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Ohne Grenzen: Rostocker Ärztin hilft Haiti

Stadtmitte Ohne Grenzen: Rostocker Ärztin hilft Haiti

Unfallchirurgin Judith Emmerich arbeitet an der Universitätsmedizin / Anfang des Jahres nutzte sie ihre Urlaubstage, um in einem Krankenhaus in Port au Prince zu arbeiten

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In Port-au-Prince, Haitis Hauptstadt, hat die Rostocker Ärztin Judith Emmerich in einem Krankenhaus gearbeitet.

Quelle: dpa

Stadtmitte. Vier Wochen Karibik — Sonne, Strand und Meer. All das erlebte Judith Emmerich nicht. Für sie war ihre Reise vom 23. Februar bis 24. März kein Urlaub. Die Rostocker Chirurgin nutzte ihre freien Tage, um mit der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in einem Krankenhaus in Haiti zu helfen.

 

OZ-Bild

Judith Emmerich (42) arbeitet im Rostocker Universitätsklinikum als Unfallchirurgin.

Quelle: Ove Arscholl

Organisation bekam 1999 den Friedensnobelpreis

Ärzte ohne Grenzen ist die deutsche Übersetzung des Namens der 1971 gegründeten größten internationalen Organisation für medizinische Nothilfe Médecins Sans Frontières. Die private, unabhängige Hilfsorganisation leistet medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten. Hierfür wurde ihr 1999 der Friedensnobelpreis verliehen.

Fast 8000 Kilometer liegen zwischen Haitis Hauptstadt Port au Prince und Rostock. Doch zwischen den beiden Orten liegen auch Welten. „Die politische Lage ist instabil und das Gesundheitssystem ist zum Erliegen gekommen“, fasst die 42-Jährige zusammen. Es gebe unter anderem viel häufiger offene Brüche. Ein Grund dafür seien aufgerissene Straßen, die vermehrt zu Verkehrsunfällen führen. Ein Überbleibsel des verheerenden Erdbebens, bei dem 2010 etwa 230 000 Menschen in Haiti starben. Die Infrastruktur des Landes wurde dabei nachhaltig zerstört. „Es gibt wohl außerdem ein Problem mit Bandenkriminalität“, ergänzt Judith Emmerich.

Innerhalb eines Tages würden fünf bis sechs Patienten mit Schussverletzungen eingeliefert werden. „Aber egal wen ich auf dem Behandlungstisch habe, im Vordergrund steht das Überleben.“ Da müsse man den professionellen Blick wahren und könne sich keine Gedanken zum Umfeld des Patienten machen. „Das ist in Haiti nicht anders als hier“, erklärt die Ärztin, die in der Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Rostock arbeitet.

Die eigentliche Arbeit sei nicht viel anders als in der Hansestadt. „Die Hygiene im Krankenhaus ist mit deutschen Standards vergleichbar“, sagt die gebürtige Nordrhein-Westfalin. Das Nap-Kenbe-Klinikum im Stadtteil Tabarre sei auf chirurgische Eingriffe und Unfälle spezialisiert. Daher sei ihrer Vermutung nach die Sterberate nicht höher als in Rostock. „Ich kann mir aber vorstellen, dass mehr Patienten bereits auf dem Weg ins Krankenhaus sterben.“ Grund dafür seien auch schlecht ausgestattete Krankenwagen.

Dabei soll es sich bei Haiti noch um einen recht sicheren Einsatzort handeln. „Ich wollte eigentlich einige Monate vorher in Afghanistan arbeiten“, erklärt die Rostockerin. Doch kurz bevor es losgehen sollte, wurde das Krankenhaus in Kundus durch einen Bombenangriff zerstört. „Das ist schon ein sehr seltsames Gefühl, wenn man schon angefangen hat, sich mit dem Ort und dem Krankenhaus zu beschäftigen.“ Ein Grund, sich gegen solche Einsätze in Krisengebieten zu entscheiden, sah sie darin jedoch nicht.

Bereits vor drei Jahren begann Judith Emmerich damit, sich für „Ärzte ohne Grenzen“ zu bewerben. Die Entscheidung habe sie gut bedacht und auch um die Risiken weiß sie. „Es war immer klar, dass es gefährlich sein kann.“ Doch ihr Wille zu helfen, ist stärker als Angst. „Ich finde es beeindruckend, dass die Organisation humanitäre Hilfe leistet — unabhängig von den politischen und religiösen Einstellungen der Hilfsbedürftigen.“ Sie engagiert sich aus Überzeugung.

In Haiti habe sie auch gemerkt, wie strikt sich die Organisation an Sicherheitsvorkehrungen hält. Das ist wirklich beruhigend“, erwähnt die Chirurgin lobend. „Unsere Unterkunft war komplett abgesperrt und das Krankenhaus auch“, beschreibt sie. Bei dem täglichen Shuttle zur Arbeit wurde genau geguckt und gemeldet, wer im Auto sitzt. „Wir durften in der Freizeit immer nur zu zweit durch die Stadt gehen.“ Gefährliche Orte wurden auf einer Karte mit Rot markiert. „Die mussten wir meiden“, sagt Judith Emmerich.

Die Erfahrung und den Austausch mit internationalen Kollegen möchte sie nicht missen. Die Ärztin ist sich sicher: „Wenn ich noch einmal die Chance bekomme, werde ich dabei sein — egal wohin die Reise geht.“

Von Johanna Hegermann

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