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Nordkante: Buchautor hält Bürgerentscheid für „linkes Ding“

Stadtmitte Nordkante: Buchautor hält Bürgerentscheid für „linkes Ding“

Die Frage, ob der Neue Markt bebaut werden soll, kommt 15 Jahre zu spät, sagt Helmut Aude / Planungen seien längst abgeschlossen / Linke weisen Populismus-Vorwurf zurück

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Ortschronist Helmut Aude (73) steht hinter dem Rostocker Rathaus, auf dem Platz, der einst „Am Schilde“ hieß.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Soll die Nordkante des Neuen Marktes nun bebaut werden — oder nicht? Geht es nach den Linken, sollen darüber die Rostocker in einem Bürgerentscheid abstimmen.

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Die Frage, ob der Neue Markt bebaut werden soll, kommt 15 Jahre zu spät, sagt Helmut Aude / Planungen seien längst abgeschlossen / Linke weisen Populismus-Vorwurf zurück

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Doch für Ortschronist und Buchautor Helmut Aude (73) wäre das „ein linkes Ding“: „So ein Entscheid ist völlig überflüssig, jetzt, wo alle Messen gesungen sind“, sagt der Rostocker. „Vor 15 Jahren hätte der Bürgerentscheid kommen müssen. Jetzt ist es Wahlkampf, nichts anderes.“

Der städtebauliche Wettbewerb ist entschieden: Fünf Giebelhäuser könnten an der Nordkante entstehen. „Es geht nur noch um Details, wie die Gestaltung der Fassade“, sagt Aude. Gleichzeitig sei das Projekt viel mehr als nur die Nordkante. „Es geht um den Wiederaufbau eines Stadtquartiers mit mehreren Baufeldern.“ Auf einem davon soll der dreieckige Platz „Am Schilde“ hinter dem Rathausanbau entstehen — für Aude ein ganz besonderer, niveauvoller Platz, wie er sagt.

Seit 1983 engagiert sich der Rostocker für die Entwicklung seiner Geburtsstadt. Mit der Kamera zieht er durch Straßen und dokumentiert Veränderungen. 18 Bücher mit historischen Fotos und Vergleichsaufnahmen späterer Jahre hat Aude im Eigenverlag veröffentlicht. Die Bebauung des Neuen Marktes ist ein besonderes Thema für ihn. Bereits 1997 hat er seine Visionen dazu aufgeschrieben, längst sei es an der Zeit, dass hier etwas passiere. „Der jetzige Zustand ist eine Katastrophe. Der Neue Markt ist ein Torso“, sagt Aude. Vor dem Zweiten Weltkrieg habe es hier elf Gaststätten und 32 Geschäfte gegeben. Heute seien es fünf Lokale und sieben Läden. „Dem Platz muss wieder Leben eingehaucht werden“, so der 73-Jährige. Und die bisher vorgestellten Pläne seien dafür — auch aus historischer Sicht — ideal.

Eine Angst habe er jedoch: Dass die Tiefgarage unter der Grünanlage im Nordosten des Marktes zu weit in Richtung Marienkirche gebaut wird. „Die Garage darf maximal bis zur Straßenbahntrasse gehen, sonst könnte es Schwierigkeiten mit der Standfestigkeit der Kirche geben“, so Aude. 1000 Parkplätze seien hier erst geplant gewesen. 600 hält er für realistisch.

Aude befürchtet, dass die Bebauung durch den Bürgerentscheid nicht nur verzögert, „sondern komplett verhindert“ werden könnte. Dann wären viel Zeit und Geld verloren. Mehr als 320000 Euro wurden in die Planung investiert. Auch sei das Projekt in mehreren Bürgerforen vorgestellt worden.

Doch für Linken-Chefin Eva-Maria Kröger sind all das Argumente, warum genau jetzt der ideale Zeitpunkt für einen Bürgerentscheid wäre. Gerade weil die Planungen nun so konkret seien und die Öffentlichkeit so umfassend informiert sei, könnten die Rostocker viel qualifizierter entscheiden, ob sie eine Bebauung wollten. „Vorher hätten wir nur über ungelegte Eier geredet“, so Kröger.

Bereits vor einem Jahr hätten die Linken einen Bürgerentscheid ins Gespräch gebracht. Doch es seien noch Prüfungen notwendig gewesen, ob und inwiefern eine Bebauung überhaupt möglich ist. Nun liege das Quartiersblatt vor. „Das wollten wir abwarten. Wir hätten uns doch lächerlich gemacht, über etwas abstimmen zu lassen, was gar nicht umsetzbar ist.“

In einem Punkt gibt Kröger Aude recht: Das Projekt umfasst nicht nur die Nordkante. „Aber die Bebauung Am Schilde links vom Rathaus ist auch unstrittig. Sie wird kommen.“ Die Nordkante könne davon losgelöst betrachtet werden. Schließlich gehe es hier um ein großes Bauvorhaben im Herzen der Stadt über einen langen Zeitraum — mit Auswirkungen zum Beispiel auf den öffentlichen Nahverkehr, Weihnachts- oder Ostermarkt.

Für Kröger ist die Nordbebauung ein Musterprojekt dafür, um die Bevölkerung bei einer großen Entscheidung mitzunehmen. „Wir spüren doch den Wunsch nach mehr Beteiligung“, sagt sie. Und hier sei das bestens möglich.

Bürgerschaft entscheidet

Ob die Rostocker über die Bebauung der Nordkante des Neuen Marktes abstimmen dürfen, entscheidet die Bürgerschaft demnächst. Auf der Tagesordnung steht dann auch das sogenannte Quartiersblatt, das nach einem städtebaulichen Wettbewerb genau beschreibt, wie die Baufelder auf der Nordseite des Marktes aussehen sollen, welche Form die Gebäude haben und wie sie genutzt werden.

Hierzu gab es zehn Änderungswünsche.

Von André Wornowski

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