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Neue Denksteine erinnern an Schicksale Rostocker Juden

Stadtmitte Neue Denksteine erinnern an Schicksale Rostocker Juden

Stiftung setzt Heinz Wunderlich und Ehepaar Schlomann ein Denkmal

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Heinz Wunderlich lebte nur knapp 15 Monate in der Wendenstraße 2, bevor er vergast wurde. An ihn erinnert nun ein Denkstein.

Quelle: Foto: Moritz Naumann

Stadtmitte. Sowohl in der Wendenstraße 2 als auch in der Kröpeliner Straße 98 befinden sich seit gestern neue Denksteine. In Form dieser Steine, die in Fußwegen oder Straßen eingelassen sind, soll den Schicksalen von Personen gedacht werden, die im Laufe des Holocausts deportiert und in Konzentrationslagern umgebracht wurden. Doch während die neuen Steine widerstandsfähig sind, bereiten die älteren Probleme.

OZ-Bild

Stiftung setzt Heinz Wunderlich und Ehepaar Schlomann ein Denkmal

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Heinz Wunderlich

Nachdem Heinz Wunderlich im Januar 1939 aus dem Konzentrationslager in Buchenwald freikam, heiratete er die Schneiderin Gitel Salomonczyk und zog mit Ihr in die Wendenstraße 2 der Rostocker Altstadt.

Das Ehepaar Wunderlich wurde am 10. Juli 1942 mit anderen Juden nach Auschwitz deportiert und einen Tag später vergast. „Diese Informationen herauszufinden, einen Einblick in die Geschichte und das Schicksal der Rostocker Juden zu erhalten, macht große Freude“, sagt Steffi Katschke (36). Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Max-Samuel-Haus und möchte die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Rostock für die Nachwelt erhalten. Sie ist verantwortlich für die Biografie-Recherche der Denksteine. Die Finanzierung hingegen kann nur durch Spenden realisiert werden. Für den Denkstein von Heinz Wunderlich hat das Ehepaar Ulrich und Lia Müller gespendet. „Wir wollten einfach etwas Gutes tun und das Max-Samuel-Haus bei seinem Anliegen unterstützen“, sagt der 68-jährige, der bei der Enthüllung eine emotionale Ansprache hielt.

Ehepaar Schlomann

Das Ehepaar Hedwig und Richard Schlomann lebte ab 1938 gemeinsam mit seinem Enkel in der Blutstraße 28, der heutigen Kröpeliner Straße 98. Ihre Tochter war schon nach England emigriert, wollte ihre Familie aber bald nachholen. Dazu kam es nicht. Die Lebensumstände in Rostock verschlechterten sich stetig, Richard konnte nur noch im Tiefbau Arbeit finden, bevor er, seine Frau und sein Enkel am 11. November 1942 über Berlin in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und wenig später vergast wurden. Den Denkstein für das Ehepaar spendierte die Werkstattschule, die sich nicht nur an der Finanzierung, sondern in Projektarbeit auch an der biografischen Recherche beteiligt hatte. „Das ist eine herausragende Möglichkeit, Jugendlichen die Tragweite des Holocausts näher zu bringen.

Wenn sie selber recherchieren, sprechen sie drüber und haben Erfolg beim Entdecken von Details“, sagt Katschke, die sich immer über engagierte Lehrer freut, die es schaffen, eine Zusammenarbeit mit der Stiftung mit dem Lehrplan zu verbinden.

Witterung und Standort entscheiden über Abnutzung

„Wenn die Denksteine feucht werden, sind sie unleserlich, das ist etwas ärgerlich“, sagt Dr. Jan Peter Schulze, Vorsitzender des Fördervereins. Damit meint er vor allem die älteren Betonsteine. Diese stehen des Öfteren an Orten, an denen sie vielen Autos oder Fußgängern ausgesetzt sind und mit der Witterung zusätzlich verschleißen. Vor zwei Jahren wurde begonnen, die alten durch kleinere Messingsteine zu ersetzen. „Diese sind sehr viel günstiger und widerstandsfähiger. So können wir in Zukunft mehr Opfern ein Denkmal setzen und alte Steine günstiger austauschen“, sagt Schulze. Derzeit kommt Rostock auf 54 Denksteine, die vor den Wohngebäuden der Opfer platziert wurden.

Infos: www.max-samuel-haus.de

Das Max-Samuel-Haus in Rostock – eine bewegte Geschichte

Max Samuel war ein Unternehmer und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Rostock. Seine Fabrik in der Rostocker Friedrichstraße zählte zeitweise 150 Mitarbeiter. Zu Beginn des Nationalsozialismus emigrierte sein Sohn Herbert nach England. Vier Jahre später folgte der Vater und hinterließ die Villa am Schillerplatz 11 den Nazis.

Zwischen 1938 und 1945 wurde das Gebäude sowohl als Labor für Pflanzenforschung, in der Folge aber auch

als Kulturhaus, Schulbehörde und Kindertagesstätte genutzt.

1991 ging das Haus an Sohn Herbert Samuel zurück, der entschied, es als eine Begegnungsstätte einer Stiftung

für jüdische Kultur und Geschichte in Rostock zu übergeben.

Moritz Naumann

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