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Mosten mit politischem Anspruch

WILSEN Mosten mit politischem Anspruch

Wenn das „Kollektiv 9 Raben“ Äpfel und Birnen zu Saft verarbeitet, gibt es Lesungen gleich dazu

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Ein Teil der Mitglieder des „Kollektivs 9 Raben“: Daniel Daedlow (2. v. r.) gehört zu den Gründern der Most-Genossenschaft.

Quelle: Heidi Schneekloth

Wilsen/Stäbelow. Auf dem Hof von Daniel Daedlow in Wilsen bei Stäbelow werden Äpfel nicht einfach durch die Presse gedrückt. Aus dem Mosten macht der 37-Jährige ein Fest, bei dem Musiker mit Geige und Fagott barock auftreten oder Lesungen gehalten werden. Der Anspruch, den Daedlow gemeinsam mit den elf weiteren Mitgliedern der Genossenschaft „Kollektiv 9 Raben“ lebt:

den Obstabgebern etwas Kulturelles bieten, sozial denken – und politisch.

„Wir haben zum Beispiel am 29. Oktober zum Mostfest Fritz Burschel aus Berlin zu Gast“, sagt Daedlow. Der Vertreter der Rosa- Luxemburg-Stiftung wird aus Peter Weiß’ Buch „Ästhetik des Widerstands“ ab 17 Uhr lesen – während Daedlow mit seinen Genossen weiter Obst zu Saft mostet. Obst verwerten und dabei ein Kulturprogramm zu bieten, sei ein wichtiger Gedanke bei der Kollektiv-Gründung Anfang 2015 gewesen.

Richtig angefangen mit einer mobilen Mosterei haben er und einige Freunde aber schon vor zehn Jahren. „Unsere Motivation damals war, dass wir aus den vielen Äpfeln, die in Gärten an Bäumen hingen oder auf dem Boden lagen, etwas machen wollten“, erzählt Daedlow. Dass die Mitglieder schließlich eine Genossenschaft gegründet haben, „war der einzige Weg, um in Deutschland Konsens bei Entscheidungen in die Satzung aufnehmen zu können“. Alle „Raben“ bekommen den gleichen Lohn, egal, wer welche Arbeit übernimmt. Die Arbeitsstunden werden „stillschweigend eingetragen“ – auf Vertrauensbasis, wie der studierte Agrarökologe sagt.

Mindestmengen gibt es für die Mostarbeit nicht. Ob er nun mobil unterwegs ist oder jemand zu ihm mit Obst oder Gemüse nach Wilsen kommt: „Wir mosten auch 30 Kilo.“ Allerdings werden dann oft Äpfel von mehreren Leuten gemischt, um genügend Saft für die Fünf-Liter-Beutel herauszubekommen. Die Garantie, auch wirklich nur Saft aus den eigenen Äpfeln zu trinken, gibt Daedlow ab 120 Kilogramm.

Den Saft aus dem eigenen Obst übergibt Daedlow pasteurisiert: Er erhitzt ihn auf 78 Grad, um ihn so haltbar zu machen. Der Fünf-Liter-Saftbeutel steckt anschließend in einem Karton mit Zapfsystem.

„Wer ihn erst mal anzapft, kann locker fünf Wochen davon trinken, ohne dass er schlecht wird.“ Pro Liter zahlen Kunden einen Euro. Fallobst verwendet Daedlow übrigens am liebsten. „Wenn es vom Baum fällt, ist das ja ein Zeichen dafür, dass das Obst reif ist.“ Wie viele Äpfel er braucht, um fünf Liter Saft zu mosten, könne er pauschal nicht sagen. Aber: „Sorten wie Boskoop, Carola und Grafensteiner sind besonders saftig und ergiebig.“

Zum Saisonfinale am 29. und 30. Oktober können Kunden alle Obstsorten zum Mosten vorbeibringen. „Wir nehmen auch Quitten, Rote Bete und Möhren entgegen“, sagt der Agrarökonom, der nun nach seiner Promotion am liebsten in einem eigenen Betrieb Forschung und Praxis vereinen möchte.

Kilos für Liter

1 Kilo Äpfel ergeben laut Kelterer Daniel Daedlow etwa 700 Milliliter Saft. Für die von der Mosterei-Genossenschaft „Kollektiv 9 Raben“ angebotenen Fünf-Liter-Saftbeutel brauchen die Mitglieder zum Mosten etwa 120 Kilogramm Äpfel. Die Zahlen weichen bei anderen Obstsorten natürlich ab.

1,6 Tonnen Obst – das ist der Spitzenwert, den Daedlow bisher von einer Privatperson zum Mosten bekommen hat. Am 16. Oktober können Most-Fans ihr Obst zur Kleingartenanlage „Am Moor“ in Warnemünde bringen, am 29. und 30. Oktober ist Saisonfinale mit Kulturangebot im Kritzmower Weg 1 in Wilsen bei Stäbelow. Zeiten: je 10 bis 16 Uhr.

Claudia Tupeit

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