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Nach Unfall auf der Sail: Eisbrecher „Stettin“ in Not

Schmarl Nach Unfall auf der Sail: Eisbrecher „Stettin“ in Not

Passagiere wurden über das Deck geschleudert / Ermittlungen dauern an

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Schmarl. Schon im Vorfeld der Hanse Sail war die Sicherheit auf Traditionsschiffen das bestimmende Thema – und dann das: Am Sonnabend kollidiert der historische Dampfeisbrecher „Stettin“ bei einer Ausfahrt mit der Finnlines-Fähre „Finnsky“. Nach Angaben der Polizei wurden dabei insgesamt zehn Menschen an Bord der 83 Jahre alten „Stettin“ verletzt. Der Dampfeisbrecher muss nun um seine Existenz bangen – denn der Schaden geht nach Angaben von Kapitän Wolfgang Häberle „in die Hunderttausende“.

 

OZ-Bild

Helmut Kaminski (64) zeigte Mini-Wasserflugzeuge bei der Mini-Sail.

Quelle: Fotos: André Wornowski

Der Unfall ereignete sich laut Bericht der Wasserschutzpolizei gegen 11 Uhr in Höhe der Fähranleger des Seehafens. Die „Finnsky“ war gerade aus Helsinki kommend eingelaufen, die „Stettin“ mit 145 Menschen an Bord auf einer Sail-Ausfahrt. Auf einem Augenzeugen-Video, das im Internet kursiert, ist zu sehen, wie die „Stettin“ seitlich gegen das Heck der Fähre prallt. In den Rumpf des Eisbrechers wird dabei ein mehr als zwei Meter breites Loch gerissen. Glück im Unglück: Der Schaden liegt über der Wasserlinie, Wasser dringt nicht ein. Bei dem heftigen Zusammenstoß werden aber etliche Passagiere über das Deck geschleudert. „Von den zehn Verletzten mussten drei ärztlich behandelt werden. Sie hatten sich Prellung und Schürfwunden zugezogen“, sagte Polizeisprecherin Dörte Lembke.

Während die „Finnsky“ noch am Abend wieder mit Kurs Finnland ausläuft, musste die „Stettin“ von Schleppern in den Fischereihafen gezogen werden. „Zur Unfallursache können wir noch keine Angaben machen. Die Ermittlungen dauern an“, so Robert Stahlberg, Sprecher des Landeswasserschutzpolizeiamtes in Waldeck. Nach OZ-Informationen gehen die Ermittler aber davon aus, dass die „Stettin“ das Unglück verursacht hat. Auf dem Unfall-Video scheint es so, als würde das Schiff vom Wind gegen die Fähre gedrückt.

Marko Gerke, Zahlmeister an Bord des von einem Hamburger Verein betriebenen Traditionsschiffs, will zur Ursache ebenfalls noch nichts sagen: „Das müssen Gutachter klären. Aber die Sail war für uns sofort gelaufen.“ Die genaue Schadenshöhe ist ebenfalls noch unklar: „Wir reparieren das Schiff jetzt notdürftig und hoffen auf eine Genehmigung, dann nach Hamburg zurückkehren zu dürfen“, so Kapitän Häberle. Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) sagte bereits Hilfe zu. Noch am Abend bat der Verein zudem im Internet um Spenden: „Wir sind eigentlich stolz darauf, unser Schiff unabhängig von staatlichen Zuschüssen, betreiben und instand halten zu können. Der heutige Unfall stellt aber für uns eine monetäre Herausforderung dar.“ Und weiter: „Wir sind heilfroh, das nicht mehr passiert ist, und wünschen unseren verletzten Gästen gute Besserung. Mögen sie schnell wieder gesund werden!“

Im Internet erhält die Crew Zuspruch und Unterstützung – auch von Passagieren, die an Bord waren: „Ich war mit meiner Familie dabei. Es ist traurig, was passiert ist, aber ihr habt das toll gemanagt.

Es war kaum Panik zu spüren, weil ihr als Team ruhig und professionell darauf reagiert habt“, sagt Georgi Michalski aus Hamburg. Sämtliche Passagiere, die Ausfahrten auf der „Stettin“ gebucht hatten, wurden auf andere Schiffe umgebucht: „Wir haben versucht, zu helfen, wo wir können“, so Sail-Chef Holger Bellgardt.

Für die Traditionsschiffe in Deutschland kommt das Unglück zur denkbar schlechtesten Zeit: Die Bundesregierung plant neue, schärfere Sicherheitsanforderungen – ähnlich denen in der Berufsschifffahrt.

Vielen deutschen Traditionsschiffen droht nach Angaben deren Dachverbandes GSHW dann das Aus. Auch die Hanse Sail fürchtet um einen Großteil ihrer Flotte. Zum Auftakt des Segelfestes hatten Kapitäne deshalb eine Protestnote an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) übergeben. Sie sagte den Traditionsschiffen Unterstützung des Landes zu.

Modellbauer messen sich bei Mini-Sail

Mit Fernbedienungen stehen die Modellbauer an der Kaikante und steuern ihre Mini- Boote übers Wasser, während im Hintergrund die großen Schiffe der Hanse Sail vorbei fahren. „Das ist immer ein besonderes maritimes Klima hier“, sagt Walter Katholing (76) aus Neubrandenburg. Er ist zum fünften Mal bei der Mini-Sail im Iga-Park dabei und hat einen Nachbau des Schiffes „Schwerin“ vom Typ vier mitgebracht.

Insgesamt sind in diesem Jahr mehr als 100 Hobbybastler aus ganz Deutschland und Polen zur Mini-Sail gekommen. Sie campen auf dem Iga-Park-Gelände. Einige treten mit ihren Schiffsmodellen bei einer Regatta gegeneinander an. Feinwerktechniker Helmut Kaminski (64) gehört zu den langjährigen Stammgästen. Mit zwei Mini-Wasserflugzeugen zeigt er Loopings und anderes in der Luft. „Ich habe früher geträumt, Pilot zu werden. Hier bin ich alles: Konstrukteur, Pilot und Besitzer“, erklärt Kaminski die Faszination Modellbau. aw

Die Krönung der Sail

Stadthafen/Warnemünde. Für viele Besucher ist es einer der Höhepunkte der Sail: das traditionelle Feuerwerk im Rostocker Stadthafen und in Warnemünde am Sonnabend nach 22 Uhr. Auch in diesem Jahr schalteten die Fahrgeschäfte ihre Lichter aus; einige davon diesmal leicht verspätet. Zehntausende Besucher hielten staunend inne und beobachteten das zwölfminütige Spektakel am Himmel. Es folgte das Hupkonzert der Schiffe im Hafen. Dann ging das muntere Treiben auf der Partymeile weiter. FOTO: OVE ARSCHOLL

Andreas Meyer

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