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Zweimal im Monat lädt die Societät Rostock Maritim zum „Repair Café“

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Reparieren eine defekte Kaffeemaschine: Hartmut Pfüller (l.) und Werner Graunke begeben sich gemeinsam auf Fehlersuche. FOTOS: KATHARINA AHLERS

Stadtmitte. Eine kaputte Kaffeemaschine hat es Hartmut Pfüller und Werner Graunke angetan. Mit einer kleinen Lampe durchsuchen sie das Gerät. Wo ist der Fehler? „Die zieht kein Wasser mehr“, sagt Pfüller. „Ich vermute, sie ist einfach nur stark verkalkt. Das ist typisch bei solchen Geräten.“

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Zweimal im Monat lädt die Societät Rostock Maritim zum „Repair Café“

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Heutzutage wird zu sorglos mit Gegenständen umgegangen.Thomas Kielhorn

Leiter des „Repair Cafés“

Reparatur gegen Spende

An der Kaffeemaschine hängen Erinnerungen dran.Renate Waschow

Kühlungsborn

Seit 2014 reparieren der 68-Jährige und sechs weitere Hobby-Bastler zweimal im Monat im ehemaligen Schifffahrtsmuseum kaputte Haushaltsgegenstände. „Wir nehmen alles an, was die Leute hier alleine hertragen können“, sagt Initiator Thomas Kielhorn von der Societät Rostock maritim. „Elektrogroßgeräte wären zu aufwendig – da sollte eine Fachwerkstatt aufgesucht werden.“ Meist kämen Besucher mit CD- und DVD-Spielern, Mikrowellen, Toastern oder Kaffeemaschinen. „Zu 65 Prozent können wir sie wieder reparieren“, meint der 58-Jährige. „Bei Zehn-Euro-Geräten sollte man sich allerdings überlegen, ob sich das lohnt.“

Die Kaffeemaschine hat Renate Waschow aus Kühlungsborn vorbeigebracht. „Die gehörte meinem Vater und wurde nach seinem Tod drei Jahre lang nicht genutzt“, sagt die 65-Jährige. „Da hängen Erinnerungen dran. Ich wollte sie nicht wegschmeißen und hoffe, sie funktioniert bald wieder.“ Für diesen Fall hat die Kühlungsbornerin sogar Kaffeebohnen mitgebracht.

Pfüller, der als Elektriker gearbeitet hat, stochert vorsichtig mit einer Nadel in den Drüsen der Maschine. „Wie ich es vermutet habe. Die ist verkalkt. Gleich dürfte es wieder funktionieren“, sagt er. „Diese kleineren Fehler haben wir am liebsten.“ Neben dem Reparatur-Café in Rostock arbeitet Pfüller zudem in einem Reparatur-Café in Ribnitz-Damgarten. „Mir macht das Tüfteln Spaß“, sagt er.

„Ich habe bei mir zu Hause auch schon alles auseinandergenommen.“

Sein Kollege Werner Graunke kümmert sich vor allem um alte Radios und Plattenspieler. „Ich habe den Beruf des Rundfunkmechanikers gelernt“, sagt der 63-Jährige. „Es ist ein schönes Gefühl, die Gegenstände wieder zum Laufen zu bekommen.“

Neben der Kaffeemaschine bekommt der Rostocker an diesem Tag zudem einen DVD-Player in die Hände. „Solche Geräte nutzen sich schnell ab“, sagt er. „Oft ist die Linse verschmutzt oder der Laser defekt.“ Graunke zeigt auf seinen Werkzeugkasten. „Für größere Reparaturen habe ich Ersatzteile dabei, beispielsweise Plattenspielernadeln oder Sicherungen.“ Der Mechaniker schraubt am DVD-Spieler und nach einer kurzen Fehlersuche bringt er ihn schließlich zum Laufen. „Wie lange der noch funktioniert, weiß ich nicht. Aber etwas Freude wird der Besitzer noch daran haben.“

Die Bastler freuen sich besonders über die Reaktion der Kunden, wenn die Geräte wieder zum Laufen gebracht werden. „Oft kommen ältere Leute, deren 40 Jahre alte DDR-Geräte plötzlich den Geist aufgegeben haben“, sagt Werkstatt-Leiter Thomas Kielhorn. Einmal habe sein Team einen alten Stabmixer repariert. Die Besitzerin sei vor Freude in Tränen ausgebrochen. „Diese Generation ist dankbar und sehr emotional“, sagt er. „Heutzutage wird oft sorglos mit Gegenständen umgegangen und Defektes schnell weggeschmissen.“

Katja Nawrotzky hat allerdings keine andere Wahl. Das Heizelement ihres Wasserkochers hat endgültig den Geist aufgegeben. „Das ist schade“, sagt Nawrotzky enttäuscht. „Der war relativ teuer, und die Garantie ist erst vor kurzem abgelaufen.“ Vom Reparatur-Café hat sie von Bekannten erfahren. „Das ist eine gute Sache“, sagt die Rostockerin. „Vielleicht habe ich beim nächsten Mal mehr Glück.“

Renate Waschow freut sich derweil auf die erste Tasse aus ihrer reparierten Kaffeemaschine. „Jetzt kann ich sie wieder in Betrieb nehmen. Ich werde sie oft entkalken“, verspricht sie.

Am ersten und dritten Donnerstag im Monat findet das „Repair-Café“ zwischen 13 und 17 Uhr statt. Die Mechaniker nehmen bis spätestens 16.30 Uhr defekte Gegenstände an. Nächster Termin: 1. Dezember.

Die Hobbybastler arbeiten ehrenamtlich. Ihre Arbeit ist kostenlos – um Spenden wird gebeten. Durchschnittlich 65 Prozent der bisher

abgegebenen Geräte konnten repariert werden. Das Café übernimmt keine Haftung.

Kontakt: Societät Rostock Maritim, August-Bebel-Straße 1, ☎ 0172/3032650

Katharina Ahlers

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