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Das Geld liegt bereit: Rostock will die „Jantzen“ retten

Stadthafen Das Geld liegt bereit: Rostock will die „Jantzen“ retten

Kauf des Eisbrechers wird konkreter / Schiff soll im Stadthafen bleiben

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Es ist schlimm, mit ansehen zu müssen, wie der Verfall der „Stephan Jantzen“ voranschreitet. Chris Müller (SPD) Vize-Oberbürgermeister

Stadthafen. Eine komplett zugefrorene Warnow – das hatte in den vergangenen Jahren Seltenheitswert. Und dennoch will sich die Hansestadt nun einen eigenen Eisbrecher zulegen: Die Pläne für einen Kauf der „Stephan Jantzen“ werden immer konkreter. Rostock will das Traditionsschiff vor einer ungewissen Zukunft oder – schlimmer noch – dem Abwracken retten. Im Sommer soll die „Jantzen“ zwangsversteigert werden. Das Hafenamt hat dafür bereits Geld zurückgelegt.

Eigner wechselte ständig

Seit das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund die „Stephan Jantzen“ im Jahr 2005 außer Dienst stellte und verkaufte, reißen die negativen Schlagzeilen um das Schiff nicht ab: Alle paar Jahre wechselte der Eigner, immer neue Konzepte für den 1967 in St. Petersburg gebauten Eisbrecher zerschlugen sich. Zuletzt war die Frage, wem die „Jantzen“ gehöre, sogar ein Fall für die Gerichte. Heute – 50 Jahre nach ihrem Bau – liegt sie noch immer im Stadthafen. Gerichtsvollzieher haben das Schiff der Nikitich-Klasse vergangenes Jahr beschlagnahmt. „Es ist schlimm, mit ansehen zu müssen, wie der Verfall der ,Stephan Jantzen‘ aufgrund der ungeklärten Eigentümerstellung voranschreitet – und wie dadurch dem Steuerzahler jeden Tag Kosten entstehen“, sagt Vize-Oberbürgermeister Chris Müller (SPD). Denn seit mehr als einem Jahr trägt die Hansestadt die Kosten für die Sicherung. Weil unklar ist, wer der Stadt das Geld erstattet und ob sie es überhaupt jemals zurückbekommt, hat sie die Zwangsversteigerung beantragt.

Im Sommer soll das Schiff nun unter den Hammer kommen – und die Hansestadt ist mit dabei: „Eine Zwangsversteigerung böte uns die Chance, Schaden vom Steuerzahler abzuwenden und gleichzeitig die volle Verfügungsgewalt über den Eisbrecher zu erlangen. Wir sollten nicht zulassen, dass ein weiteres Schiff die Hansestadt verlässt und damit das zu erhaltende maritime Erbe immer kleiner wird“, sagt Müller. Wie viel Geld für die Auktion bereit steht, wie viel Rostock also maximal bieten kann – der Finanzsenator schweigt dazu. Aus gutem Grund: „Es wäre nicht besonders klug, wenn ein Bieter sein mögliches Maximalgebot vor der Versteigerung öffentlich macht.“ Soll heißen: Die Stadt will sich nicht die Karten schauen lassen.

Vereine übernehmen Betrieb?

Schon jetzt hat das Rathaus aber klare Vorstellungen für die Zukunft des Eisbrechers: Ehrenamtler sollen das Schiff in Schuss halten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen. „Es gibt in Rostock verschiedene Partner, die fachlich und organisatorisch in der Lage wären, das Schiff zu betreiben – und das haben sie in der Vergangenheit auch schon bewiesen“, so Müller. „Geld wird mit dem Eisbrecher nicht zu verdienen sein. Deshalb benötigt der Betrieb viel Herzblut für das maritime Erbe und ein ganzes Stück ehrenamtliches Engagement.“ Ein fertiges Nutzungskonzept gäbe es nicht, aber: „Ziel muss es sein, Besichtigungen des Schiffes, Veranstaltungen und maritimes Vereinsleben an Bord zu ermöglichen“, sagt der Senator.

Wenn möglich soll der Betreiber die jährlichen Kosten von rund 3500 Euro für Strom, Wasser und Liegegebühren selbst erwirtschaften. Eine Vorgabe macht das Rathaus aber bereits jetzt: Die knapp 68 Meter lange und 2150 PS starke „Stephan Jantzen“ soll in jedem Fall im Stadthafen liegen bleiben. „Ohne Schiffe ist am Ende jede Hafenkante ein trostloser Ort“, sagt Müller.

Eine große, finanzielle Unbekannte gibt es bei dem Kauf des Schiffes aber noch: Das Rathaus rechnet fest damit, dass die „Jantzen“ in einigen Jahren in die Werft muss – zur Überholung und für Reparaturen. Diese Kosten seien derzeit überhaupt noch nicht abschätzbar, heißt es zu diesem Thema aus der Stadtverwaltung.

Andreas Meyer

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