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Neuer Pfarrer will den Katholiken eine Heimat geben

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Neuer Pfarrer will den Katholiken eine Heimat geben

Vor einem Jahr entstand die Pfarrei „Herz Jesu“ zwischen Salzhaff, Rostock und Ribnitz. Dietmar Wellenbrock soll die Gläubigen nach der Fusion zusammenbringen.

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Dietmar Wellenbrock (52) ist der neue leitende Pfarrer der Pfarrei „Herz Jesu“. Am Freitagabend wurde er während eines Festgottesdienstes in sein neues Amt eingeführt.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Vor Dietmar Wellenbrock liegen große Aufgaben – und noch größere Entfernungen: Der 52 Jahre alte, gebürtige Wittenburger ist der neue Pfarrer der katholischen Pfarrei „Herz Jesu“. Und die erstreckt sich von Neubukow bis nach Ribnitz-Damgarten, von Warnemünde bis Tessin. Rund 12 000 Katholiken leben in dem so genannten „Pastoralen Raum“ in und um Rostock. Wellenbrock soll sie zusammenbringen.

Denn hinter den Gläubigen in der Region liegt ein bewegtes Jahr: Im Oktober 2016 waren die bisher eigenständige Christusgemeinde in der Rostocker Innenstadt, St. Thomas Morus im Nordwesten der Stadt sowie St. Bernhard in Tessin, die Pfarrei „Heilige Maria Hilfe der Christen“ in Ribnitz-Damgarten und St. Marien in Bad Doberan fusioniert worden. Das zuständige Erzbistum in Hamburg hatte damals finanzielle und personelle Gründe für den Schritt angeführt. Denn einen Mitgliederschwund gibt es bei den Katholiken nicht. Auf dem Papier ist die Fusion abgeschlossen, aber die Katholiken bewegt sie weiterhin: „Was bedeutet der Zusammenschluss für das Zusammenleben in der Kirche? Wo ist mein Platz in der Pfarrei? Das sind die Fragen, die sich viele Menschen stellen“, sagt Wellenbrock. Er will helfen, die Antworten zu finden. „Meine Aufgabe wird es sein, die Menschen in der Pfarrei zusammenzubringen und ihnen zu zeigen, dass sie auch im Großen Heimat finden können und werden.“ Der Geistliche weiß, dass dies nicht leicht werden wird: Fast 90 Kilometer liegen zum Beispiel zwischen Neubukow und Ribnitz-Damgarten. 14 Kirchen gibt es in der Pfarrei. Viele wurden von den bekennenden Katholiken vor Jahrzehnten selbst aufgebaut. Zudem finden Gottesdienste in der evangelischen Kirche in Satow und einer Kapelle statt. „Egal, wo auf der Welt wird sind: Wir Katholiken gehören alle zur selben Kirche. Und wir sind überall zu Hause.“ Genau dieses Gefühl wolle Wellenbrock vermitteln.

Der neue Pfarrer ist dabei nicht allein: Er ist der „Chef“ – der leitende Pfarrer - für acht weitere aktive Priester in der Pfarrei. Hinzu kommen fünf Gemeindereferenten. „In den ersten Monaten werde ich viel Reisen und versuchen, mit so vielen Menschen wie möglich ins Gespräch zu kommen.“ Dass der neue Pfarrer auch frischen Wind in die Gemeinde bringt, bewies er bei seinem feierlichen Einführungsgottesdienst: Den feierte er in einem farbfrohen Messgewand aus Afrika. Wellenbrock pflegt seit Jahren gute Kontakte zu Pfarreien außerhalb Europas.

Wenn Wellenbrock von seinem Werdegang erzählt, klingt es ein wenig nach Vorbestimmung, dass er Pfarrer geworden ist: „Ich bin in einer Straße in Wittenburg aufgewachsen, die im Volksmund nur ,Straße der zwölf Apostel‘ genannt wurde. Denn in unserem Ortsteil gab es zwölf Häuser – und in allen lebten katholische Familien.“ Pfarrer zu werden – das sei zu DDR-Zeiten nicht leicht gewesen. „Ich habe deshalb zunächst eine Lehre als Möbelpolsterer gemacht.“ Doch er habe dann schnell gemerkt, dass dies nicht seine Bestimmung ist: „Ich war schon immer sehr gläubig. In der Kirche habe ich mich auch zu DDR-Zeiten frei gefühlt. Der Glaube an Gott, die Gottesdienste: Ich habe das stets als befreiend empfunden.“ Kurz vor dem Mauerfall beginnt er dann ein Theologie-Studium in Erfurt, ist bei den Montagsdemos dabei. „Das hat mich sehr geprägt.“ Eine Zeit lang geht Wellenbrock nach Wien, wird dann in Kiel Kaplan. Er wechselt nach Schwerin, wird schließlich für sechs Jahre Landesjugendpfarrer in Teterow. Die letzte Station vor Rostock war Hamburg. „Die Zeit als Jugendpfarrer kommt mir jetzt zu Gute: Viele Mitglieder der Pfarrei habe ich bereits als junge Menschen kennen gelernt. Ich durfte nun sogar das erste Paar in Rostock trauen.“

Wellenbrock will, dass die Kirche in Rostock sich wieder stärker mit ihren Botschaften ins gesellschaftliche Leben einbringt. „Die Gemeinden sind nun mal auch ein wichtiger Teil der Stadt.“ Und er will die Kirche attraktiver machen: Es sei kein Geheimnis, dass sich kaum noch junge Menschen für den Beruf des Pfarrers oder des Religionspädagogen entscheiden. „Wir müssen als Kirche und als Gemeinde auch als Arbeitgeber attraktiver werden.“

Die römisch-katholische Kirche in Rostock

11520 Katholiken leben nach Angaben des Erzbistums Hamburg in dem Gebiet der Pfarrei „Herz Jesu“ zwischen Neubukow und Tessin. Das sind rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung.

5 Pfarreien gab es bis zur Fusion Ende 2016 in und um Rostock: Zwei in der Hansestadt sowie je eine in Ribnitz-Damgarten, Tessin und Bad Doberan.

1713 Gläubige besuchen im Schnitt die sonntäglichen Messen in und um Rostock.

Andreas Meyer

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