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Neue Interims-Moschee: Muslime beten jetzt im Museum

Stadtmitte Neue Interims-Moschee: Muslime beten jetzt im Museum

Platznot in der Islamischen Gemeinde: Societät Maritim stellt Atrium für das Freitagsgebet zur Verfügung / Muslime suchen weitere Gebetsräume in Dierkow und Evershagen

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Jochen Pfeiffer (l.) und Ahmed Maher Fakhouri im Gespräch über die künftige Nutzung der Societät Maritim für muslimische Freitagsgebete.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Die Islamische Gemeinschaft in Rostock wächst. Innerhalb von nicht mal zwölf Monaten – seit mehr und mehr Flüchtlinge auch in den Nordosten kommen – hat sich die Zahl der Muslime in der Stadt auf 700 verdoppelt. Problem nur für die Gläubigen: In der Moschee an der Erich-Schlesinger-Straße wird der Platz knapp. Hunderte Gläubige beten das Freitagsgebet seit Monaten im Freien. Damit soll es nun vorbei sein: „Alle reden von Integration. Doch wir wollen aktiv unseren Beitrag leisten“, so Jochen Pfeiffer, Vorsitzender der Societät Maritim. Der Verein stellt den Muslimen deshalb das Schifffahrtsmuseum zur Verfügung – als Interimsmoschee. Und das soll nicht das einzige weitere Gotteshaus für die Muslime bleiben.

OZ-Bild

Platznot in der Islamischen Gemeinde: Societät Maritim stellt Atrium für das Freitagsgebet zur Verfügung / Muslime suchen weitere Gebetsräume in Dierkow und Evershagen

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Die gute Nachricht für die Islamische Gemeinde überbrachte Pfeiffer gestern, pünktlich zum Beginn der 30-tägigen Fastenzeit Ramadan. „Aus dem Leuchtturm der Rostocker Museumslandschaft ist leider nichts geworden. Stattdessen wollen wir nun ein Leuchtturm für Integration und für das friedliche Miteinander der Religionen in unserer Stadt werden“, so Pfeiffer. 120 Muslime sollen ab sofort im Atrium des Museums Platz für ihren Gottesdienst finden. Mehr erlaubt nach OZ-Informationen die Bauaufsicht der Stadt nicht. „Zudem stellen wir den ehemaligen ,Club der Fahrensleute’ für das tägliche Gebet und den Islam-Unterricht für Kinder bereit“, so der Chef der Societät. Das Museum will in naher Zukunft neue Angebote der Begegnung schaffen: „Die Muslime gehören jetzt auch zu uns. Wir wollen, dass die neuen und alten Rostocker gegenseitig voneinander lernen. Das deckt sich auch mit unserem Vereinszweck“, sagt Pfeiffer.

Seine offenen Arme für die Islamische Gemeinde, die in den vergangenen Wochen durch einen zum Teil auch gewaltsam ausgetragenen Richtungsstreit in den Fokus der Staatsschützer des Landeskriminalamtes geraten war, sind eine Wohltat: „Wir sind sehr dankbar für das Angebot der Societät. Die neuen Räume werden uns in der schwierigen Situation helfen. Und es wird helfen, die Lage in der Gemeinde zu entspannen“, sagt Ziaul Badar, Mitglied im Vorstand der Gemeinde. Sprecher Maher Fakhouri versichert zudem, dass die Konflikte in der Gemeinschaft bald gelöst werden: „Wir haben Mitglieder aus 30 Nationen, unterschiedliche Auslegungen des Islam und verschiedene Strömungen. Diskussionen sind dabei normal.“

Innerhalb der nächsten sechs Wochen soll in der Gemeinde eine Vollversammlung einberufen, ein neuer Vorstand gewählt und über den Kurs beraten werden. „Wir wollen das Vertrauen der Rostocker zurückgewinnen.“

Pfeiffer zeigt sich von den Vorfällen in der Moschee unbeeindruckt: „Wir werden darauf achten, dass es bei uns keine Krawalle geben wird. Wir achten darauf, wer zu uns kommt zum Beten“, versicherte der Vereinschef.

Die Pläne für den mehr als eine Million Euro teuren Neubau einer Moschee scheinen indes vom Tisch: „Wir suchen nach Lösungen vor Ort – dort, wo unsere Mitglieder leben“, sagt Fakhouri. Soll heißen:

Die Gemeinde bemühe sich, neben dem Schifffahrtsmuseum und der Schlesinger-Straße weitere Gebetsräume zu finden. „Für 700 Personen werden wir in Rostock nichts finden. Also suchen wir für die Mitglieder aus dem Nordwesten Räume im Umkreis Evershagen, auch in Dierkow wollen wir Platz finden.“ Das erste Gebet im Museum findet am Freitag statt.

Platznot in Zahlen

700 Muslime leben nach Angaben der Islamischen Gemeinde derzeit in Rostock. Vor dem Beginn der Flüchtlingszuwanderung im Herbst 2015 waren es rund 350.

1,2 Millionen Euro sollte der geplante Neubau einer Moschee in der Südstadt kosten. Bisher hat der Verein aber gerade mal 100000 Euro gesammelt. Deshalb setzt der Vorstand auf mehrere kleine Lösungen.

Andreas Meyer

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