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Nach Hammerattacke: Opfer ist enttäuscht von Justiz

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Nach Hammerattacke: Opfer ist enttäuscht von Justiz

Angeklagter erscheint nicht und wird zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

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Mit diesem Zimmermannshammer soll der Angeklagte zugeschlagen haben.

Quelle: Foto: Stefan Tretropp

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Diesen Tag wird René G. nie vergessen: Der 45-Jährige arbeitete am 18. Dezember 2014 als Maschinist auf einer Baustelle im Petriviertel, als ihm ein Kollege mit einem Hammer auf den Kopf schlug. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte zunächst wegen versuchten Totschlags. Dem Verdächtigen drohte eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Gestern ist nun der Angeklagte Hamza R. am Amtsgericht Rostock verurteilt worden: zu acht Monaten Haft auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann Einspruch einlegen.

René G. ist enttäuscht. „Ich verstehe das nicht“, sagt der Familienvater, als er nach der Verhandlung auf einer Bank im Amtsgericht sitzt. Eine Narbe unter der Lippe zeugt von dem Angriff im Dezember. Zweimal soll R. laut Anklage mit einem Zimmermannshammer auf sein Opfer eingeschlagen haben: einmal auf den Kopf und einmal auf die untere Gesichtshälfte. G. erlitt eine Schwellung im Scheitelbereich, eine Schädelprellung und eine blutende Verletzung unter der Unterlippe. „Es war pures Glück, dass ich das so leicht beschädigt überstanden habe“, sagt der Mann. Er sei von zwei Kollegen festgehalten worden, als der Angeklagte auf ihn eingeschlagen habe.

Auf einer Baustelle sei G. seitdem nie wieder gewesen. „Ich hatte eine Hammerphobie. Es war unglaublich, wie viele Menschen im Fernsehen plötzlich einen Hammer in der Hand hielten“, sagt der Familienvater. Er ging zum Psychologen. Es dauerte Monate, ehe er wieder arbeiten konnte. „Ich fing bei einer Möbelfirma an, weil ich die Leute dort kannte und mir das Sicherheit gab.“ Heute gibt er an Schulen Inline-Skater-Kurse.

Aus Sicht von G. ist R. bei seiner Verurteilung viel zu gut weggekommen. Besonders wurmt das Opfer, dass der mutmaßliche Täter gestern nicht vor Gericht erschienen ist. „Mir geht es nicht unbedingt darum, dass er eine höhere Haftstrafe bekommt. Aber er soll sich dafür verantworten, was er getan hat. Er soll hören, dass er eine Straftat begangen hat, und sich damit auseinandersetzen.“

Schon vor der Tat habe G. den Bauleiter auf die angespannte Situation auf der Baustelle aufmerksam gemacht. R. habe eine Gruppe um sich geschart, er sei aggressiv und provokant aufgetreten. „Einmal haben sie Stahlträger über unseren Köpfen kreisen lassen. Einfach so. Die haben sich daraus einen Spaß gemacht.“ Als er R. allein begegnet sei, habe er ihn ausgelacht. „Ich habe ihm gesagt, dass er nur in seiner Gruppe stark ist.“ Danach sei R. mit dem Hammer auf sein Opfer losgegangen.

G. selbst sollte gestern als Zeuge aussagen. Doch dazu ist es gar nicht erst gekommen. „Ich habe eine Vorladung erhalten, in der alles steht, was mir passiert, wenn ich nicht erscheine“, sagt G. und schüttelt mit dem Kopf. Ihm drohe im Falle des Fernbleibens ein Ordnungsgeld von bis zu 1000 Euro, steht in der Ladung. Und wenn das Geld nicht eingetrieben werden kann, sei auch eine Ordnungshaft von bis zu sechs Wochen möglich. „Und er als Angeklagter erscheint einfach nicht. Dann wird kurz das Urteil gesprochen und alles ist vorbei.“

Doch vorbei ist die Geschichte für G. noch nicht. „Ich hätte dem Angeklagten gern ins Gesicht geschaut und gezeigt, dass es mir wieder gut geht, dass ich mich da selbst rausgezogen habe.“ So hätte er mit dem Ganzen besser abschließen können, ist G. überzeugt.

André Wornowski

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