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Stadt und Kreis uneins: Jeder kämpft für sich

Stadtmitte/Güstrow Stadt und Kreis uneins: Jeder kämpft für sich

Zwischen Rathaus und Landratsamt gibt es kaum Kooperationen / Güstrow will sich nicht an Rostock Business beteiligen

Stadtmitte/Güstrow. Mit dem Namen „Rostock“ schmückt sich auch der benachbarte Landkreis gerne. Doch viel weiter geht die Liebe zur Hansestadt in Güstrow dann doch nicht – zumindest nicht, wenn es um das Geld und um Kooperationen geht. Hinter den Kulissen kracht es zwischen Rostocker Rathaus und Landratsamt. Die Hansestadt wirft dem Landkreis vor, sich einer engeren Zusammenarbeit zu verweigern. Jüngster Auslöser: die Güstrower wollen keine gemeinsame Wirtschaftsförderung mit Rostock.

Aus Sicht der Rostocker Bürgerschaft und auch der Stadtverwaltung hätte aber genau in diesem Punkt eine Zusammenarbeit für beide Seiten erhebliche Vorteile gehabt: „Wir haben den bekannten Namen und die Fachkräfte, der Landkreis hat die Flächen“, heißt es im Rathaus. Anka Schröder, die Leiterin des Sachgebietes Wirtschaftsentwicklung in der Stadtverwaltung, formuliert es so: „Die Hansestadt kann nur innerhalb ihrer Grenzen wachsen. Aber Gewerbe- und Industrieflächen in bestimmten Größenordnungen gibt es bei uns nicht mehr. Hier könnten wir auf den Landkreis verweisen.“ Denn wenn ein Unternehmen sich statt in der Hansestadt im Landkreis ansiedelt, sei das immer noch besser, als wenn es in andere Regionen zieht. „Wir müssen Wirtschaftsförderung für die Region als gemeinsame Aufgabe begreifen“, so Schröder.

Doch geht es nach dem Landkreis Rostock, dann wirbt weiterhin jeder für sich um neue Unternehmen und Arbeitsplätze in der Region. Michael Fengler, Sprecher des Landkreises, spricht zwar von einer „etablierten und abgestimmten Zusammenarbeit“ zwischen dem städtischen Wirtschaftsförderer Rostock Business und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. Eine gemeinsame Wirtschaftsförderung sei aber nicht „zielführend“. „Die Hansestadt und der Landkreis unterscheiden sich in ihrem kommunalpolitischen und rechtlichen Wirken erheblich“, so Fengler. Hauptproblem in Sachen Wirtschaftsförderung: Der Landkreis kann seine Städte und Gemeinden nur unterstützen. Ob eine Firma in Bad Doberan, in Sievershagen, Bentwisch oder in Güstrow bauen darf, entscheiden aber allein die Kommunen. In Rostock sei das anders. Eine gemeinsame Wirtschaftsförderungsgesellschaft sei deshalb nicht notwendig.

Das sieht die Hansestadt anders, spricht von „Vorbehalten“ auf Seiten des Kreises und von „fehlenden Rahmenbedingungen“ für eine effektive Zusammenarbeit. „Die Strukturen im Landkreis sind völlig andere“, sagt Anka Schröder. Die Wirtschaftsförderung dort würde sich vornehmlich auf das Vermarkten freier Flächen konzentrieren. Ein Punkt, der dem Chef der Güstrower Wirtschaftsförderung, Christian Fink, auch seitens der Kommunen wiederholt Kritik eingebracht hatte: Kleinstädte wie Bad Doberan fühlten sich in der Vergangenheit allein gelassen vom Landkreis – weil die Kommunen selbst weder das Personal, noch das Geld haben, um aktiv Unternehmen bundesweit anzusprechen. „In der Hansestadt übernimmt Rostock Business hingegen auch Marketing, Akquise und Bestandsentwicklung“, so Anka Schröder.

Dass sich der Landkreis, der die Hansestadt umschließt, einer engeren Kooperation verweigert, stört die Großstadt vor allem aus finanziellen Gründen: Denn das Landratsamt beteiligt sich bislang kaum an Kosten für überregionale Werbemaßnahmen. „Die Werbung für die Region Rostock ist aufwendig“, sagt Anka Schröder. Bisher übernehme allein die Stadt die Kosten für diese Aufgabe. „Wir werben hier nicht nur für die Hansestadt, sondern für die ganze Region. Aber an diesem Aufwand beteiligt sich der Landkreis nicht.“ Schröder wird deutlich: „Das Thema reiht sich ein in die Diskussionen über das Theater, die Stadthalle, die Messe, den Zoo und auch die Museen.“ Einrichtungen, die von der Hansestadt nicht nur für die eigenen Bürger, sondern auch für die Einwohner des Landkreises vorgehalten und bezahlt werden – ohne Gegenleistung aus Güstrow.

Im Rathaus hoffen die Verantwortlichen, dass der Kreistag und das Landratsamt ihre Sichtweise nochmals überdenken mögen: „Ein finanziell gestärktes Außenmarketing und abgestimmte Prozesse bei der Unternehmensansiedlung wären für die gesamte Region – auch für den Landkreis – von Vorteil“, sagt Anka Schröder. Vorerst wollen sich die Hansestädter nun aber nicht dem Landratsamt, sondern den Nachbargemeinden zuwenden: „Wir wollen mit dem Umland stärker bilateral kooperieren.“

Andreas Meyer

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