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Macht Schwerin das Schülerticket billiger?

Stadtmitte Macht Schwerin das Schülerticket billiger?

Seit drei Jahren streiten Stadt und Land über Zuschüsse für die Schülerbeförderung / Nun ist eine Einigung in Sicht / Eltern wollen mit Landesmitteln die Monatskarten bezuschussen / Preis könnte um sieben Euro sinken

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Die Rostocker Schüler Luke (18, v. l.), Hannes (19) und Celina-Sophie (17) freuen sich, dass es das Schülerticket gibt.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Tausende Rostocker Schüler werden von der Landesregierung benachteiligt. Und das seit Jahren, zumindest finanziell: Denn während Kinder, die auf dem Land wohnen und mit dem Bus zur Schule müssen, die Tickets vom Land bezahlt bekommen, erhalten Rostocks Eltern aus Schwerin nicht einen Cent. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) will das ändern — aber seinem Ministerium und der Stadtverwaltung gelingt es seit fast drei Jahren nicht, eine Einigung zu erzielen. Leidtragende sind die Eltern: Denn wenn Rostock und Schwerin endlich eine Lösung finden würden, könnte das Schülerticket sieben Euro billiger werden — pro Monat.

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Seit drei Jahren streiten Stadt und Land über Zuschüsse für die Schülerbeförderung / Nun ist eine Einigung in Sicht / Eltern wollen mit Landesmitteln die Monatskarten bezuschussen / Preis könnte um sieben Euro sinken

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Jeder vierte Schüler hat die Monatskarte

3764 Schülern steht nach Berechnungen der Stadt ein Zuschuss des Landes zu.

26,50 Euro kostet das Schülerticket bisher. 8000 Kinder nutzen die Monatskarte.

Seit 2013 drängen vor allem die Eltern auf eine Lösung — und auf Geld vom Land: „Die kreisfreien Städte werden seit Jahrzehnten benachteiligt“, sagt Anja Ritter vom Stadtelternrat in Rostock. Problem nur: Geld für die Bus- (oder Bahn-)Fahrkarte gibt es nur, wenn die Schüler die „örtlich zuständige“ Schule besuchen. Ein Beispiel aus dem Nachbarkreis: Für Grundschüler aus dem Ostseebad Nienhagen ist als „örtlich zuständig“ die Schule in Rethwisch festgelegt. Wollen die Eltern ihr Kind aber nach Bad Doberan schicken — zum Beispiel, weil ihnen das pädagogische Konzept besser gefällt — zahlt das Land nicht.

Im Landkreis seien es Einzelfälle, in denen sich Eltern für eine andere als die nächstgelegene Schule entscheiden, sagt die Rostocker Elternrätin Anja Ritter. In der Hansestadt sei das anders: „Wir haben in Rostock die freie Schulwahl.“ Die Schulen in der Hansestadt würden sich mit Schulkonzepten und verschiedenen pädagogischen Ansätzen einen „Wettbewerb um unsere Kinder“ liefern. Würde die Hansestadt das Modell der Landkreise übernehmen, sei die freie Schulwahl in Gefahr. Das wollen weder die Eltern noch Schulsenator Steffen Bockhahn (Linke): „Die freie Schulwahl hat für uns oberste Priorität.“ Deshalb wolle die Stadt nicht vorschreiben, wo welches Kind zur Schule gehen soll.

Das Kultusministerium in Schwerin verlangt aber, dass Rostock sogenannte „Einzugsbereiche“ festlegt. Für jede Schule soll genau definiert werden, aus welchen Stadtteilen, Vierteln und Straßenzügen ihre Schüler kommen. „Wir haben bereits 2013 auf Bitten des Ministeriums die Schulwege von 25911 Schülern analysiert und bestimmt, für wie viele Schüler ein Beförderungszuschuss infrage käme“, sagt Martin Meyer, Leiter des städtischen Schulamtes. „Ein gewaltiger Arbeitsaufwand.“ Rostock habe auch eine solche „Schulbereichssatzung“ erarbeitet — noch bevor dies vom Land per Gesetz gefordert wurde. „Aber die Satzung wurde abgelehnt — obwohl sie aus unserer Sicht rechtmäßig ist“, erklärt Bockhahn. Die Stadt hat Widerspruch gegen die Ablehnung eingelegt.

Für die Eltern heißt das: Weil Rostock und das Land sich über Formalien nicht einigen können, gibt es aus Schwerin auch nach drei Jahren Verhandlungen kein Geld. Und bei dem Streit geht es um viel Geld. Laut Berechnung der Stadtverwaltung treffen die Bedingungen für ein kostenloses Bus- oder Bahnticket auf 3764 Schüler zu. „Das macht 782000 Euro, die das Land an die Stadt zu zahlen hätten“, so Schulamtschef Meyer. Kultusminister Brodkorb versteht die ganze Aufregung nicht: „Wir wollen endlich Gerechtigkeit schaffen. Das Geld steht zur Verfügung.“

Doch selbst über die Verteilung der Mittel sind sich beide Seiten uneins: Denn der Stadtelternrat fordert, dass nicht nur die 3764, sondern alle Schüler von dem Geld aus Schwerin profitieren sollen.

„Weil wir jahrelang vom Land benachteiligt wurden, haben wir die Idee entwickelt, Schülerkarten auszugeben. Mit denen können die Kinder nicht nur zur Schule, sondern auch in ihrer Freizeit kostenlos mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren — zum Sport, zu Freunden oder zum Strand“, so Anja Ritter. „Das System rechnet sich aber nur, wenn möglichst viele Schüler ein solches Ticket kaufen und nutzen.“ Bekommen nun fast 4000 Kinder ihre Tickets vom Land, sei dieses Angebot in Gefahr. Ritters Alternativvorschlag: „Wir fordern als Stadtelternrat, dass die 728000 Euro in das Angebot ,Schülerticket‘ fließen, um es für alle erschwinglicher und attraktiver zu machen.“

Aktuell nutzen laut Rostocker Straßenbahn AG rund 8000 Mädchen und Jungen das Schülerticket. Die Eltern zahlen dafür 26,50 Euro pro Monat. Fließt das Geld aus Schwerin in diesen Topf, könnte der Preis um knapp sieben Euro pro Monat sinken. Auch aus Sicht von Steffen Bockhahn wäre der Zuschuss zum Schülerticket die sinnvollste Lösung für das Ungerechtigkeitsdilemma: „Denn wenn wir wirklich jedes Jahr für jeden Schüler den Schulweg berechnen müssen, um zu prüfen, ob er Anspruch auf ein kostenloses Ticket hat oder nicht, geht ein Großteil des Geldes aus Schwerin für die Bürokratie darauf. Für diese Berechnung bräuchten wir mindestens zwei zusätzliche Mitarbeiter.“ Das Ministerium hat dagegen rechtliche Bedenken.

Minister Brodkorb hat genug von dem Geplänkel zwischen Stadtverwaltung und Ministerium: Er hat Bockhahn um ein Vier-AugenTreffen zu dem Thema gebeten. „Wir müssen das Problem jetzt lösen. Für die Eltern und Schüler.“

Von Andreas Meyer

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