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Nach 20 Jahren: Der Glücksritter der Tafel nimmt Abschied

Rostock-Stadtmitte Nach 20 Jahren: Der Glücksritter der Tafel nimmt Abschied

Jürgen Wegner wird bei der Feier zum Jubiläum als langjähriger Vorsitzender des Vereins verabschiedet / Seit Mai ist die Stadtmission Träger der nun gemeinnützigen GmbH

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Eine Jubiläumsfeier mit Abschied von Jürgen Wegner (3.v.li): Der Vorsitzende des Fördervereins, Ralf Mucha (v.li.), Vera Blum-Pürckhauer, die neue Geschäftsführerin der Tafel, und die Schatzmeisterin des Fördervereins, Simone Brenner, bedanken sich bei Wegner.

Quelle: Fotos: Johanna Hegermann

Rostock-Stadtmitte. Versorgen statt entsorgen: Nach diesem Grundprinzip arbeiten seit nunmehr 20 Jahren Jürgen Wegner und seine Helfer bei der Rostocker Tafel. Was heute bereits als „mittelständisches Unternehmen“ bezeichnet wird, fing damals ganz klein an. Als Einzelkämpfer ging Wegner in einen Markt, um Lebensmittel zu sammel. Er bekam zwei Leinenbeutel und machte sich an die Arbeit. „Ich hatte zunächst keine Ahnung, wohin damit. Ich wusste noch nicht genau, was die Tafel ist und was sie wird“, sagt der lachend über seine erste große Erinnerung mit der Tafel. Viele sollten folgen.

Als langjähriger Wegbegleiter, Glücksritter, Visionär, Lichtgestalt wird er in den Reden und Beglückwünschungen bezeichnet. Denn für die Gäste des Jubiläums ist es auch ein Abschied von Wegner als langjährigem Vorsitzenden der Tafel. „Man soll nicht glauben, dass ich alles konnte, ohne fachliche Unterstützung wären mir mehrfach die Beine weggebrochen“, sagt Wegner bescheiden. Doch er räumt ein, er habe seine Mitstreiter oft motivieren können.

Wegner selbst sei nun der Stadtmission dankbar, die seine Arbeit übernommen habe, als er nicht mehr wusste, wie es weitergehen soll. „Ich habe im Mai die Verantwortung übergeben“, sagt Wegner.

Seitdem hat die Stadtmission den Hut auf. Aus dem gemeinnützigen Verein wurde eine gemeinnützige GmbH.

„Mein Wunsch ist es, die Tafel zu professionalisieren und so einer Überlastung der Helfer vorzubeugen“, sagt die neue Geschäftsführerin Vera Blum-Pürckhauer, denn die Arbeit sei ein Knochenjob. Unter anderem sollen die rund 120 Helfer mit einer automatischen Kasten-Waschanlage unterstützt werden. „Wir warten noch auf grünes Licht, dann kann es in Kürze losgehen“, ergänzt auch die neue Tafel- Leiterin Beate Kopka. Sie wird sich um das operative Geschehen der Einrichtung kümmern. „Es war überraschend herauszufinden, was für ein ungeheures Netzwerk hinter der Tafel steht“, so Kopka. Helfer, Fahrer, Märkte, Sponsoren und Spender – ohne all diese einzelnen Rädchen könne die Tafel nicht funktionieren. Und das müssen sie: Denn mittlerweile werden fast täglich rund vier bis fünf Tonnen Lebensmittel aus rund 80 bis 90 Supermärkten geholt. Davon können dann etwa drei Tonnen an Bedürftige verteilt werden. Das verlange einen hohen logistischen Aufwand. „Wir werden morgens beschenkt und können nachmittags verteilen“, schwärmt Jürgen Wegner.

Doch die Idee der Tafel sei untrennbar mit Armut verbunden. Das Jubiläum der Rostocker Tafel löst daher bei seinen Gästen auch gemischte Gefühle aus. „Tatsächlich ist die Armut in Rostock deutlich größer, als manche es erahnen“, erklärt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Das betreffe oftmals auch Kinder. „Ein Drittel aller Beiträge für Kita-Plätze muss die Kommune übernehmen, weil die Eltern es nicht tragen können“, nennt er ein Beispiel. Das sei alarmierend und erschreckend. Auch Mitbegründer und Pastor in Ruhe Gottfried Frahm lässt ausrichten: „Ich hätte in den Anfängen nicht gedacht, dass wir einmal ein 20-jähriges Jubiläum erleben müssten.“ Auch Landespastor für Diakonie, Martin Scriba, sagt, es sei fatal, dass in einem reichen Land wie Deutschland eine Tafel notwendig ist. Nach dem ehemaligen Sozialsenator Lutz Danke lebe man in einer Zeit, die gleichzeitig durch Überproduktion und Hunger gekennzeichnet sei. „Deswegen müssen die Lebensmittel dorthin, wo sie wirklich gebraucht werden.“ Auch Wegner war immer dieser Ansicht und wird auch in Zukunft mit der Tafel verbunden sein. „Egal, in welcher Form und sie wird hoffentlich immer weiter bestehen.“

1996 gegründet

1000 Bedürftige nutzen circa die Hilfe der Rostocker Tafel. An ein Dutzend Ausgabestellen in Rostock, Sanitz und Gelbensande können Inhaber mit Warnow- pass einmal wöchentlich Lebensmittel holen. Etwa 80 bis 90 Märkte spenden dafür.

Im Juni 1996 wird die Rostocker Tafel gegründet. 1998 wird die erste Ausgabe in Schmarl eröffnet. Die Tafel erhält kurz darauf durch Sponsoring ihr erstes Auto, 2001 folgt das zweite durch Förderung des Sozialministeriums. 2004 und 2005 werden in Sanitz und in Gelbensande Ausgabestellen eröffnet.

Spenden: www.rostocker-tafel.de

Johanna Hegermann

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