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Äpfel und Birnen für alle: Grünamt soll mehr Obst anbauen

Stadtmitte Äpfel und Birnen für alle: Grünamt soll mehr Obst anbauen

Die Grünen in der Bürgerschaft wollen Rostock zur „essbaren Stadt“ machen: In Parks und Grünanlagen sollen statt Zierpflanzen Gemüse, Obst und Beeren gepflanzt werden

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Elisabeth Möser (28) mag’s gern frisch und fordert, dass in Rostocks Grünanlagen mehr Obst gepflanzt wird. Fotos (2): Ove Arscholl

Stadtmitte. Elisabeth Möser mag Obst. Äpfel, Birnen, Kirschen und vor allem Brombeeren. „Die naschen mein kleiner Sohn und ich am liebsten direkt vom Busch.“ Nur:

OZ-Bild

Die Grünen in der Bürgerschaft wollen Rostock zur „essbaren Stadt“ machen: In Parks und Grünanlagen sollen statt Zierpflanzen Gemüse, Obst und Beeren gepflanzt werden

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Grüne Hansestadt

710 Hektar des Rostocker Stadtgebiets sind öffentliche Grün-

anlagen. Das entspricht der Fläche

von mehr als 1000 Fußballfeldern.

190000 Quadratmeter nehmen die Spielplätze der Hansestadt ein.

27000 Bäume gibt es allein entlang

der Rostocker Straßen.

• Online: Das Projekt „Essbare Stadt“ in Leipzig unter www.frucht-bar.org

In Rostock gibt es zu wenig Brombeerbüsche. Obst hat in der Stadt generell Seltenheitswert. Die junge Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen fordert, dass Rostocks Grünamt künftig nicht mehr nur Zier-, sondern auch Nutzgehölze pflanzen soll – Obstbäume, Beeren, Kräuter und Gemüse. „Essbare Stadt“ heißt die Idee, die anderenorts längst ein Erfolg ist: Vorbild für Rostock könnte zum Beispiel Leipzig sein.

„Ich habe nichts gegen Zierpflanzen. Die sehen schön aus“, sagt Möser. Aber leider sei es das auch schon: „Die sind halt wirklich nur schön.“ Obstbäume hingegen würden für die Rostocker einen „Mehrwert“ bieten: „Wäre es nicht eine schöne Sache, wenn wir den Kindern frisches Obst in einem Park pflücken könnten?“ Möser weiter: „Wir könnten die städtischen Grünanlagen zu Obst- und Gemüsegärten für alle Bürger machen.“ Das wäre ökologisch und pädagogisch ein Gewinn für die Stadt. Als mögliche Pflanzorte für das Obst hat Möser den Iga- Park, den Park am Fischerdorf und den an der Mühle aber auch den Kringelgrabenpark im Visier. „Und wir könnten die Bürger sogar noch stärker einbeziehen: Indem sie Patenschaften für Bäume übernehmen.“

In Leipzig ist das längst Realität: „Wir arbeiten mit Vereinen und Initiativen seit Jahren an der ,essbaren Stadt’“, erzählt Jens Dietrich, Abteilungsleiter Grünanlagen in der Messestadt. „Und ja:

Es macht Sinn, in Parks und Grünanlagen Obstbäume zu pflanzen. Und das sollten alle Städte auch verstärkt tun“, das Mitglied der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz. Nur eines gibt der Leipziger dann doch zu bedenken: „Das Konzept funktioniert nur, wenn sich Vereine, Schulen oder Kitas auch um die Pflanzen kümmern, das Obst sammeln.“ Es einfach auf dem Boden vergammeln zu lassen, dafür sei es zu schade. In Leipzig funktioniert das Ehrenamt rund um das Obst bestens: „Wir haben im Internet sogar eine Seite eingerichtet, auf der Bürger nachschauen können, wo sie Obst kostenlos pflücken können.“

Auch im Rostocker Grünamt kommt die Obst-Idee von Elisabeth Möser gut an: „Das Gärtnern auf öffentlichen Flächen liegt weltweit im Trend. Nur in Rostock ist das bisher noch kein allzu großes Thema“, sagt Amtsleiterin Ute Fischer-Gäde. „Dabei interessieren sich Schulen und Kitas sehr fürs Gärtnern, für Umweltbildung.“ Fischer-Gäde würde die Idee aus der Bürgerschaft gern umsetzen: „In den Parks und auf Wiesen ist das gar kein Problem.“ Die Grünamtschefin glaubt, dass das bei den Menschen gut ankommen würde: „Wir können Kinder und jungen Menschen nicht nur die Natur, sondern auch das Thema gesunde Ernährung näherbringen. Und wir bieten den Rostockern ländliches Flair in der Stadt.“ Auch die Idee von offenen Gärten – mit Kräuter- und Gemüsebeeten – gefällt Fischer-Gäde.

„Das geht jedoch nur, wenn sich für die Pflege der Beete engagierte Bürger finden.“ Das Amt habe nicht die Kapazitäten, „zwischen Kohlrabis Unkraut zu jäten“.

Eine Einschränkung gibt es aber für das Pflanzen von Obstbäumen: An Straßen und Wegen sind Äpfel, Birnen und Co. tabu. „Autos, Motorräder oder auch Radler könnten auf heruntergefallenem Obst ins Rutschen kommen und verunglücken“, sagt der Leipziger Fachmann Jens Dietrich. Und außerdem: „Viele Obstbäume sind gar nicht dafür geeignet, an Straßen gepflanzt zu werden. Kirschen etwa vertragen das Streusalz aus dem Winter nicht. Und die Abgase sind für das Obst auch nicht gut.“ Rostocks Ordnungssenator Chris Müller (SPD) sagt: „Die Idee, in Rostock mehr heimische Obstbäume zu pflanzen, finde ich total charmant. Aber wir müssen vermeiden, dass Äpfel und Birnen auf fahrende Autos fallen.“

Andreas Meyer

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