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Notprogramm: 1000 neue Wohnungen

Kritzmow Notprogramm: 1000 neue Wohnungen

Regionalplanung ermöglicht Wachstum im Umland / Acht Gemeinden dürfen mehr bauen

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Drei Wohngebiete mit insgesamt über 150 Wohnungen sind bisher in Rövershagen entstanden. Ein viertes Wohngebiet ist geplant.

Quelle: Foto: Doris Kesselring

Kritzmow. Wohnungsbau im Umland – nur über den Schreibtisch des Rostocker Oberbürgermeisters. Die Hansestadt lehnt neue Wohngebiete in den Nachbargemeinden vehement ab. Ob in Lambrechtshagen, Elmenhorst, Broderstorf, Kritzmow oder Rövershagen – Rostock stimmt Bebauungsplänen (B-Plänen) nicht zu.

 

OZ-Bild

„Bei uns hat eine große Firma ange- klopft, ob sie nicht selbst ein ganzes Wohngebiet für Mitarbeiter erschließen kann. 1000 Wohnungen bis 2020 sind ein sportliches Ziel.Dr. Verena Schöne, Bürgermeisterin in Rövershagen

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„Zwei B-Pläne für altersgerechtes und betreutes Wohnen wurden uns von Rostock verwehrt. Dabei ist dies Daseinsvor- sorge für Kritz- mower, kein über- örtlicher Zuzug.Leif Kaiser, Bürgermeister in Kritzmow

17 Umlandgemeinden

Diese 17 Gemeinden sind betroffen: Nienhagen, Elmenhorst/Lichtenhagen, Admannshagen-Bargeshagen, Lambrechtshagen, Kritzmow, Stäbelow, Ziesendorf, Pölchow, Papendorf, Dummerstorf, Roggentin, Broderstorf, Bentwisch, Mönchhagen, Rövershagen, Klein Kussewitz, Poppendorf

„Doch im Kampf um jeden Kopf und um jedes Unternehmen in der Region benötigen wir dringend Wohnraum“, verdeutlicht Gert Schäde, Leiter des Amtes für Raumordnung und Regionalplanung. Rostock schade sich mit seiner Blockadehaltung selbst. „Es ist immer noch besser, wenn jemand im Umland wohnt und in der Stadt arbeitet, bevor er ganz weg ist und die Firma vielleicht auch“, erklärt Schäde.

Die Regionalplanung fährt daher eine neue Strategie, will „Schadensbegrenzung leisten“. Bis 2020 gebe es in der Region einen Bedarf von etwa 8000 Wohneinheiten, rechnet Schäde vor. 6000 bis 7000 Wohnungen sollen in der Hansestadt entstehen – eine Mammutaufgabe für Rostock. In den Umlandgemeinden sind 1000 neue Wohneinheiten geplant. „Das ist in Rostocks Umfeld so viel Wohnraum, wie die Gemeinden zusammen in den letzten fünf Jahren geschaffen haben“, sagt Schäde. Mit diesem „Notprogramm“, das alle 17 Umlandgemeinden und die Hansestadt noch unterzeichnen müssen, solle der angespannte Wohnungsmarkt in den nächsten Jahren etwas entlastet werden.

Dazu will das Amt auch die sogenannte Drei-Prozent-Klausel in der Landesverordnung über das Regionale Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock verändern. Danach dürfen die 17 Umlandgemeinden zwischen 2011 und 2021 ohne Zustimmung Rostocks maximal um drei Prozent wachsen. „Die Quote haben alle Gemeinden überzogen“, räumt Schäde ein, „aber angesichts des Drucks auf dem Wohnungsmarkt haben wir viele Augen zugedrückt.“

Nur drei Gemeinden – Rövershagen, Kritzmow und das Ostseebad Nienhagen – waren privilegiert, durften über die drei Prozent hinaus wachsen. Nun will das Regionalplanungsamt den Kreis erweitern. „Bis zu acht Gemeinden sollen bis 2020 die Drei-Prozent-Klausel überschreiten dürfen“, erklärt Amtsleiter Schäde. Es sei ein Kriterienkatalog aufgestellt worden, ein Ranking vorbereitet. „Wir gucken uns die Gemeinden an, die infrage kommen, beurteilen die Lage zu Rostock, Bedingungen für Familien mit Kita und Schule, den Anschluss an das ÖPNV-Netz“, nennt Schäde nur einige Kriterien. Wann die Gemeinden bekanntgegeben werden, dazu sagt Schäde nur: „Wir müssen zeitnah zu Potte kommen. Dieses Jahr wäre Pflicht.“

Rostocks Nachbargemeinden warten dringend auf dieses Signal. „Wir haben unendlich viele Nachfragen zu Wohngebieten“, betont Hanns Lange, Bürgermeister in Broderstorf. Selbst in den bislang privilegierten Gemeinden hat Rostock konsequent Wachstum blockiert. „Zwei B-Pläne für altersgerechtes und betreutes Wohnen wurden uns verwehrt“, berichtet Kritzmows Bürgermeister Leif Kaiser. „Dabei ist dies Daseinsvorsorge für die Bewohner unserer Gemeinde und kein überörtlicher Zuzug“, ärgert er sich. Dennoch ist Kritzmow vorerst eingeknickt. „Wir können uns einen jahrelangen Streit vor Gericht nicht erlauben“, sagt Kaiser. Und solche rechtlichen Schritte hat OB Roland Methling bei Verstoß angekündigt.

Rövershagens Bürgermeisterin Dr. Verena Schöne war zum persönlichen Gespräch im Rostocker Rathaus, wollte um Verständnis für das neue Wohngebiet „Im Wiesengrund II“ werben. Bisher sind drei Wohngebiete in Rövershagen entstanden mit rund 150 Wohneinheiten. „Bei uns hat sogar eine große Firma angeklopft, ob sie nicht selbst ein ganzes Wohngebiet für die Mitarbeiter erschließen kann“, erzählt die Gemeindechefin.

In Rostock ist Verena Schöne jedoch abgeblitzt, die Stadt will dem B-Plan „Am Wiesengrund II“ mit 56 Parzellen nicht zustimmen. Die Gemeinde will es dennoch wagen. „Dem B-Plan liegt ein seit 1998 gültiger Flächennutzungsplan zugrunde, dem die Hansestadt damals zugestimmt hat“, sagt Schöne. Außerdem dürfe Rövershagen als privilegierte Gemeinde bauen und wachsen. Das hat die Bürgermeisterin nun auch vom Regionalplanungsamt mit einer positiven Stellungnahme zum neuen Wohngebiet erneut bestätigt bekommen.

Ab sofort nimmt die Gemeinde daher formlos Interessensbekundungen für die Grundstücke im Wiesengrund II entgegen. „Dies sind keine Reservierungen oder verbindlichen Zusagen“, stellt Schöne klar, aber schon mal eine Bedarfsermittlung. „Und die läuft super an.“ 1000 neue Wohneinheiten bis 2020 im Umland, wie auf dem Stadt-Umland-Forum im Dezember 2016 beschlossen, nennt Rövershagens Bürgermeisterin dennoch „ein sportliches Ziel“.

Doris Kesselring

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