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DRÜSEWITZ Nach der Volksmarine kommen Festivals

Berliner Verein will Teile der Drüsewitzer Bunkeranlage zur Oase für Kultur und Kunst machen

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Über das Vorhaben auf dem Militärgelände informierten sich Bürgermeister Mario Ruhm (v. l.) und sein Stellvertreter Andreas Gudusch bei Christian Reckmann und Björn Oesingmann.

Quelle: Michael Schißler

Drüsewitz. Irgendwo wird eine Motorsäge angeworfen, die Fenster sind schon mit Brettern vernagelt und ebenso aus Brettern ist ein neuer Zaun entstanden. An der Landesstraße 18 zwischen Tessin und Laage in Höhe des Selpiner Ortsteils Drüsewitz wird derzeit ordentlich gearbeitet — auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgefechtsstandes der DDR-Volksmarine.

Wir wollen Konzerte für kleine Geld-

beutel bieten.“

Christian Reckmann,

Initiator

„25 Leute sind hier im Einsatz“, sagt Björn Oesingmann. „Vor allem aus der Region und viele von ihnen aus sozialen Betrieben, auch wenn das teurer ist“, fügt er hinzu. Oesingmann ist der Partner von Christian Reckmann — und die beiden haben einen Plan mit der früheren Militärliegenschaft. Sie wollen eine Begegnungsstätte in der Natur schaffen. Einen Namen haben die beiden auch schon dafür:

Secret Forest — Geheimer Wald.

Secret Forest — so erklärt es Reckmann — wird zweierlei sein: „Einmal eine Firma, die hier die Immobilie aufbaut. Und ein Verein mit dem gleichen Namen, der sich im Moment noch in der Gründung befindet.“ Dieser Verein soll das Gelände, das an der Landesstraße 18 und etwas im Wald liegt, später dann betreiben.

„Das Grundstück haben wir im Internet als Angebot gefunden“, sagt Christian Reckmann. Mit der Besitzerin habe man im März des vergangenen Jahres Kontakt aufgenommen, „dann haben wir uns das Gelände und die Gebäude angesehen“, sagt Reckmann. Schließlich sei man sich handelseinig geworden, die beiden erwarben die 27000 Quadratmeter große Fläche. Auf ihr befinden sich die ehemalige Fahrzeughalle, die Mannschaftsunterkunft, die Wache, das Stabsgebäude und die Offiziersunterkünfte. Ein anderer Teil, auf dem sich die eigentliche Bunkeranlage befindet, ist in anderen privaten Händen.

Ziel Oesingmanns und Reckmanns ist es, „eine Fläche für Kultur und für Open-Air-Festivals zu schaffen“, wie Reckmann sagt. „Wir wollen Konzerte für alle machen“, erläutert er und sagt, dass dies in Berlin nicht mehr der Fall sein könne. Die Hauptstadt kennen die beiden gut. „Wir sind dort seit zehn Jahren im Kulturgewerbe tätig“, so Reckmann. Man habe dort Kulturreihen und kulturelle Veranstaltungen organisiert. „Für dieses Projekt haben wir bereits ein Konzept entwickelt“, sagt er. Es habe auf dem Flugplatz in Karlshorst bei Berlin umgesetzt werden sollen, allerdings habe man dort mit einer Erbengemeinschaft verhandeln müssen, zudem habe man sich nicht über den Preis einigen können.

In Drüsewitz wollen es die beiden Berliner nicht bei kulturellen Veranstaltungen belassen. „Wir wollen hier auch die Einwohner einbeziehen“, sagt Reckmann. Gedacht sei auch an eine Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen und mit Sport- sowie Kulturvereinen. „Einen Schwerpunkt setzen wir auf die Nachhaltigkeit“, so Reckmann, deswegen lege man Wert auf den Umgang mit Ressourcen, darauf, Abfall zu vermeiden und die Natur zu pflegen. Man sei dabei, eine Zusammenarbeit mit Ostmost auf die Wege zu bringen und Baumpatenschaften für Obstbäume zu vergeben.

„Finanziert werden soll das ganze Projekt durch unser Wurzelfestival, das ein- bis zweimal im Jahr stattfindet. Dabei werden Gäste im Alter von 25 bis 45 Jahren angesprochen.“ Nun allerdings haben die beiden von Secret Forest erst einmal noch andere Sorgen. „Wir müssen uns jetzt um die Nutzungsgenehmigung für die Außenfläche kümmern“, sagt Reckmann. Außerdem sei für die ehemaligen Militärgebäude der Bestandsschutz abgelaufen, nun müsse man sich um einen Bebauungsplan bemühen. Dennoch planen die Veranstalter von Secret Forest bereits in diesem Jahr einen Poetry-Slam-Wettbewerb, einen Nachtflohmarkt und ein Street-Food-Festival.

Bei der Gemeinde Selpin — zu ihr gehört Drüsewitz — sind die beiden Berliner auf offene Ohren gestoßen. „Alles, was uns hier voranbringen kann, soll uns recht sein“, sagt Bürgermeister Mario Ruhm, der mit seinem Stellvertreter Andreas Gudusch schon einmal die Anlage in Augenschein genommen hat. „Wenn das alles klappt, dann wäre das ein Highlight für uns und auch für den Tourismus hier im Küstenvorland“, so der Bürgermeister.

Ein Platz für den Hauptgefechtsstand

Die Bunkeranlage in Drüsewitz wurden in der ersten Hälfte der 70er Jahre gebaut. Er sollte im Falle einer militärischen Auseinandersetzung der Volksmarine als Hauptgefechtsstand zur Verfügung stehen. Nach der Wende gehörte die Anlage zur Bundeswehr, später wurden die Unterkünfte auf dem Terrain für die Unterbringung von Asylbewerbern genutzt. Der Bunker und die übrigen Bauwerke sind als Liegenschaften nun getrennt.

Von Michael Schißler

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