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Obszöner Anrufer belästigt Klinik-Mitarbeiterinnen

Hansaviertel Obszöner Anrufer belästigt Klinik-Mitarbeiterinnen

Unbekannter gab sich als Vorstandsmitglied aus / Kripo ermittelt / Uni warnte Kollegen

Hansaviertel. Schon wieder sorgt eine offenbar sexuell motivierte Straftat für Wirbel in Rostock: Wenige Tage nachdem in der Sauna eines Hotels in Warnemünde versteckte Kameras entdeckt wurden (die OZ berichtete), ermittelt die Polizei nun auch an der Rostocker Uni-Klinik. Dort hat ein Mann in den vergangenen Tagen mehrfach Mitarbeiterinnen am Telefon obszön belästigt. Besonders dreist: Dabei gab sich der Täter als ein Mitglied des Klinik-Vorstandes aus, übte so zusätzlichen psychischen Druck auf die Frauen aus. Solche Belästigungen sind in der Hansestadt keine Seltenheit, sagt die Kriminalpolizei. Der Vorfall an der Uni-Klinik soll sich nach OZ-Informationen bereits Mitte vergangener Woche ereignet haben, wurde aber erst jetzt bekannt.

Die Klinik-Leitung nahm die Anrufe immerhin so ernst, dass sie sich in einer E-Mail an alle Mitarbeiter wandte. Professor Dr. Emil Reisinger, Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand des Uni-Krankenhauses, informierte das Personal persönlich über die Vorkommnisse. In dem Schreiben ist die Rede davon, dass „einige Mitarbeiterinnen der Universitätsmedizin belästigende Anrufe erhalten“

hätten. Zugleich stellt der oberste Arzt des Klinikums klar, dass kein Mitglied des Vorstandes hinter den Anrufen stecke, in denen es nach OZ-Informationen unter anderem um sexuelle Anzüglichkeiten ging. Reisinger fordert die Betroffenen in der E-Mail zudem auf, sich an das Dekanat zu wenden und zeitgleich Strafanzeige bei der Polizei zu stellen. „Wir bitten Sie, wenn möglich, die Telefonnummer des Anrufers zu notieren.

Kripo hat bereits zwei Anzeigen

Bei den Ermittlern der Rostocker Kripo liegen derzeit bereits zwei Strafanträge zu den Anrufen vor: „Eine Anzeige hat eine betroffene Mitarbeiterin erstattet. Die zweite stammt von dem Vorstandsmitglied, dessen Name für die Anrufe missbraucht worden sein soll“, sagt Polizeisprecher André Täschner. Zu den Inhalten der belästigenden Telefonate äußern sich die Ermittler nicht – das sei Täterwissen und wichtig für die Ermittlungen. Ob es mehr Fälle als den bislang angezeigten gibt? „Das wissen wir nicht“, sagt Täschner. Gut möglich, dass sich weitere Opfer bisher noch nicht zur Polizei getraut hätten. „Nur wenn uns solche Anrufe auch gemeldet werden, können wir dem nachgehen und die Täter ermitteln.“

Uni-Dekan Reisinger will sich zu den Anrufen öffentlich nicht groß äußern: Seit seiner Rund-Mail an die Belegschaft habe es keine weiteren Anrufe gegeben. „Ich gehe davon aus, dass jetzt erst mal Ruhe ist. Wir messen dem nun keinerlei Bedeutung mehr bei.“ Die Uni-Klinik vertraue nun auf die Arbeit der Polizei. Dass sich der Anrufer aber als Vorstandsmitglied ausgegeben habe, sei eine perfide Masche: „Ich kann mir vorstellen, dass dieser Mann sich aus dem Internet gezielt die Namen von Führungskräften in Unternehmen raussucht. Vermutlich erhofft er sich, dass die belästigten Frauen sich nicht trauen, aufzulegen, wenn der vermeintliche Chef dran ist.“ Dass jemand aus der Uni-Klinik selbst der Täter ist, bezweifelt Reisinger.

Polizei: Auflegen und anzeigen

Das Polizeipräsidium Rostock rät Frauen, die Opfer solch sogenannter „Beleidigungen auf sexueller Grundlage“ werden, unverzüglich aufzulegen: „Gehen Sie nicht auf das Gerede ein, notieren Sie sich die Nummer des Anrufers und erstatten Sie Anzeige“, so Sprecherin Sophie Pawelke. In Rostock zählt die Kripo im vergangenen Jahr insgesamt 128 solcher Fälle von sexuellen Beleidigungen. „2014 waren es 131 Anzeigen. Für 2016 erwarten wir eine leicht steigende Tendenz“, sagt Pawelke.

Andreas Meyer

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