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Platznot in der Psychiatrie

Gehlsdorf Platznot in der Psychiatrie

Immer mehr psychische Erkrankungen in Rostock / Klinik in Gehlsdorf überfüllt

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Platznot in der Psychiatrie

Die Universitätsklinik für Psychiatrie in Gehlsdorf: Bis September 2018 soll hier eine neue, zusätzliche Station entstehen.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl, Frank Söllner, Klinik

Gehlsdorf. In der Psychiatrie der Rostocker Uni-Klinik herrscht schon seit Wochen der Ausnahmezustand: Die Zwei-Bett-Zimmer auf den Akutstationen sind regelmäßig überbelegt. Dass Patienten sogar (in Betten) auf den Fluren die Nacht verbringen müssen, ist längst kein Einzelfall mehr. „Aktuell gelingt uns noch eine humane Versorgung“, sagt Klinik-Direktor Prof.

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Immer mehr psychische Erkrankungen in Rostock / Klinik in Gehlsdorf überfüllt

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126

Betten hat die Klinik

für Psychiatrie der

Uni-Medizin laut

Krankenhausplan des

Landes. Im Schnitt

werden auf den

Stationen aber

146 Patienten

untergebracht.

Dr. Johannes Thome. Die Lage in der Psychiatrie sei aber grenzwertig. Nun haben sich auch Rostocks Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) und der Gesundheitsausschuss der Bürgerschaft eingeschaltet:

Sie fordern unisono eine Erweiterung der Kapazitäten in Gehlsdorf.

Ausschuss: „Humane Versorgung wiederherstellen“

Seit Monaten gibt es in der Klinik bereits besagte „Kapazitätsengpässe“. Publik wurden die Probleme aber erst jetzt – nach einer Kontrolle der so genannten Besuchskommission. Dem Gremium gehören Ärzte, Vertreter des Gesundheitsministeriums, Bürger und Fachleuten der Hansestadt Rostock an. „Wir haben von der Kommission, aber auch aus Kontakten mit Bürgern und durch die Arbeit des Gesundheitsamtes erfahren müssen, dass der Bedarf an klinisch psychiatrischer Behandlung in Rostock derzeit nicht ausreichend gedeckt werden kann“, sagt Senator Bockhahn. Die Folge seien nicht nur Überbelegungen, sondern auch lange Wartezeiten für klinische Therapien. Torsten Sohn (Grüne), stellvertretender Vorsitzender des Rostocker Gesundheitsausschusses, formuliert es in einem Antrag für die Bürgerschaft drastisch. Er fordert darin die „Wiederherstellung einer humanen Versorgung“ in der Gehlsdorfer Uni-Klinik.

Zahl der Suizid-gefährdeten Patienten steigt

Klinik-Chef Thome räumt die Probleme unumwunden ein: „Seit Anfang des Jahres haben wir einen sehr stark gestiegenen Patientenzuspruch.“ Dabei handele es sich in erster Linie um Patienten mit akuten und besonders schwerwiegenden Symptomen, die sofort stationär aufgenommen werden müssen. „Hierzu zählen Patienten mit hohem Suizid-Risiko oder hohem Aggressionspotenzial.“ Auslöser dafür könnten Depressionen, Manien oder auch schizophrene Psychosen sein. Aber auch Alkohol kann solche Störungen auslösen. Wieso die Zahl der Hilfsbedürftigen ausgerechnet seit Jahresbeginn so stark steigt – dafür gäbe es eine Reihe von Erklärungen. Thome: „Psychische Erkrankungen nehmen generell zu. Zusätzlich wächst die Bevölkerung in und um Rostock.“ Und dann wäre da noch der demografische Wandel: Die Menschen werden immer älter – „und im höheren Lebensalter kommen auch psychische Störungen häufiger vor“, sagt der Direktor der Psychiatrie.

Die Zahlen sind deutlich: Laut Krankenhausplan des Landes hat die Klinik 126 Betten. „Tatsächlich sind es derzeit ab 146 Betten“, sagt Gunnar Bauer, Sprecher des Gesundheitsministeriums in Schwerin.

Klinik-Chef Thome spricht von einer Auslastung von 110 Prozent und dass alle Betten „stets komplett belegt“ seien. „Selbst bei Vollbelegung dürfen wir keinen Patienten aus unserem Einzugsbereich – Rostock und Umgebung – abweisen.“ Ja, dann würden zusätzliche Betten in den Zimmern aufgestellt. Und ja: Dann würden auch Patienten auf den Fluren nächtigen müssen. „Dabei geht es aber primär darum, dass das Pflegepersonal Sichtkontakt zu den betroffenen Patienten haben muss.“

Land will zusätzliche Betten genehmigen

Aus Sicht des Landes ist klar, wer die Schuld an den Engpässen trägt: „Einer der Gründe für Engpässe dürfte sein, dass die Uni-Klinik seit Ende der 1990er Jahre und entgegen des Landestrends keinen Antrag auf Kapazitätserhöhung im stationären Bereich gestellt hat“, sagt Ministeriumssprecher Bauer. Wenn die Uni-Klinik aufgestockt hat, dann stets nur im so genannten teilstationären Bereich. „Wir halten eine Kapazitätserweiterung auf den Stationen aber für notwendig.“ Gespräche darüber finden zwischen Uni-Medizin, Land und Stadt aber erst jetzt statt. Kurzfristig hat die Klinik die geschützte Station P 2 um sechs Betten erweitert. Das ist aber nur der erste Schritt: In Gehlsdorf seien Räume für eine zusätzliche Station vorhanden, sagt Prof. Dr. Thome: „Allerdings müssen die teilweise umgebaut und renoviert werden.“ So könnte eine komplett neue Station mit 20 weiteren Betten geschaffen werden. Allerdings wäre die erst im September 2018 betriebsbereit. Und ein Fragezeichen gibt es auch noch: „Die entsprechende personelle Ausstattung muss auch bei angespannter Personalsituation sichergestellt sein.“ Gelingt das, könnte die Klinik eine deutliche Entlastung innerhalb nur eines Jahres schaffen. Ein Neubau sei vorerst nicht nötig, sagt Thome.

Andreas Meyer

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