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Stadt ist das Gegenteil von Wildnis Zur „Abholzung“ der Wallanlagen (OZ vom 29. Februar) Ich kann es kaum erwarten, dass die Wallanlagen einen Teil ihrer ursprünglichen Gestalt wieder gewinnen.

Stadt ist das Gegenteil

von Wildnis

Zur „Abholzung“ der Wallanlagen (OZ vom 29. Februar) Ich kann es kaum erwarten, dass die Wallanlagen einen Teil ihrer ursprünglichen Gestalt wieder gewinnen. Von dort aus haben die Rostocker im 17. Jahrhundert die herannahenden Truppen Wallensteins beobachtet; im 18. Jahrhundert war es üblich, dort am Sonntag zu flanieren. Die Wallanlagen gehören ebenso zu unserem (durch Kriegsschäden) schmalen historischen Erbe wie die Marienkirche und die historischen Stadttore. Auch diese Bauwerke werden längst nicht mehr in ihrer vormaligen Funktion genutzt — niemandem würde es indessen einfallen, sie deshalb verwildern oder gar abreißen zu lassen.

Die Stadtwildnis (der Duden kennt diesen Begriff nicht) gehört dagegen zu keiner städtischen Tradition, denn „Stadt“ ist eben das Gegenteil von „Wildnis“.

Stadt ist der Natur abgerungener, von Menschen gestalteter und geordneter Raum. Stadt, das heißt Häuser, Straßen und Parks. Wildnis in der Stadt steht dagegen für Unordung und Vermüllung. Ich gehöre zu der überwiegenden Mehrheit der Rostocker, die das nicht wollen. Wildnis gibt es im am dünnsten besiedelten Flächenland MV mehr als ausreichend — dafür muss der städtische Raum nicht herhalten. Die irregeleiteten Streiter für die Etablierung einer Stadtwildnis hängen einer verqueren Naturromantik an, die auf Fakten keine Rücksicht nimmt. Das gilt besonders für ihre immerfort wiederholte These von der übermäßigen Abholzung im städtischen Raum. Wer wie ich mehr als fünfzig Jahre in Rostock wohnt und sich vorurteilslos umschaut, wird erkennen, dass im Bereich vor den Wallanlagen entlang der Arnold-Bernhard-Straße und vor dem KTC mehr Baumbestand vorhanden ist als im ganzen Jahrhundert zuvor. Es wäre eine noble Geste der Kritiker, wenn sie sich öffentlich zu der Überzogenheit ihrer Bedenken gegenüber den Fachleuten des Grünamtes bekennen und deren proffesionelle Leistung anerkennen würden.

Mathias Jonas, Rostock

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