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Wachstum bringt Konflikte

Stadtmitte Wachstum bringt Konflikte

Experten diskutierten beim Forum der OSTSEE-ZEITUNG über Rostocks Stadtentwicklung

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OZ-Chefredakteur Andreas Ebel (r.) und Lokalchef Andreas Meyer (l.) begrüßen Claus Ruhe Madsen (IHK), Ulrich Söffker (BUND), Oberbürgermeister Roland Methling und Christian Weiß (Rostock Business) beim Forum im Medienhaus der OSTSEE-ZEITUNG. FOTOS (4): OVE ARSCHOLL

Stadtmitte. Rostock hat 215000 Einwohner, volle Kassen, weniger Arbeitslose und die Querelen um die Bebauung der Mittelmole sind längst vergessen. „Die Wohngebiete in Biestow und an der alten Molkerei gehören zum Alltag.“ So beschreibt Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) beim Forum der der OSTSEE-ZEITUNG Rostock im Jahr 2025. Doch das erwartete Wachstum bringt auch Probleme. Darüber diskutierten vier Experten mit OZ-Chefredakteur Andreas Ebel, Andreas Meyer, Leiter der Lokalredaktion sowie 100 interessierten Bürgern.

 

OZ-Bild

„„Ich bin für eine Südumfahrung der Innenstadt. Es gibt viele Bürgerini- tiativen, die gegen etwas sind, warum gibt es keine Plattform für Leute, die etwas befürworten?“André Nagel Südstadt

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„„Es werden Blasen produziert, aber nichts wird reali- siert. Dinge werden in immer schnelleren Takten aufs Tapet ge- bracht. Für die Bürger müsste etwas passieren.“Bärbel Hammer Kröpeliner-Tor-Vorstadt

500 Wohneinheiten hat die Stadt nach Angaben von Oberbürgermeister Roland Methling in den vergangenen Wochen genehmigt. Nach Schätzungen von Experten werden in den kommenden Jahren rund 10

000 neuen Wohnungen in Rostock benötigt.

Konflikte nicht zu vermeiden

 

„Flächen und Geld sind begrenzt“, benennt Ulrich Söffker vom Bund für Umwelt und Naturschutz das Problem. Ob Straßen- oder Wohnungsbau oder die Umsetzung von Großprojekten im Stadthafen – Konflikte sind unvermeidlich: „Alle müssen Kompromisse machen.“ Vor allem wünscht er sich, dass die Ideen der Bürger auf- und ernstgenommen werden. Eine ausgewogene Entwicklung erhofft sich Claus Ruhe Madsen, Präsident der Industrie- und Handelskammer. Es dürfe nicht passieren, dass Rostock zu viele Straßen, aber keine Kultur hat, dass Rostock Wohnungen, aber keinen Platz für Gewerbe hat: „Jeder braucht seinen Platz.“

OB: Klarte Kante zeigen

Ein heißes Eisen wird im Publikum angefasst. Rostock sei in der Vergangenheit immer wieder durch Eingemeindungen gewachsen. „Da kann ich mir wünschen, aber es bringt nichts“, sagt Roland Methling.

Viel wichtiger: „Wir müssen von den Nachbarn fordern, dass sie sich einbringen“, sagt der OB und meint finanzielle Lasten, die Rostock als Oberzentrum stemmen muss. „Da müssen wir klare Kante zeigen.“ Für Ulrich Söffker wäre eine gemeinsame Planungsebene zwischen Stadt und umliegenden Dörfern eine Chance, und die biete sich aktuell bei der Aufstellung des neuen Flächennutzungsplans.

Freie Flächen nutzen

„Als Familie suchen wir größeren Wohnraum“, beschreibt Katrin Lochner aus der KTV ein Problem, das sie mit vielen teilt. Rostock habe viele Bebauungspläne in Arbeit und versuche intensiv Flächen anzubieten, erklärt Roland Methling. „In den letzten acht Wochen haben wir 500 Wohneinheiten genehmigt.“ Methling legt Wert auf Verdichtung und Mehrfamilienhäuser. Kritik an den Plänen, entlang des Rosengartens Wohnungen zu bauen, kann er deshalb nicht nachvollziehen. Petriviertel, Werftdreieck und Groter Pohl bieten gute Ansätze, stellt Ulrich Söffker fest. Es braucht Mehrfamilien- und Reihenhäuser für jene, die weiter mit dem Rad zur Arbeit fahren wollen. Nicht nur die Anzahl der Wohnungen dürfe betrachtet werden, wirft Claus Ruhe Madsen ein: „Es muss auch besondere Wohnungen geben.“ Gut bezahlte Fachkräfte müssten Angebote finden.

Platz für neue Firmen

Wohnen und Wirtschaft dürfe nicht losgelöst betrachtet werden, erklärt Christian Weiß von der Wirtschaftsfördergesellschaft Rostock Business. Die Ansiedlung attraktiver Arbeitsplätze zu ermöglichen, sieht er als Gemeinschaftsaufgabe. Die Anfrage nach Gewerbeflächen sei groß: „Wir haben nur noch 100 Hektar verfügbar.“ Hafenerweiterung noch nicht mitgerechnet. Natürlich bringe diese in Peez Konflikte, erklärt Naturschützer Söffker. „Wir müssen vorhandene Ressourcen nutzen.“ Wenn irgendwann das Kohlekraftwerk abgeschaltet würde, gebe es auch Flächen.

Brücke zum Stadthafen

„Die Stadt wird zugebaut, unsere große Sorge ist der Verkehr“, sagt Beate Hameister, Bürgerinitiative Satower Straße und wünscht sich ein zukunftsorientiertes Verkehrskonzept. Immerhin zwei bis vier Millionen Euro stellte Roland Methling für den Ausbau der vielbefahrenen Satower Straße in Aussicht. Der neue Mobilitätsplan Zukunft müsse Visionen zeigen. „Dazu gehört für mich eine breite Querung der L 22. Wir müssen das Stadtzentrum ans Wasser holen“, so der OB. „Der Verkehr stößt an Grenzen“, stellt IHK-Präsident Madsen fest. „Wir müssen über eine ausgewogene Entwicklung sprechen.“

Entscheidungen zulasten des Wirtschaftsverkehrs lehnt er ab. Eins ist für ihn völlig klar: „Wir brauchen ein attraktive Innenstadt.“ Verkehr verändere sich, sagt Madsen. Carsharing werde bedeutender, und auch über selbstfahrende Autos müsse Rostock nachdenken.

In 28 Jahren viel erreicht

„Wir brauchen Mut, Dinge anzugehen“, fordert Madsen, wie den Bau einer Halle für Spitzensport in der Südstadt. Es darf in Rostock nicht alles schlecht geredetet werden, ergänzt Roland Blank, Wohnungsgenossenschaft Schifffahrt-Hafen und legt Wert auf die Feststellung, dass Rostock in 28 Jahren viel geschafft hat: „Das muss auch einmal gesagt werden.“ Gegen mögliche Großprojekte spreche nichts, sagt Ulrich Söffker, wenn es eine ausreichende Bürgerbeteiligung gibt.

Thomas Niebuhr

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