Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Wählerfang im Schilderwald: Parteien buhlen um Stimmen

Stadtmitte Wählerfang im Schilderwald: Parteien buhlen um Stimmen

Am 4. September sind Landtagswahlen in MV – daran erinnern unzählige Schilder / Doch wie sehr sich die Plakate auf die Entscheidung der Rostocker auswirken, ist unklar

Voriger Artikel
Wählerfang im Schilderwald: Parteien buhlen um Stimmen
Nächster Artikel
Wahlplakate zerstört? Polizei ermittelt gegen grüne Kandidatin

Kaum ein Laternenpfahl, an dem kein Plakat hängt. Hinzukommen riesige Werbetafeln an großen Straßen. Sie sollen an die Wahl erinnern. Wer nicht mitmacht, fällt sofort auf.

Quelle: Fotos: Philip Schülermann

Stadtmitte. Die Stadt – ein Schilderwald: Mit markigen Sprüchen werben die Kandidaten für sich. Gut sichtbar hängen ihre Gesichter gedruckt auf Plakaten in der ganzen Stadt. Der Einfluss auf die Wahlnetscheidung ist allerdings umstritten.

OZ-Bild

Am 4. September sind Landtagswahlen in MV – daran erinnern unzählige Schilder / Doch wie sehr sich die Plakate auf die Entscheidung der Rostocker auswirken, ist unklar

Zur Bildergalerie

Wahlplakate haben wenig Tiefenwirkung, aber eine hohe Reichweite.“Martin Koschkar, Politikwissenschaftler

Die SPD setzt zum Beispiel auf Ministerpräsident Erwin Sellering. Riesig prangt sein Konterfei auf riesigen Werbetafeln an den Hauptverkehrsadern Rostocks oder an Laternenpfählen in der City. Für Hauke Christoph, Geschäftsführer der Werbeagentur Wellenweg in Rostock, ist das kaum verwunderlich. „Er ist bekannt. Man kennt sein Gesicht.“ Und damit lasse sich werben. Die Kampagne der SPD setze auf zwei getrennte Motive, erklärt der Landesgeschäftsführer Marcus Unbenannt: „Sie zeigen den Spitzenkandidaten und unsere thematischen Schwerpunkte.“

Es sei immer eine Gratwanderung zwischen dem Gesicht des Kandidaten und einer Botschaft – also zum Beispiel einem Slogan –, sagt Christoph. Die Gestaltung eines Plakats hängt laut Christoph immer stark davon ab, wo die Partei steht und wo sie hinwill: Die FDP löst sich gerade von ihrem alten Image und erfindet sich neu – auch „mit neuer Typografie“, sagt Christoph, versuche sie eine neue Partei zu verankern. Lisa Rossel, Pressesprecherin der Landes-FDP: „Es hat aber auch damit was zu tun, wie wir in diese Wahl gehen.“ Positiv und optimistisch gingen sie an sie heran. „Und das Design passt zu unserer Spitzenkandidatin Cécile Bonnet-Weidhofer“, sagt Rossel.

„Menschen sind soziale Wesen“, sagt Hauke Christoph. Deshalb funktionierten Gesichter auf Plakaten fast immer. Allerdings bleibt weniger Platz für die politische Botschaft. „Inhaltlich sind die Grünen ganz vorne mit dabei“, sagt Christoph. Sie werben mit Wortkombinationen wie „Gegen Rechts und Populismus“.

Unglücklich sei hingegen ein Teil der Werbung der Linken: „Für den Hinterkopf“ steht auf Plakaten, ein solcher ist auch zu sehen. „Beim Betrachter bleibt der Eindruck zurück, dass die Politiker ihm den Rücken kehren wollen“, sagt Hauke Christoph. Auf der anderen Seite ist jedoch das Gesicht zu sehen. Hat er es verstanden, verbringt der Betrachter mehr Zeit mit dem Plakat als mit anderen. „Das ist gut, dann haben sich die Leute damit auseinandergesetzt. Das ist das, was man erreichen will“, sagt Kay Kröger, Pressesprecher der Linken im Land. Inwiefern Plakate die Entscheidung der Wähler tatsächlich beeinflussen, ist unklar. Martin Koschkar, Politikwissenschaftler an der Universität Rostock: „Grundsätzlich muss man sich fragen, wofür die Wahlplakate da sind. Sie sind nur ein Instrument von vielen.“ Von der Tiefenwirkung her seien die Plakate sehr begrenzt, weil nur wenig Platz für Inhalte sei – mit einem persönlichen Gespräch nicht zu vergleichen. Andererseits aber hätten die Plakate eine hohe Reichweite. „Sie erreichen in kurzer Zeit viele Menschen“, so Koschkar. Für Koschkar zeigen Plakate vielmehr den Parteienpluralismus. „Es geht um das Werben für die Wahl“, darum, zu zeigen, dass sie stattfinde. Und es gehe darum, zu zeigen, dass der jeweilige Kandidat zur Wahl stehe. „Zur Mobilisierung tragen sie bestimmt auch ein bisschen bei, wissenschaftlich ist das aber nur bedingt nachweisbar.“ Das sieht Kay Kröger ähnlich: Die Plakate seien ein Hinweis, dass bald wieder Landtagswahl ist.

Wegzudenken sind die Plakate für die Parteien nicht. Die FDP hat nach eigenen Angaben sogar den Großteil ihres Budgets für die Kampagne an Laternenpfählen ausgegeben. „Viele Leute gehen jeden Tag daran vorbei“, sagt Lisa Rossel. „Ohne Plakat fällt das sofort negativ auf – mit geht man schnell in der Masse unter“, sagt Kay Kröger. Wer Stimmen will, muss auffallen. Wem das am Ende gelingt, bleibt abzuwarten. Welchen Anteil die Schilder am Wahlergebnis dann hatten, wird wohl fraglich bleiben.

Philip Schülermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Politik

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Werft setzt auf Spitzentechnik

Neptun-Werft behauptet sich mit innovativen Antrieben / Aida ist Pionier-Kunde