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Pepe Lienhard: „In Rostock ehren wir meinen Freund Udo“

Pepe Lienhard: „In Rostock ehren wir meinen Freund Udo“

Der Band-Leader kommt mit seinen Musikern in die Hansestadt – und wird eine Hommage an Udo Jürgens spielen / Zu Hause kümmert er sich um Vögel – auch aus Rostock

Südstadt Er war der Bandleader von Udo Jürgens und stand auch mit Frank Sinatra auf der Bühne. Am 27. Oktober tritt Pepe Lienhard mit seiner Band in der Rostocker Stadthalle auf. Im Gespräch erzählt er, wie er seinen Freund Udo Jürgens und dessen Musik ehren will und was er an Rostock schätzt.

 

OZ-Bild

Pepe Lienhard steht Ende Oktober in der Rostocker Stadthalle mit seiner Band auf der Bühne.

Quelle: Bruno Torricelli

Was bringen Sie nach Rostock mit?

Pepe Lienhard: Wir kommen in voller Big-Band-Besetzung plus sieben Sänger – drei Solisten und ein vierstimmiger Chor. Und wir machen ein populäres Swing-Programm, also, wir spielen jetzt nicht irgendwelchen hochgestochenen Avantgarde-Jazz. Was auf dieser Tournee neu ist, ist die große Hommage, die wir an Udo Jürgens machen. Früher haben wir nie Udo- Lieder gespielt, weil wir ja mit dem Original-Udo zusammen waren. Aber jetzt, da Udo leider nicht mehr da ist, können wir nicht auf Tour gehen und so tun, als wenn es ihn nie gegeben hätte. Er war so wichtig für uns.

Ist das der Hauptteil des Programms?

Lienhard: Das wird der zweite Teil sein. Also, zuerst kommen unsere Swing-Sachen, von Glenn Miller oder Count Basie – Melodien, die die Leute gern hören. Und im zweiten Teil kommen dann Jürgens-Melodien.

Wer übernimmt den Gesang?

Lienhard: Es wird auch gesungen, aber es ist nicht so, dass jetzt einer den Udo imitiert. Da gibt’s ja einige ganz talentierte Imitatoren, aber wir machen das nicht. Wir haben uns einige Gedanken gemacht, wie wir Udos Werk ehren können, ohne den einfachsten Weg zu gehen, mit den Original-Arrangements. Daran hätte sicher Udo auch keine Freude gehabt. Deshalb haben wir uns für jeden Song, den wir spielen, spezielle Versionen ausgedacht.

Wie haben Sie Udo Jürgens kennengelernt?

Lienhard: Der erste Kontakt war damals 1974 im Parkcafé in Wiesbaden. Wir waren so eine Nachtclubband. Und wir hatten ein ganz neues Instrument damals, das hieß Mellotron. Das war so ein Keyboard, mit dem man den Geigensound kopieren konnte – ein mechanisches Gerät, das ich aus der Fabrik in London geholt hatte. Ich war ganz begeistert von diesem Sound. Und wir waren die erste Band in Deutschland, die das hatte. Und Udo hatte irgendwie davon gehört und interessierte sich dafür. Dann fuhr an dem einen Abend diese große Stretch-Limousine vor und Udo stieg aus. Wir waren alle erstarrt vor Ehrfurcht, dass der große Udo uns besucht. Und er hat sich dann ganz bescheiden hingesetzt und zugehört. Er war total nett und begeistert von unserer Band. 1977 sind wir dann irgendwie zusammengekommen. Naja – und dass es dann so viele Jahre andauern würde, hätte man nie zu hoffen gewagt.

Dann wurden es immerhin fast 40 Jahre...

Lienhard: Ja, am Anfang haben wir noch mit der kleinen Besetzung zusammen gespielt. Und ab den 80er Jahren hatten wir dann die große Band und haben von da an alle Konzerte und Tourneen zusammen gespielt bis 2014. Also im Ganzen 37 Jahre.

Wie haben Sie sich gegenseitig musikalisch beeinflusst?

Lienhard: Ich habe von Udo unglaublich viel gelernt, was Bühnenarbeit und -disziplin betrifft. Auch, was Respekt vor dem Publikum angeht, war er super vorbildlich. Er war immer pünktlich. Und er hat sehr genau gewusst, was für ihn funktioniert. Er hat sich auch lange vor den Tourneen schon Gedanken gemacht über das Licht und das Bühnenbild. Er wusste immer sehr genau, was er wollte.

Was meinen Sie mit Respekt vor dem Publikum?

Lienhard: Udo war ja ein wirklich großer Star. Und auch, wenn ein Konzert mal ein bisschen zäh losging, dann hat er immer um das Publikum gekämpft. Und er hat nie die Fehler anderswo gesucht. Es war nie ein schlechter Saal, eine schlechte Akustik, ein schlechtes Publikum oder eine blöde Gala. Das gab es bei ihm nicht. Er hat immer für den Erfolg gekämpft und es auch immer geschafft. Am Schluss standen die Leute immer und haben ihm zugejubelt. Er hat es verstanden, die Leute abzuholen. Sogar in China haben wir Standing Ovations gehabt.

Wie haben sich Ihr Leben und Ihre Arbeit nach Udos Tod verändert?

Lienhard: Ziemlich drastisch. Dass Udo mit 80 nicht mehr jeden Tag Konzerte gibt, war uns ja bewusst. Er hatte angemeldet, dass er ein bisschen weniger machen will. Am Abend vor seinem Tod waren wir zusammen essen. Er hatte sich verabschiedet und wollte für einen Monat in den Urlaub in sein Haus in Portugal fahren. Aber wir waren voller Pläne. Und das war dann ein sehr abruptes Ende.

Sie haben auch mit Frank Sinatra auf der Bühne gestanden. Kann man die beiden vergleichen?

Lienhard: Ja, ich habe die schon immer verglichen. Ich habe immer gesagt, Udo ist der Sinatra des deutschsprachigen Raums. Natürlich mit dem Unterschied, dass Udo seine Lieder selbst geschrieben hat. Aber er hatte diese entspannte Performance, die wir auch bei Sinatra erlebt haben. Er war ein richtiger Entertainer, konnte auf das Publikum eingehen. Und Sinatra konnte das auch.

Eine Geschichte, die ich immer gern erzähle, ist die: Wir hatten an einem Sonnabend in Monte Carlo einen Auftritt beim Rot-Kreuz-Ball mit Sinatra. Und am Donnerstag um zwei war die erste Probe angesetzt. Und als ich um halb zwei dorthin kam, war Sinatra schon da. Da habe ich natürlich gestaunt. Ich dachte, er kommt erst am letzten Tag vorbei.

Was haben Sie für eine Beziehung zu Rostock?

Lienhard: Da war ich sehr oft im Zoo. Das ist ja meine große Passion neben der Musik. Meine große Liebe in der Freizeit gehört den Tieren. Ich reise viel in tropische Länder und in jeder Stadt, wo ich spiele, gehe ich in den Zoo. Und Rostock habe ich entdeckt, als wir mal mit Udo da waren. Der Rostocker Zoo hat ja auch so einen wunderschönen Park. Für mich ist es einer der schönsten Zoos in Deutschland. Und ich habe sogar mal einen Hornvogel aus dem Rostocker Zoo bekommen. Die haben damals diese großen Hornvögel gezüchtet und mir eine Nachzucht verkauft.

Karten bei der OZ

Tickets für das Konzert am Donnerstag, 27. Oktober, in der Stadthalle

Rostock gibt es im Medienhaus der Ostsee-Zeitung, Richard-Wagner-

Straße 1a.

Ein Sitzplatz kostet ab 52 Euro im Oberrang. Plätze ganz vorne an der Bühne gibt es für 62,50 Euro, in der Mitte des Saales kosten die Tickets

zwischen 56 und 59,50 Euro. In den vordersten Reihen sind schon viele Plätze belegt.

10 Prozent Rabatt gibt es mit der OZ-Abokarte.

Interview von Ove Arscholl

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