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Schülertickets: Teurer statt kostenfrei

Stadtmitte Schülertickets: Teurer statt kostenfrei

Ab 2018 zahlen Kinder ein Euro mehr pro Monat / RSAG: Parken in Rostock ist viel zu günstig

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Der elfjährige Johannes aus Gehlsdorf benutzt sein Schülerticket fast jeden Tag.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Stadtmitte. Schlechte Nachrichten für mehr als 8000 Eltern in der Hansestadt: Ab dem kommenden Schuljahr werden sie tiefer in die Tasche greifen müssen, damit ihre Kinder mit Bus und Straßenbahn in Rostock fahren können. Der Vorstand der Straßenbahn AG (RSAG) plant für 2018 eine Preiserhöhung für das Schülerticket – um einen Euro pro Monat. Das bestätigte RSAG-Chefin Yvette Hartmann auf OZ-Nachfrage. Aus der Bürgerschaft kommt prompt Kritik – allerdings nicht am stadteigenen Verkehrsbetrieb, sondern am Land: Die Landesregierung in Schwerin investiere viel zu wenig Geld in den Nahverkehr. Die RSAG fordert zudem eine breite Diskussion über den Verkehr der Zukunft in der Hansestadt – und gibt der Wiro eine Mitschuld an Preis-Dilemma.

OZ-Bild

Ab 2018 zahlen Kinder ein Euro mehr pro Monat / RSAG: Parken in Rostock ist viel zu günstig

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RSAG: Personal- und Betriebskosten steigen

Noch ist die Preiserhöhung bei den Schülertickets nicht beschlossene Sache: Der Aufsichtsrat der stadteigenen Verkehrsgesellschaft muss noch seinen Segen erteilen. „Wir sind aber Teil des Verkehrsverbundes Warnow – und der hat bereits ,Ja’ gesagt. Wir müssen da ein Stück weit mitgehen“, so Hartmann. Eine Preiserhöhung bei den Schülertickets sei auch nicht in ihrem Sinne, aber: „Wir haben es mit steigenden Personal- und Betriebskosten zu tun. Die müssen wir auch decken können.“ Ein weiterer Grund, weshalb die RSAG sich mehr Geld von den Kunden holen muss: Das Land senke seine Zuschüsse für den Nahverkehr in der Hansestadt. „Wir bekommen jedes Jahr zwei Prozent weniger Geld aus Schwerin“, sagt Hartmann. Absolute Zahlen nennt sie nicht. „Aber wir müssen diese Verlust irgendwie ausgleichen.“

Bisher kostet der Fahrschein, mit dem Schüler rund um die Uhr Bus und Bahn fahren können, 27,50 Euro. Mit Beginn des neuen Schuljahres soll der Preis auf 28,50 Euro steigen. Bei rund 8500 verkauften Tickets erhofft sich die RSAG Mehreinnahmen von rund 100000 Euro pro Jahr. Auch die Preise für die Semestertickets sollen angehoben werden. Darauf haben sich die RSAG mit dem Studentenwerk und dem Allgemeinen Studierdenausschuss (AStA) der Uni verständigt. „Alle anderen Tarife fassen wir 2018 nicht an“, sagt Hartmann. Dort stünden erst 2019 die nächsten Preisverhandlungen an.

Bürgerschaft fordert mehr Geld vom Land

Dass ausgerechnet die Schülertickets jetzt teurer werden – aus Sicht der Bürgerschaft geht das eigentlich gar nicht: „Es kann nicht sein, dass Rostock auf politischer Ebene für den kostenlosen Schülerverkehr streitet und unsere Verkehrsgesellschaft erhöht die Preise“, sagt Grünen-Fraktionschef Uwe Flachsmeyer. „Wir müssen aus der Spirale der Preissteigerungen endlich herauskommen. Höhre Preise führen nämlich nicht zwangsläufig zu höheren Einnahmen: Sie schrecken auch Nutzer ab.“ Flachsmeyer gibt dem Land die Schuld: „In der Regierung wird gern vom kostenlosen Schülerverkehr, von kostenloser Kita und kostenlosem Essen gesprochen, getan wird viel zu wenig. Zuschüsse werden seit Jahren reduziert, statt erhöht.“

Das sieht Linken-Chefin Eva-Maria Kröger genau so: „CDU und SPD im Land müssen in Sachen Nahverkehr mehr tun. Die Verkehrsbetriebe kommen an ihre finanziellen Grenzen.“ Für die Unternehmen gäbe es dann nur zwei Möglichkeiten: Entweder erhöhen sie die Preise oder sie streichen Linien. „Auf dem Land passiert Letzteres bereits.“ Kröger weiter: „Wir brauchen das kostenlose Schülerticket.

Landesweit und ganzjährig.“ Auch der Rostocker CDU-Vorsitzende geht mit der Landesregierung hart ins Gericht: „SPD-Verkehrsminister Pegel muss endlich aus seinem Tiefschlaf erwachen und wieder das Thema Infrastruktur in MV und Rostock angehen. Das gilt auch für den Nahverkehr.“ Geld vom Bund bekomme MV dafür genug. Peters will die RSAG zudem auffordern, auf die Erhöhung zu verzichten:

„Stattdessen sollte sich die Straßenbahn AG das Geld von ihrer Muttergesellschaft, der Verkehrs- und Versorgungsholding RVV, holen.“

RSAG-Chefin kritisiert

Preispolitik der Wiro

Yvette Hartmann, die kaufmännische Chefin der RSAG, macht sich dafür stark, das Thema „Nahverkehr“ in der Hansestadt neu zu denken: „Wir müssen dann auch mit den Parkhaus-Betreibern ins Gespräch kommen.“ Deren Preispolitik sei für den Nahverkehr nämlich kontraproduktiv – auch die der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Wiro: „Wenn ich mit einer Einzelfahrtkarte in die Stadt fahren möchte, zahle ich Hin und Zurück bis zu 4,20 Euro. Mein Auto kann ich aber für einige Cent auf dem Parkplatz Am Strande abstellen. Es wird den Menschen zu bequem gemacht, mit dem Auto in die City zu fahren statt auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen“, kritisiert Hartmann. Und weiter: „Wir konkurrieren mit dem Auto – und mit den Parkhäusern, auch denen der Wiro.“ Das aber könne nicht im Sinne einer Stadt sein, die grüner und umweltfreundlicher werden will.

Wiro-Sprecher Carsten Klehn weist die Kritik der RSAG zurück: Das Parken bei der Wiro sei jedenfalls nicht zu günstig. „Die Nutzungsentgelte sind marktüblich“, sagt er. Und außerdem: Dass die Preise der Parkhäuser ein Grund seien, warum zu wenig Menschen den Nahverkehr nutzen – „diese Argumentation greift wohl zu kurz“. Die Wiro werde ihre Preise jedenfalls in absehbarer Zeit nicht anheben.

„Die Wiro arbeitet beim Thema Mobilität eng mit Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammen.“ Die Stadtverwaltung äußerte sich zum Preis-Plus beim Schülerticket auf Anfrage der OZ gar nicht.

Andreas Meyer

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