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Kitas: Eltern wollen Betreuung zu jeder Zeit

Rostock Kitas: Eltern wollen Betreuung zu jeder Zeit

Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) stellt Varianten für flexiblere Betreuung vor / Kritik von Trägern: Möglichkeiten zur Übernachtung will die Stadt weiterhin nicht bieten

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Eine Rund-um-die Uhr-Betreuung für ihre Kinder wünschen sich 3,5 Prozent der befragten Eltern in einer Studie der Uni Rostock.

Quelle: Ove Arscholl

Rostock. 40 Prozent der Eltern in Rostock wünschen sich längere Öffnungszeiten der Kindertagesstätten – aus beruflichen Gründen, so das Ergebnis einer Studie der Universität Rostock im Auftrag der Stadt. Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) hat nun Varianten vorgelegt, wie flexiblere Öffnungszeiten langfristig umgesetzt werden könnten. Zunächst sollen dafür die Bedarfe in den einzelnen Stadtbereichen analysiert werden und dann in die Planung einfließen.

 

OZ-Bild

Längere Öffnungs- zeiten wirken sich auf die Platzkosten aus, unab- hängig davon, ob die Eltern das Angebot nutzen.“Steffen Bockhahn (Linke), Sozialsenator

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Es fehlt eine Variante mit Angeboten zur Über- nachtung. Das ist gerade für Schichtarbeiter wichtig.“Wolfgang Richter, Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP)

Ein Knackpunkt: Bei längeren Öffnungszeiten steigen die Personalkosten – und damit die Platzkosten. Habe zum Beispiel eine Kita 60 Stunden pro Woche geöffnet und damit zehn Stunden mehr als im Regelangebot, so fielen 791,67 Euro Personalkosten pro Monat mehr an. In einer Einrichtung mit 100 Kindern führe dies zu einer Steigerung von 7,92 Euro je Platz pro Monat, rechnet der Senator vor.

Punktuell längere Öffnungszeiten

Nach Variante eins könnten die Kitas punktuell verlängerte Öffnungszeiten anbieten. Je nach Bedarf würde im jeweiligen Stadtbereich eine Kita ab 5.30 Uhr öffnen und eine andere erst 20.30 Uhr schließen. Laut Uni-Studie fordern 30 Prozent Öffnungszeiten bis 20 Uhr. In Rostock haben bisher zwei Einrichtungen ab 5.30 Uhr geöffnet und vier bis 20.30 Uhr. Diese Zahl würde sich auf rund 15 Kitas erhöhen.

Auch am Sonnabend länger geöffnet

Einige Kitas könnten Montag bis Sonnabend von 5.30 bis 20.30 Uhr öffnen. Die Öffnungszeit würde 90 Stunden betragen – statt 50 im Regelangebot. Der zusätzliche Personalbedarf verdoppelt sich auf zwei Stellen. „Geht man von der Studie aus und strebt eine flächendeckende Versorgung an, müssten in Rostock mindestens elf Einrichtungen (14 Prozent) am Samstag geöffnet sein“, so Bockhahn. Kinder aus anderen Kitas sollen die Einrichtungen ebenfalls besuchen können.

Von Montag bis Sonntag geöffnet

Bei Bedarf könnten einige Kitas Montag bis Sonntag von 5.30 bis 20.30 Uhr öffnen. Die Öffnungszeit würde 105 Stunden betragen. Der zusätzliche Personalbedarf belaufe sich auf rund 2,8 Stellen, heißt es. Nur ein Teil der am Sonnabend geöffneten Einrichtungen würde auch sonntags öffnen. „Der Teil der Eltern, welcher eine Betreuung nur am Samstag benötigt, ist größer als der Anteil, welcher eine Betreuung für das gesamte Wochenende benötigt“, so Bockhahn.

Kombination mit Kindertagespflege

Bei dieser Variante könnte ein Platz in einer Kita mit einem Platz bei einer Tagespflegeperson kombiniert werden. Die Gesamtbetreuungszeit von 50 Stunden in der Woche dürfte jedoch nicht überschritten werden, teilt Bockhahn mit. Besonders für Kinder im Krippenalter sei diese Form empfehlenswert. Die Tagespflegeperson würde das Kind von der Einrichtung abholen und im häuslichen Umfeld des Kindes oder in der Tagespflegestelle betreuen.

Kritik an Bockhahns Ideen kommt von der Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP): Es fehle eine Variante mit Angeboten zur Übernachtung. Dies sei gerade für Schichtarbeiter wichtig, sagt Projektleiter Wolfgang Richter. Auch kämen für die GGP niemals Öffnungszeiten bis 20.30 Uhr infrage. Abholzeiten zwischen 20 und 22 Uhr seien unangemessen, weil die Kinder zu dieser Zeit schon schliefen, betont Richter.

Das Institut für Lernen und Leben (ILL) hat in einigen Kitas bereits die Öffnungszeiten erweitert, um dem Mehrbedarf von Eltern zu begegnen, sagt ILL-Sprecherin Henrike Thaut. Die Kita „Gewächshaus“

habe zum Beispiel von 5.30 bis 20.30 Uhr geöffnet, hier gebe es einen Kooperationsvertrag mit der Uniklinik. „Darüber hinaus sind uns keine weitergehenden Bedarfe bekannt“, so Thaut.

Jeder Dritte wünscht Öffnungszeiten bis 20 Uhr

30 Prozent der Befragten einer Studie der Universität Rostock wünschen sich Kita-Öffnungszeiten bis 20 Uhr. Sechs Prozent sogar bis 21 oder 22 Uhr. 14 Prozent der Befragten sehen eine Betreuung an Wochenenden als notwendig an und sieben Prozent an Feiertagen. Aus Sicht von neun Prozent müssten Kitas auch schon ab 5 Uhr öffnen.

320 Plätze für Übernachtungen müsste es in Rostocks Kitas laut Studie insgesamt geben. Denn 3,5 Prozent der Befragten wünschen sich eine Betreuung über Nacht.

Insgesamt sind 1087 Eltern befragt worden, von denen 88 Prozent erwerbstätig sind und 40 Prozent im Schichtsystem arbeiten.

André Wornowski

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