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Die geheimen Biestow-Pläne der Stadt

Biestow Die geheimen Biestow-Pläne der Stadt

Neuer Stadtteil für 13000 Einwohner soll in drei Schritten erschlossen werden / Hunderte Kleingärten sollen weg

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Biestow. Es soll das mit Abstand größte Wohnungsbau-Vorhaben der Hansestadt seit der Wende werden: Im Süden Rostocks, rund um Biestow, plant das Rathaus den Bau eines komplett neuen Stadtteils mit bis zu 13000 Einwohnern. Nach und nach werden nun auch immer mehr Details zum Mammut- Projekt bekannt. Der OZ liegen exklusiv die ersten Pläne und konkreten Zahlen für das neue Baugebiet vor. Insgesamt will das Rathaus mehr als zwei Millionen Quadratmeter Land bebauen lassen. Und eines ist schon jetzt klar: Dem Wohnungsbau sollen Hunderte Kleingärten in der Südstadt und am Damerower Weg weichen.

 

OZ-Bild

Wir sind sehr enttäuscht, dass das Rathaus den gemeinsamen Weg verlässt.“Klaus-Peter Müller, „Leben in Biestow“

Quelle:

Zahlen aus dem Amt für Stadtentwicklung

6723 Wohnungen sollen im neuen Stadtteil rund um Biestow entstehen. Der Bau ist in drei Phasen geplant.

1231 Grundstücke für Einfamilienhäuser sind in den Planungen der Stadt vorgesehen. Jedes Grundstück hätte mehr als 600 Quadratmeter.

Die Entwürfe des Amtes für Stadtplanung für „Groß-Biestow“ sind gerade mal vier Wochen alt und tragen den Vermerk „vertraulich“. Auffällig auf den ersten Blick: Der neue Stadtteil soll aus drei Teilen bestehen – einem riesigen Baugebiet im Bereich Satower Straße/Am Kringelhof, einem zweiten zwischen der Nobelstraße und dem heutigen Biestow sowie dem dritten im Bereich der Kleingartenanlagen „Dahlie“, „Heidberg“, „Beim Schuster“ und „Goldwiese“. Die Planer lassen im Süden der Stadt lediglich zwei Bereiche aus: Die Sportanlagen am Damerower Weg und den Neuen Friedhof sowie eine Schneise mittig im neuen Stadtteil. Dieser Korridor ist offenbar ein Zugeständnis an Natur- und Umweltschützer. Die hatten bereits nach Bekanntwerden der Planungen kritisiert, dass sich die Hansestadt nicht ihre wichtigste Frischluftschneise verbauen dürfe. Aus dem Bereich südlich von Biestow strömt kühle, frische Luft in die Stadtmitte. Das soll so bleiben.

In den Plänen sind auch die Verkehrsadern des neuen Stadtteils schon zu sehen: Von der Satower Straße bis zur Nobelstraße plant die Stadt eine Südtangente quer durch den neuen Stadtteil. Entlang dieser Hauptachse soll auch eine Straßenbahnlinie entstehen. In Nord-Süd-Richtung soll eine Straße von der Kreuzung Südring/Albert-Einstein-Straße gebaut werden.

Die Stadt will, auch das lässt sich aus den vorliegenden Dokumenten ablesen, das ganze Vorhaben in drei Schritten entwickeln: Zunächst sollen zwischen Nobelstraße und Biestow sowie am Kringelhof die Bagger rollen. Dort sind fünf Bereiche: Einer für Mehrfamilienhäuser, einer für große Wohnblöcke oder Hochhäuser und zwei Gebiete für zusammen rund 750 Einfamilienhäuser. Die Grundstücke für Häuslebauer sollen im Schnitt etwas größer sein als 600 Quadratmeter. Ingesamt soll im ersten Schritt Platz für 4805 neue Rostocker geschaffen werden. Dieser Bereich könnte auch vergleichsweise schnell erschlossen werden: Im aktuellen Flächennutzungsplan der Stadt sind die bereits für Bauland reserviert.

Nicht ganz so schnell dürfte es mit dem weiteren Bau des Stadtteils gehen. In den Ausbauphasen zwei und drei sollen 4300 weitere Wohnungen und knapp 8000 Einwohner folgen. Aus der Stadtverwaltung heißt es, es werde mindestens zehn Jahre dauern, bis alle geplanten Flächen erschlossen sind. Denn diese Areale sind bisher im Flächennutzungsplan als Grün- und Gartenanlagen oder als Ackerland vermerkt. Wird das geändert, wären die Kleingärtner der Hansestadt besonders betroffen: Die Vereine „Bei den Akazien“, „Rostocker Greif“, „Damerow“ und „Satower Straße“ würden laut den Überlegungen des Amtes für Stadtplanung komplett weichen müssen. Von den Vereinen im Bereich der Südstadt-Klinik wären nur noch einzelne Parzellen übrig. Dort plant Rostock „hoch verdichtete“ Bebauung für 2600 Einwohner.

Unterdessen wächst in den betroffenen Ortsteilen der Widerstand gegen das Mammut-Projekt: Nach der Umweltschutzorganisation BUND hat nun auch der Verein „Leben in Biestow“ scharfe Kritik an dem Wohnungsbauprojekt geäußert. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) und die Fraktionen der Bürgerschaft kritisieren die Bürger vor allem die Informationspolitik des Rathauses. Denn die Pläne waren erst durch die OZ bekannt gemacht worden. Aus Sicht von Klaus-Peter Müller, dem Vorsitzenden des Vereins, ein Affront. Schließlich hätten sich die Ortsbeiräte und Bürgerinitiativen aus dem Bereich erst im März mit der Stadt verständigt, „eine mögliche Entwicklung Biestows gemeinsam zu gestalten“. Das Rathaus habe damals, so Müller, zugesagt, den Verein schon in der Ideenphase einzubeziehen. „Wir sind sehr enttäuscht, dass sich die Stadtverwaltung nun diesem gemeinsamen Weg verschließt und auf Konfrontation mit den eigenen Bürgern setzt“, so Müller.

Stadtsprecher Ulrich Kunze versicherte gestern erneut, dass die Planungen für Biestow noch nicht in Stein gemeißelt seien. „Das ist ein Vorschlag, über den wir mit den Menschen reden wollen.“

Offiziell will die Stadt die Pläne erst am 7. November bei einer Einwohnerversammlung vorstellen.

Andreas Meyer

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