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Nach Kritik: Rostocks Notruf soll schneller helfen

Nach Kritik: Rostocks Notruf soll schneller helfen

Durch standardisierte Fragen sollen Mitarbeiter der Rettungsleitstelle besser einschätzen können, welche Hilfe notwendig ist / Hansestadt ist Vorreiter in MV / Senator schwärmt

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Oberbrandmeister Uwe Bruhn (47) arbeitet am neuen Notrufsystem der Feuerwache in der Erich-Schlesinger-Straße in Rostock. Mit NOAS können Notrufe standardisiert ausgewertet werden.

Quelle: Manuela Wilk

Südstadt. Notruf in der Rostocker Rettungsleitstelle. Doch was passiert ist, will Oberbrandmeister Uwe Bruhn erst einmal nicht wissen. Seine wichtigste Frage lautet: „Wo genau sind Sie?“ Erst wenn das klar ist, kann Bruhn die nächsten Punkte des neuen Notrufabfrage-Systems (Noas) abarbeiten. Was ist der Grund für den Anruf? Wer ist betroffen? Wie alt ist die Person?

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Durch standardisierte Fragen sollen Mitarbeiter der Rettungsleitstelle besser einschätzen können, welche Hilfe notwendig ist / Hansestadt ist Vorreiter in MV / Senator schwärmt

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Noas verfügt auch über eCall

100000 Euro hat das neue Notrufabfrage- System Noas gekostet. Es führt die Mitarbeiter der Leitstelle bei einem Anruf durch einen Fragenkatalog.

Das Notrufsystem eCall wird ab 2018 in allen Neuwagen Pflicht. Bei einem Verkehrsunfall löst das Fahrzeug automatisch Alarm aus – und verbindet sich direkt mit Noas.

Hat sie Kopfschmerzen? Bekommt sie ausreichend Luft? Ist sie frei zugänglich? Dann erscheint die Diagnose auf dem Bildschirm vor Bruhn: „schlagartige Kopfschmerzen“. Das Computer-System empfiehlt den Einsatz eines Notarztes. Auch die Feuerwehr muss los, um die verriegelte Haustür aufzubrechen.

Doch es ist nur eine Übung. Noch befindet sich das standardisierte Notrufabfrage-System in der Testphase. Erst zu Beginn des kommenden Jahres soll Noas in der Rostocker Rettungsleitstelle eingesetzt werden. Bis dahin werden die 15 Mitarbeiter weiter mit der Bedienung vertraut gemacht.

Rund 100 000 Anrufe gehen pro Jahr in der Leitstelle ein. Zu 40000 Einsätzen rücken die Retter aus – in 25 Prozent der Fälle handelt es sich jedoch um Fehlfahrten. Ein Notarzt wäre zum Beispiel nicht notwendig gewesen. „Die Rettungskräfte fehlen dann an anderer Stelle, wo wirklich Hilfe gebraucht wird“, sagt Rostocks Ordnungssenator Chris Müller (SPD). Das neue System solle nun helfen, „jeden Fall so sicher und so schnell wie möglich zu beurteilen“. Schließlich gehe es um Leben und Tod.

Erst im vergangenen Jahr war der Rostocker Rettungsdienst in die Kritik geraten. In mehreren Fällen warfen Betroffene den Behörden vor, in lebensbedrohlichen Situationen nicht oder zu spät gehandelt zu haben (die OZ berichtete). Die Stadtverwaltung wies die Vorwürfe zurück. Experten fordern zum Schutz vor Fehlern seit Jahren ein computerbasiertes Abfragesystem. Das Sozialministerium in Schwerin wollte dies zunächst landeseinheitlich umsetzen, verwarf die Pläne aber. Nun führt Rostock als erste Leitstelle in Mecklenburg-Vorpommern das System selbst ein. Kosten: 100000 Euro.

Die Schwierigkeit beim Notruf: „Zwei Nicht-Mediziner müssen unter Zeitdruck eine Diagnose stellen“, sagt Müller. Der Anrufer sei aufgeregt, teile viel mit. Auf der anderen Seite haben die Mitarbeiter der Leitstelle eine Zwölf-Stunden- Schicht zu bewältigen, und nicht jeder von ihnen stelle die gleichen Fragen. Die standardisierte Abfrage würde nun sicherstellen, dass alle Fälle gleich behandelt werden. „Das System führt die Mitarbeiter. Das trägt auch zu ihrem Schutz bei“, sagt Müller. Der Anrufer muss meistens nur noch Ja oder Nein sagen – was auch zu seiner Beruhigung beitrage.

90 Sekunden soll es maximal dauern, bis eine Diagnose am Telefon feststeht. Laut Rettungsdienstgesetz dürfen vom Eingang der Meldung bis zur Ankunft am Notfallort, der an einer Straße liegt, höchstens zehn Minuten vergehen.Um die Versorgung während der Wartezeit sicherzustellen, gibt Noas Erste-Hilfe-Hinweise und eine telefonische Anleitung für die Reanimation. „Es fragt zum Beispiel, ob ein Defibrilator in der Nähe ist. Das wird oft vergessen“, sagt Johann Edelmann, Leiter des Rostocker Brandschutz- und Rettungsamtes.

Auch verfügt das System über eine Übersetzung in Lautschrift. So soll ausländischen Anrufern in ihrer Heimatsprache geholfen werden können. Das sei gerade für den Durchreiseverkehr von zum Beispiel Skandinaviern und Polen wichtig. Ein Problem aber könne dabei auch Noas nicht beheben: „Der Anrufer muss mitspielen“, sagt Mitarbeiter Stefan Kieckhöfer. Manchmal hätten es selbst deutschsprachige Anrufer schwer, sich verständlich auszudrücken, etwa wenn sie betrunken sind. „Wir brauchen immer Straße und Hausnummer“, so Kieckhöfer. Und das gleich zum Anfang des Telefonats.

Die Mitarbeiter hätten das neue System überwiegend positiv angenommen. „Es ist eine Entlastung“, sagt Kieckhöfer. Noas dokumentiere zudem jeden Anruf. So könne fortlaufend überprüft werden, ob die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Schlüsse gezogen werden. Insgesamt seien aktuell 7000 Stichwörter im System eingespeist. Doch im Laufe der Zeit werden es wohl mehr. Senator Chris Müller ist überzeugt: „Es ist ein tolles System. Ich bin stolz darauf.“

André Wornowski

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