Reuterpassage schließlich Ende März aufgegeben. Auch das zweite Fachgeschäft in der Warnowallee in Lütten Klein steht schon seit Mitte Februar leer. „Mit Datum vom 5. April 2017 wurde die Gesellschaft rückwirkend zum 31. März 2017 abgemeldet“, bestätigt Stadtsprecher Ulrich Kunze. „Das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der Sitzen & Liegen Christopher Karow und Lars Johanson GbR wurde mit Beschluss des Amtsgerichts Rostock vom 9. Februar 2017 angeordnet“, erklärt auch die vorläufige Insolvenzverwalterin Ulrike Hoge-Peters von HGW Rechtsanwälte. Sie rechnet damit, dass das Insolvenzverfahren im Mai eröffnet werde.

Theoretisch hätte das Ehepaar Pahlke nun jedes Recht, ihr Geld zurückzufordern. Doch nach Erfahrung des Verbraucherschützers Wins, sei das nicht so einfach. „Einem nackten Mann kann man nun einmal nicht in die Tasche greifen.“ Wenn also das Unternehmen angibt, kein Geld zu haben, könnten Schuldner auch nicht bezahlt werden. Winz empfiehlt dennoch, den Anspruch auf die 400 Euro geltend zu machen. „Manchmal hat man Glück“, sagt Wins.

Rechtsanwältin Ulrike Hoge-Peters liegen bereits die Daten der Kunden vor, deren Aufträge nicht ausgeführt wurden und die teilweise Vorauszahlungen geleistet haben. „Diese Kunden werden nach Insolvenzeröffnung kontaktiert und können dann ihre Forderungen anmelden“, erklärt die vorläufige Insolvenzverwalterin.

„Die Anzahlung ist im Dutt, das ist mir völlig klar“, sagt Brigitte Pahlke resigniert. Wenn sie sich jetzt einen Anwalt holen würde, koste das nur noch mehr Geld. „Ich kann die 400 Euro gut verschmerzen, aber wenn ich überlege, wie lange ich dafür arbeite, ärgere ich mich wahnsinnig.“ Lieber hätte sie stattdessen ihre Freunde von dem Geld zum Essen eingeladen.

Die wichtigsten Tipps der Verbraucherschützer

Keine ungesicherten Vorauszahlungen: Im Internet auf Zertifizierungen wie „Trusted Shop“ achten. Im Alltag das Unternehmen fragen, ob und wie der Kaufpreis abgesichert sei. Anzahlungen von fünf bis zehn Prozent seien in Ordnung. Ansonsten gilt: Erst die Ware, dann das Geld.

Nicht vertrösten lassen: Ist die Ware ab dem vereinbarten Lieferdatum nicht da, schnell eine letzte Frist setzen. Bei Nichteinhaltung den Vertrag zügig auflösen.

Rechte einfordern: Sollte ein Unternehmen doch Insolvenz anmelden, schnell reagieren. Den Insolvenzvertreter ausfindig machen und Anspruch mit Verweis auf einen gültigen Vertrag geltend machen. Auch, wenn in vielen Fällen nichts passiert.

Johanna Hegermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Bilanz gezogen
Die Schauspielerin Hannelore Hoger verabschiedet sich als Kommissarin Bella Block vom Fernsehpublikum.

„Ich finde, jede Frau sollte einen Beruf haben“, sagt Hannelore Hoger. Die 74-jährige Schauspielerin hat ihren Beruf sehr früh gefunden und Erfolg damit bis heute. Ein Buch gibt Einblicke in ihr Leben.

mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Seite "Helfen bringt Freude" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Helfen bringt Freude“ 2015-11-30 de Aktion Helfen bringt Freude Seit 27 Jahren engagieren sich unsere Leser zusammen mit der OZ für sozial schwache Familien, Kinder sowie gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Sie in diesem Jahr helfen können, erfahren Sie hier.
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Ausschuss: Geld für neues Theater suchen

Oberbürgermeister soll Plan für Finanzierung des Neubaus vorlegen / Kulturpolitiker stellen Antrag