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Neues Projekt: Nachbarschaft statt Parallelgesellschaft

Stadtmitte Neues Projekt: Nachbarschaft statt Parallelgesellschaft

„Rostocks neue Nachbarn“ ist gestern Abend gestartet / In den nächsten Monaten sind Bürgerkonferenzen in allen Rostocker Stadtteilen geplant

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Martin Warning koordiniert das Projekt „Rostocks neue Nachbarn“. Er sieht es als Plattform für den Austausch und die Vernetzung in den neuen Nachbarschaften. Fotos (2): Ove Arscholl

Stadtmitte. „Ich möchte nicht, dass eine Parallelgesellschaft entsteht“, sagt die 20-jährige Studentin Bianca Rode. Sie hatte gestern Abend am ersten Workshop „Rostocks neue Nachbarn“ teilgenommen. Und genau auf solche Reaktionen hatte Martin Warning (28) gehofft. Der Politikwissenschaftler koordiniert das neue Projekt in der Hansestadt. Er verfolgt dabei nur ein Ziel: Nachhaltige Integration für Flüchtlinge schaffen, die jetzt in Rostock leben. Finanziert wird das Projekt von der SPD. Knapp 20 Leute kamen gestern zum ersten Treffen. Von jetzt an soll es regelmäßig Bürgerkonferenzen geben.

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„Rostocks neue Nachbarn“ ist gestern Abend gestartet / In den nächsten Monaten sind Bürgerkonferenzen in allen Rostocker Stadtteilen geplant

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Viel Zuspruch für das neue Projekt kam aus den Reihen der Teilnehmer. „Ich habe damals den Krieg in Rostock hautnah miterlebt. Ich kann einschätzen, wie sich die heutigen Flüchtlinge fühlen müssen“, sagt Erika Drecoll (78). Auch die junge Generation, darunter einige Studenten, sind zum Treffen gekommen. „Ich habe schon meine Hilfe angeboten, als die ersten Menschen aus dem Kriegsgebiet nach Rostock geflohen sind. Schon zu diesem Zeitpunkt habe ich mich gefragt: Wie kann die Hilfe, wie kann die Integration weitergehen?“, sagt Anne Niekrenz (21). Sie ist Mit-Initiatorin von „Rostocks neue Nachbarn“.

Die Idee, dieses Projekt zu starten, hatte Martin Warning bereits vor einiger Zeit, als er sich mit Freunden darüber unterhalten hatte. „Seit dem vergangenen Jahr kommen verstärkt flüchtende Menschen nach Rostock. Während dies bei einigen Sorgen auslöst, andere sogar Angst und Hass gegen die Flüchtlinge schüren, haben viele Menschen in Rostock spontan geholfen“, sagt er. In der Hansestadt sind seitdem zahlreiche Initiativen mit karitativem Ansatz aktiv geworden und sogar neu entstanden. „Wir wollen mit unserem Projekt nun die neuen Nachbarn aus Kriegsgebieten so schnell wie möglich in das Stadtleben einbeziehen“, sagt er.

Mit dieser Idee rannte er sprichwörtlich offene Türen bei der SPD ein, die das Vorhaben bezahlt. „Nachdem die akute Not gelindert ist, gilt es nun die Menschen, die hier bleiben werden, dauerhaft zu integrieren“, äußert sich dazu Julian Barlen, Kreisvorsitzender der SPD. Das größte Ziel: „alte“ und „neue“ Nachbarn beispielsweise durch Bürgerkonferenzen in Kontakt und Austausch bringen und für ein Miteinander werben. „In allen Stadtteilen werden wir diese Konferenzen durchführen. Gestartet wird demnächst in Reutershagen“, so Warning und weist darauf hin, dass dieses Projekt keine Konkurrenz zu bereits bestehenden Projekten sein soll. „Wir wollen uns mit den anderen Engagierten in Sachen Flüchtlingshilfe vernetzen und gemeinsam etwas erreichen.“

Aktive Zusammenarbeit mit bereits aktiven Organisationen, nennt es Bürgerschaftsmitglied Christian Reinke (SPD). „Jeder kann von den anderen nur profitieren“, sagt er. Die Vernetzung soll eine Art Scharnier sein zwischen Bevölkerung, Aktiven, Kommunalpolitikern und Flüchtlingen.

Gesammelt wurden erst einmal Ideen, wie die künftigen Konferenzen gestaltet werden können: Flyer verteilen, direkte Nachbarn von Flüchtlingsfamilien einladen oder Gespräche in kleinen Gruppen bei Kaffee und Kuchen. Begonnen wird in Reutershagen — am 14. April. „Wichtig wäre es vor allem, dort die Befindlichkeiten der bisherigen Bürger aufzunehmen“, fasst Erika Drecoll zusammen.

Für Martin Warning war das Auftaktprogramm gestern Abend deshalb so wichtig: „Wir wollen herausfinden, welche Ängste die Rostocker haben. Und diese — in den Fällen, wo sie begründet sind — abbauen.“

Ebenso, wie sie sich eine Zusammenarbeit mit den Flüchtlingsfamilien vorstellen können. „Wir müssen es langfristig schaffen, den neuen Rostockern das Gefühl zu geben, dass sie hier eine Zukunft haben“, sagt Erika Drecoll.

Erste Bürgerkonferenz in Reutershagen

Drei Initiatoren haben das Projekt „Rostocks neue Nachbarn“ gegründet — ein Netzwerk zur Integration von Flüchtlingen.

Ziel ist es , Unterstützung von den Rostocker Bürgern und bestehenden Initiativen zu bekommen.

Die erste Veranstaltung ist am 14. April geplant. An diesem Tag soll eine Bürgerkonferenz in Reutershagen stattfinden. Weitere Veranstaltungen sind im Mai und Juni vorgesehen.

Mindestens ein Jahr lang soll das Projekt laufen.

Kontakt: neue-nachbarn@ spdrostock.de

Von Mathias Otto

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