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Neuer Termin für Zwangsversteigerung der Villa

Stadtmitte Neuer Termin für Zwangsversteigerung der Villa

Eigentümer Volker Beecken musste ausziehen / Der Jurist hat seine Anwaltszulassung verloren und soll hoch verschuldet sein / Verhandlung vor Amtsgericht noch im März

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Das einstige „Haus der Pioniere“, Rosa-Luxemburg-Straße 3, wird am 6. April um 10.30 Uhr im Amtsgericht zwangsversteigert.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Die Zwangsversteigerung der Villa in der Rosa-Luxemburg-Straße geht in die zweite Runde: Am 6. April soll das einstige „Haus der Pioniere“ nun unter den Hammer kommen. Am Preis von 1,6 Millionen Euro für die Immobilie inklusive Einbauküchen, Elektroanlage, Kronleuchter und Skulptur hat sich nichts geändert seit dem ersten Versteigerungsversuch Ende September 2015.

Diese Summe ist der Verkehrswert, der in zwei Miteigentumsanteile je 796000 Euro gesplittet ist und den die Gläubigerin, die DKB-Bank, auf jeden Fall kassieren möchte. Außerdem will die Bank das Haus, trotz der halben Anteile, möglichst in eine Hand geben. Beim letzten Mal hatten Autohändler Uwe Birne und Artur Bree für ihre Frauen je einen halben Villenanteil ersteigern wollen. Mitbieterin war die Ospa-Immobiliengesellschaft. Letztlich war die Versteigerung auch an den zu niedrigen Geboten gescheitert.

Eigentümer der Villa ist Volker Beecken, der das Objekt vom Rostocker Projektentwickler Harald Lochotzke erworben und hier eine Anwalts-Societät mit damals acht Kollegen eingerichtet hatte. Am Ende war es nur noch eine Anwältin, die mit ihm im Haus arbeitete.

Inzwischen hat Beecken die Villa räumen müssen. Die Zwangsversteigerung steht an —und ein Insolvenzverfahren vor der Eröffnung. Beecken darf nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten. Er hat seit 15.

Dezember 2015 keine Zulassung mehr, wie die Rechtsanwaltskammer Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Wegen Veruntreuung von Arbeitsentgelt hat die Staatsanwaltschaft Rostock gegen ihn ermittelt. „Im März findet die Verhandlung am Amtsgericht statt“, so Staatsanwalt Harald Nowack.

Der einst umtriebige Anwalt, der vor Jahren sowohl Hansa als auch Empor vertreten hat, steckt offensichtlich tief in der Klemme. Schluss mit Porsche und Millionenvilla — Statussymbolen, die ihm wichtig gewesen sein sollen. Der gebürtige Hamburger soll hoch verschuldet sein, „sechsstellig“, wie frühere Kanzleikollegen wissen wollen und es die laut Creditreform seit 2014 permanent verweigerten Vermögensauskünfte nahelegen.

„Man kann sich mal verspekulieren, aber man muss sauber mit Geldern von Mandanten umgehen“, sagt Rechtsanwalt Dieter Eckstorff aus Hamburg, der durch die Anwaltskammer MV mit der Abwicklung der Rostocker Kanzlei beauftragt wurde. „Auf Vorschlag von Beecken“, wie Eckstorff einräumt, der müsse ihn auch bezahlen, „aus dem Honoraraufkommen, das der Kanzlei zusteht“. Eckstorff habe sämtliche Akten sichergestellt, er müsse bestehende Mandate weiter betreuen. „Ich fahre zu verschiedenen Gerichten“, erzählt Eckstorff, der Beecken seit Jahren kennt und erstaunt ist über immer neue Geschichten, die bekannt werden: „Das ist aus dem Hause Balla, was da läuft“, sagt er salopp.

„Enttäuscht, dass es so ein Ende genommen hat“, ist Henrike Pfeil, Beeckens letzte Anwaltskollegin in der Villa, zugleich seine Vorsitzende im Wählerbündnis Unabhängige Bürger für Rostock (UFR). Als Kollege sei er stets distanziert gewesen, schwer durchschaubar, erinnert sich Pfeil. Beecken, FDP-Mitglied seit den 1980er Jahren, hat die UFR mitgegründet, nun ist er untergetaucht. „Wir haben keinen Kontakt, wissen nicht, wo er steckt“, erklärt die Vorsitzende. Auf Mails reagiere Beecken nicht. „Noch ist er UFR-Mitglied“, so Pfeil, „aber wir werden reagieren, wenn es jetzt strafrechtliche Dinge gibt.“ Der Fall und der Mann blieben „ein großes Rätsel“.

Beecken werden immer wieder rechte Kontakte nachgesagt, die er strikt von sich weist. So wurde behauptet, dass er 2013 in die Neuauflage des NS- und kriegsverherrlichenden Heftes „Weltkrieg“, das auf die Einstellung der früheren Heftreihe „Der Landser“ folgte, verstrickt sei. „Totaler Quatsch“, hatte Beecken im September 2015 gegenüber der OZ gesagt. Er hätte für eine Mandantin den Auftrag gehabt, in der Schweiz eine Aktiengesellschaft Mediavari AG zu gründen. Die Mandantin sei abgesprungen, der Auftrag weg. Allerdings müsse es später „Verbindungen meiner Mandantin mit denen, die den Schund herausgeben, gegeben haben“. Der Name Mediavari sei für einen Verlag genutzt worden. Er habe damit nichts zu tun, hatte Beecken gesagt. Für aktuelle Antworten war er nicht erreichbar.

Villa seit 1896

Die Villa wird am 15. Dezember 1896 vom Architekten Carl Heinig fertiggestellt und an Hofdachdeckermeister Hans Christen übergeben. Immer wieder steht das Haus zeitweise leer.

1911 kommt es in den Besitz von Dr. Wilhelm Koch, dessen Witwe Wilhelmine dort bis 1933 ein Töchterheim betreibt. Dr. Heinrich Wasmuth schenkt die Villa 1950 der Stadt Rostock, die 1951 das „Haus der Pioniere“ eröffnet. Nach der Wende soll hier in der „Villa Kunterbunt“ weiter Jugendarbeit betrieben werden, ohne Erfolg. 1998 kauft und saniert der Rostocker Projektentwickler Harald Lochotzke das Haus, um hier sein Büro einzurichten. Von ihm erwirbt Rechtsanwalt Volker Beecken das Haus für seine Societät. Nun wird die Villa zwangsversteigert.



Doris Kesselring

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