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Die große Liebe zur kleinen Stadt hält für alle Zeit

TESSIN Die große Liebe zur kleinen Stadt hält für alle Zeit

Seit ein paar Tagen ist Fred Ibold Bürgermeister im Ruhestand / Sein Abschied wurde im großen Rahmen gefeiert / Nun schmiedet der 64-Jährige Pläne für sein Privatleben

Tessin. Noch fühlt es sich wie Urlaub an. „Schließlich sind es erst ein paar Tage, die ich nun im Ruhestand bin“, sagt Fred Ibold, der Ende Juni aus dem Bürgermeisteramt in der Stadt Tessin ausgeschieden ist und jetzt in seinem Garten sitzt. „Man muss sich daran gewöhnen“, sagt er. „Aber man muss sich auch innerlich auf den Ruhestand vorbereiten.“

 

OZ-Bild

Einen großen Teil seiner Freizeit wird Fred Ibold mit seiner Frau Dietlinde bei der Gartenarbeit verbringen.

Quelle: Michael Schißler

Über ein Vierteljahr-

hundert: Ich habe nie im Leben daran geglaubt, dass ich für eine so lange Zeit der Bürgermeister der Stadt Tessin bleiben werde.“

Fred Ibold,

Bürgermeister a. D.

Wenig vorbereitet war Ibold offenbar auf seine große Verabschiedungsfeier. 240 Gäste waren gekommen. „Sie alle haben mich würdig verabschiedet“, sagt er, und man merkt ihm an, dass er von der Zeremonie mehr als nur gerührt war.

Wunder nimmt es nicht, denn es waren viele alte Weggefährten darunter, die ihn während seiner 26 Jahre als Bürgermeister begleitet haben. „Mit denen ich in einer spannenden Zeit gute Kontakte gepflegt habe.“ Die Erinnerungen werden sich noch verdichten, denn die Glückwunschpost „habe ich noch nicht ganz gelesen. Das mache ich dann in Ruhe“, sagt Fred Ibold.

Ruhe wird ihm guttun, denn in der Wende waren es „wilde und auch gefährliche Zeiten für einen Bürgermeister“, sagt der Tessiner. „Viele Bürgermeister haben da Dinge entschieden, die ihnen hinterher auf die Füße gefallen sind. Da war ich immer vorsichtig.“ Das musste er auch wohl sein bei den vielen Großprojekten, wie der Stadterneuerung und dem Aufbau des Freizeitparks Alte Zuckerfabrik.

„Damals“, sagt Ibold, „haben wir als Stadtverwaltung 100 Menschen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beschäftigt.“ Dabei war seine Mannschaft nicht groß, „vielleicht 15, 16 Mann“, sagt er, „heute sind es insgesamt 80“. „Ich bin ich froh, dass nie ein Unfall passiert ist in all den Jahren“, für den er als Bürgermeister verantwortlich gewesen wäre, „denn hinter dem Bürgermeisterstuhl steht keiner mehr“.

Da klingt sie durch, die Erleichterung. Gut, dass immer alle an Bord waren, „mit meinen Verwaltungsleuten konnte wir viel auf den Weg bringen“, sagt Ibold. „Ebenso mit den Stadtvertretern“, politische Richtungen hätten dabei keine Rolle gespielt, „denn wir haben versucht, das Praktische umzusetzen, damit der Bürger etwas davon hat“. Es sei reizvoll gewesen, aus einer im Kern ruinösen Stadt etwas zu machen. „Ich konnte viele meiner eigenen Ideen mit der Verwaltung und den Stadtvertretern umsetzen“, sagt Fred Ibold, der in seine Stadt „verliebt ist“ und bei deren Aufbau er einiges an Tempo vorgelegt hat.

„1993/94 als wir die Regionalschule sanieren wollten, haben wir innerhalb von zwei Tagen vom Landkreis ein Gutachten über die Schäden bekommen und eine Woche später den Fördermittelbescheid vom Land“, erinnert er sich. „So geht das heute nicht mehr“, sagt Ibold. Heute gebe es mehr Bürokratie. „Manchmal habe ich auch einige Bauchschmerzen gehabt“, sagt Ibold, „wie beim Bau des Naturfreibades, zumal als es damals beim Bau zu dem großen Wassereinbruch kam“. „Muss das noch sein?“, habe er sich gefragt. Ja, musste sein – denn die beiden Angebote in den Jahren 1994 und 2003, Bürgermeister in größeren Städten zu werden, „habe ich abgelehnt“. Er war zu sehr verliebt in Tessin.

An einem Punkt reicht ihm das Erinnern, nun will er doch los, Grünschnitt zur Kompostanlage nach Horst bringen. Die beiden Gärten der Familie werden für seine Frau Dietlinde und für ihn in den Vordergrund treten. „Wir habe beide Freude dran“, sagt Fred Ibold. Außerdem will er das Haus neu streichen. Arbeiten, die während seiner Bürgermeisterzeit liegengeblieben sind. „Meine Frau hat viel hier gemacht“, sagt er, und er ist ihr dankbar dafür. „Sie freut sich, dass ich nicht mehr an den Wochenenden und Abenden unterwegs bin“, sagt er. Ein paar Ämter behält Fred Ibold noch, er bleibt Fraktionschef der CDU im Kreistag und Aufsichtsratsvorsitzender der Tessiner Wohnungsbaugesellschaft. Und Pläne gibt es auch noch. „Ich überlege, ob ich den Jagdschein machen soll“, sagt er, dabei aber weiß er jetzt schon, dass er mit einem befreundeten Jäger im Winter einen Hochsitz bauen will – der Luxusklasse, mit Heizung.

Michael Schißler

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