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Geld fehlt: Jede zweite Brücke bröckelt

GÜSTROW Geld fehlt: Jede zweite Brücke bröckelt

Die Überwege im Landkreis Rostock sind marode. Drei sind bereits für Lastwagen gesperrt.

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Die marode Brücke in Stülow. Sie muss ebenso wie die Brückenbauwerke in Parum und Ahrenshagen dringend saniert werden. Hier droht bereits die Sperrung.

Quelle: Andreas Meyer

Güstrow. Verkehrsexperten schlagen Alarm: Jede zweite der 38 Brücken über Flüsse und Bahntrassen im Landkreis Rostock sei in schlechtem Zustand, teilt das Straßenbauamt des Landkreises mit. Auf einer Bewertungsskala von 1 bis 4 hätten 18 Brücken nur die Noten 2,5 bis 4 erhalten, erklärt Straßenbauamtsleiter Burkhard Krause (60).

Note 4 bedeutet, dass der Zustand ungenügend ist. Die Verkehrssicherheit ist erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben. Immerhin fallen drei Brücken darunter. Dazu gehören die Bauwerke zwischen Stülow und Doberan, bei Ahrenshagen nahe Krakow am See und Parum (bei Güstrow). Schwere Lastwagen dürfen hier nicht entlang, müssen sich eine Ausweichstrecke suchen.

Zwischen Stülow und Bad Doberan gibt es nur einen Verbindungsweg, die Kreisstraße 6. Hier quert eine Eisenbahnbrücke. Aufgrund des schlechten Zustandes ist sie seit einigen Jahren nur noch einseitig befahrbar. Müsste die Brücke gesperrt werden, wäre das Dorf von Bad Doberan abgeschnitten. Doberans Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) sieht dringend Handlungsbedarf: „Hier muss sich etwas tun. Die Brücke muss saniert werden.“ Er wandte sich bereits an das Landratsamt in Güstrow. Geht es nach der Dringlichkeit, steht die Stülower Brücke ganz oben auf der Prioritätenliste von Burkhard Krause. „Unser Ziel ist es, spätestens 2015 oder 2016 das Projekt in Angriff zu nehmen. Allerdings spielen die finanziellen Möglichkeiten des Landkreises dabei eine erhebliche Rolle“, sagt der Straßenbauamtsleiter. Zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro würde die Sanierung kosten. Mit den Arbeiten in Ahrenshagen und Parum, die in ähnlichem Umfang nötig sind, wäre ein Betrag bis 4,5 Millionen Euro fällig. Erst kürzlich stellte Krause Ausschussmitgliedern des Kreises die komplette Summe vor, die für die Sanierungen der Kreisstraßen und Brücken benötigt wird. 172 Millionen Euro würde alles kosten. Geld, das der Landkreis nicht besitzt.

Mit Note 3 wurden ebenfalls drei Brücken bewertet. Hier sei die Tragfähigkeit gegeben, der Zustand aber kritisch, erklärt Siegrid Bayer vom Straßenbauamt des Kreises. Maßnahmen wie Geschwindigkeits- oder Tonnagebegrenzungen sind hier bald erforderlich. Zwölf Überwege (32 Prozent) sind in ausreichendem Zustand, lediglich sieben wurden mit dem Prädikat „Gut“ oder „Sehr gut“ bewertet.

„Brücken sind wichtiger als Straßen. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, sie zu hegen und zu pflegen“, verdeutlicht Bayer die Situation. Würden die Verbindungen über Gewässer oder Bahntrassen durch Sperrungen wegfallen, müssten die Autofahrer Umwege in Kauf nehmen. „Und dadurch werden die ohnehin schon ramponierten Straßen weiter beschädigt.“ Deshalb steuern Mitarbeiter der Straßenmeistereien fast jeden Tag die Bauwerke an und reinigen, überprüfen oder reparieren sie.

Auch die Kreistagsmitglieder beschäftigen sich mit dem Zustand der Straßen und Brücken. Erst kürzlich wurde das Thema im Verkehr- und Bauausschuss aufgegriffen. Für Landratskandidat Sebastian Constien (SPD) steht zu wenig Geld zur Verfügung: „Die Situation ist daher bei einem aktuellen Finanzbedarf von 16,8 Millionen Euro zur Sanierung von Brücken als äußerst kritisch zu betrachten. Der Verschleiß der Straßen und Brücken schreitet schneller voran als die Sanierung möglich ist.“ Die Finanzierung der kommunalen Ebene für diesen Bereich ist aus seiner Sicht nicht ausreichend.

CDU-Landratskandidatin Katy Hoffmeister sieht Handlungsbedarf. „Nicht nur die Brücken im Landkreis, sondern viele Kreisstraßen befinden sich in einem schlechten Zustand. Diejenigen, die täglich auf das Auto angewiesen sind, können das bestätigen. Sie leiden besonders unter diesem Ärgernis“, so die 40-Jährige. Sie fordert, künftig Prioritäten in den Haushalten zu setzen: „Neben den Themen bürgernahe dienstleistende Verwaltung und Bildung gehört die Infrastruktur eindeutig zu den wichtigsten Aufgaben.“

Älteste Brücke von 1890

38 Brücken gibt es im Landkreis Rostock. 26 davon im Altkreis Güstrow, die restlichen 12 im Altkreis Bad Doberan.

31 Brücken kreuzen Gewässer, sieben Bahngleise.1890 wurde die älteste Brücke in Gnemern erbaut. Das jüngste Brückenbauwerk wurde 2008 in Liesow fertiggestellt.

 

Mathias Otto

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