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Integrationspreis: Bund ehrt Ökohaus

Stadtmitte Integrationspreis: Bund ehrt Ökohaus

Mitgründer Steffen Vogt nahm gestern die Auszeichnung der Bundesregierung in Berlin entgegen

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Steffen Vogt (r.) wurde gestern mit der Integrationsmedaille geehrt. Vergangenes Jahr erklärte er Ibrahim Adel aus Syrien (v.r.), Al Daeah Nabelah und deren Tochter Nour, dass ihre Unterkünfte saniert werden. FOTO: OVE ARSCHOLL

Stadtmitte. Steffen Vogt kann es selbst kaum fassen, was sich alles seit der Gründung des Ökohaus- Vereins getan hat. Seit fast 27 Jahren setzen sich die Mitglieder für Bildung, Erziehung und Integration ein. Gestern wurde der Mitbegründer mit der Integrationsmedaille des Bundes ausgezeichnet. „Wir freuen uns über eine Anerkennung unserer jahrelangen Bemühungen“, sagt Vogt.

Jedes Jahr ehrt die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Menschen, die sich durch ihr Engagement in der Integrationsarbeit besonders hervorheben. „Ich habe auch 2016 die Abgeordneten des Deutschen Bundestages gebeten, mir Personen aus ihren Wahlkreisen vorzuschlagen, die sich vorbildlich für mehr Zusammenhalt in der Einwanderungsgesellschaft einsetzen“, erklärt die Beauftragte, Staatsministerin Aydan Özoguz. Sie freue sich, dass die Preisträger sich in ganz unterschiedlichen Bereichen dafür einsetzen, dass Einwanderer, Flüchtlinge, aber auch Einheimische, deren Eltern oder Großeltern ins Land kamen, am Alltagsleben teilhaben können. „Sie sind Vertrauensperson, Berater und auch Vorbild für viele jüngere Menschen“, so Özoguz. Die Ausgezeichneten würden für die vielen hunderttausend Menschen stehen, die sich deutschlandweit für ein gutes Zusammenleben engagieren.

Steffen Vogt nimmt die Auszeichnung stellvertretend für die Arbeit des Vereins entgegen. „Der Verdienst des Ökohauses ist keine Einzelleistung“, betont er. Der Verein an sich habe rund 80 Mitglieder.

Im Arbeitsbereich würden immerhin etwa 20 Angestellte arbeiten.

Das Ökohaus wurde 1990 als gemeinnütziger Verein gegründet. Rund zwei Jahre später habe man sich dann für Flüchtlinge und Integration eingesetzt. „Da haben wir gesehen, dass erste Asylbewerber auch in den Osten und nach Rostock unterwegs waren“, sagt Vogt. Das sei ein „Hoppla“-Moment gewesen, der zu einem Umdenken geführt habe. „Wir haben bemerkt, dass wir hier überhaupt keine Infrastruktur für diese Menschen haben.“ Daher wollte man zunächst einen Treffpunkt schaffen, an dem die Geflüchteten mit anderen ins Gespräch kommen können. „Daraus haben wir ein kleines Beratungsangebot entwickelt, das wir intensiviert haben“, erinnert sich der 51-Jährige. 1997 wurde dann die erste Gemeinschaftsunterkunft gebaut. Nachdem zeitweise vier Unterkünfte vom Ökohaus betrieben werden, sind es aktuell noch die Einrichtungen in der Satower und in der Bonhoeffer-Straße.

Gerade die Flüchtlingsbewegung der vergangenen Jahre habe das Ökohaus herausgefordert.„Es war eine anspruchsvolle Aufgabe, und in solchen Situationen ruckelt es manchmal“, erklärt Steffen Vogt.

Wieder mussten Infrastrukturen geschaffen und Diskussionen geführt werden. Doch der Einsatz lohne sich: „Es geht schließlich um die Entwicklung von Sozialräumen und Rahmenbedingungen, die wir brauchen, um gut miteinander leben zu können.“

Auch Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) freut sich für Vogt und das Ökohaus. „Ich kann nur sagen: Die Ehrung ist verdient.“ Das Ökohaus würde unter anderem in der Satower und Bonhoeffer-Straße eine sehr gute Arbeit machen. Darüber hinaus würden sie sich auch stark ehrenamtlich einsetzen. „Herr Vogt ist jemand, den man zur Tages- und Nachtzeit anrufen kann, wenn es um das Thema geht“, lobt Bockhahn. Es sei großartig, dass er diese Anerkennung erfahre. „Er zeigt eine gesunde Mischung aus dem unbedingten Willen zu helfen und der Überzeugung, dass man Geflüchtete nicht bevormunden darf.“

Auch in Zukunft bleibe die politische Arbeit des Ökohauses laut Vogt wichtig. „Wir wollen, dass sich die Situation nicht zurückentwickelt“, mahnt Vogt. In den 1990er Jahren sei die Debatte um Ausländer stark von Angst gesteuert worden. „Wir werden noch viele Gespräche führen, um Standards zur Integration zu entwickeln und zu erhalten.“

Die Preisträger

Neun Aktive von acht Projekten erhielten die Integrationsmedaille: der Rostocker Steffen Vogt , der Fußballtrainer für junge Flüchtlinge Xhavit Mustafa (46, Bayreuth), die Leiterin des Vereins Internationale Frauen Leipzig Dr. Anke Kästner (56, Leipzig), die Projektleiterin im Jugendmigrationsdienst Sukriye Dogan

(45, Berlin), Abdul Abbasi und Allaa Faham (22 und 19, Hamburg) betreiben den YouTube-Kanal und die Facebook-Seite German Lifestyle, die Vorsitzende der Föderation demokratischer Arbeitervereine Sefariye Eksi (58, Köln), der Leiter des Vereins Karame Mohamad Zaher

Johanna Hegermann

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