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Wilde Wühler wüten am Rostocker Stadtrand

Brinckmansdorf Wilde Wühler wüten am Rostocker Stadtrand

Wildschwein-Population nimmt zu / Nur ein guter Zaun kann schützen

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Den Garten in Brinckmansdorf haben Wildschweine verwüstet. Auf Futtersuche machen sie vor Maschendrahtzäunen nicht Halt. FOTOS (2): OVE ARSCHOLL

Brinckmansdorf. . Ein Grundstück am Stadtrand, dahinter ein Feld. Mitten in der Nacht knackt und raschelt es. Die böse Überraschung folgt am nächsten Morgen. Der Zaun ist kaputt, der Garten durchwühlt. Hier haben Wildschweine ihr Unwesen getrieben. „Ich bin stocksauer, ich wohne quasi schon 100 Jahre hier, aber das ist vorher noch nie passiert“, sagt eine Brinckmansdorferin, die nicht genannt werden möchte. „Jemand muss dafür sorgen, dass die Tiere nicht herkommen. Sie haben in einem Wohngebiet nichts zu suchen.“ Sie stellt sich jetzt vor allem eine Frage: Wer bringt das in Ordnung?

300Wildschweine wurden etwa in diesem Jahr seit dem 1. April im Stadtgebiet erlegt. Dennoch nimmt die Population in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu.

„Die Verantwortung liegt bei allen Grundstücksbesitzern selbst – gerade wenn die Fläche an ein Jagdgebiet grenzt“, muss Cornelia Bady sie enttäuschen. Die Sachgebietsleiterin beim Ordnungsamt ist auch verantwortlich für Jagdangelegenheiten in der Stadt. „Aber warum jagt man die Tiere nicht?“, hakt die Anwohnerin nach. „Das tun wir doch“, so Bady. Gejagt werde Schwarzwild das ganze Jahr – jedoch nicht im Wohngebiet. „Dies ist ein befriedeter Bezirk. Hier darf nicht geschossen werden. Das ist gesetzlich so geregelt“, sagt Bady. Und selbst im Jagdgebiet dürfe nicht jedes Tier erlegt werden. „Es müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Es geht dabei um Größe, Geschlecht und Alter“, ergänzt der Sachbearbeiter Rainer Klösel. Rund 300 Wildschweine seien seit dem 1. April bis jetzt im gesamten Stadtgebiet erlegt worden.

„Die Population der Tiere hat kontinuierlich zugenommen“, so Klösel. Das liege auch an der Witterung. „In einem milden Winter sterben weniger Frischlinge und dadurch steigt die Gesamtzahl.“

Schwarzwild habe zwar keine Schonzeit, doch gerade im Herbst, wenn die Jagd auf Rotwild eröffnet ist, werden auch Wildschweine aufgescheucht. „Der Jagddruck ist dann zu groß, und sie flüchten – eben auch ins Wohngebiet.“

Im Ortsbeirat Brinckmansdorf hat man bisher nichts von den neuen Fällen gehört. „Zuletzt wurden im Frühjahr solche Vorfälle besprochen“, sagt der Vorsitzende Karl Scheube (SPD). Damals hätten Wildschweine in Alt Bartelsdorf ihr Unwesen getrieben. „Einige Anwohner haben Abfälle oder alte Äpfel über den Zaun geworfen, das hat die Burschen natürlich angelockt“, erinnert er sich.

„Das ist für Wildschweine wie ein gedeckter Tisch“, weiß auch Cornelia Bady. „Wildschweine sind klug und sie haben eine sehr gute Witterung“, ergänzt ihr Kollege Klösel. Der Sachbearbeiter für Jagd weiß, dass so ein Tier allein in einer Nacht rund 25 Kilometer weit läuft. „Sie sind Kulturfolger. Wo Fraß ist, da zieht es die Tiere hin.“

Zweimal im Jahr würden sie ihren Stoffwechsel umstellen. „Dann stellen sie ihren Fraß um und suchen vermehrt nach eiweißreicher Kost“, so Klösel. Auf der Suche nach Insekten oder Kleintieren, wie Maulwürfe oder Wühlmäuse, zieht es sie in Gärten. „Da ist das Gras schön kurz und sie wühlen nach den Larven, die kurz unter der Grasnarbe liegen.“ Ein Maschendrahtzaun könne sie nicht aufhalten. Das sei auch in dem Garten in Brinckmansdorf der Fall gewesen. „Nur ein guter, massiver Zaun kann davor schützen“, erklärt der 60-Jährige. Ob und wann die Tiere wieder kommen, ist nicht klar. Doch Klösel betont: „Wenn sie einmal Futter gefunden haben, dann erinnern sie sich auch Jahre später daran und können irgendwann wieder kommen.“

Angst müsse man in dem Sinne nicht vor den Tieren haben. „Sie sind Wildtiere und sind normalerweise menschenscheu“, erklärt Klösel. Eine Ausnahme sei jedoch eine Bache, die Frischlinge führt. „Die kann sich bedroht fühlen und will die Kleinen dann verteidigen.“ Sein Tipp: Wer sich in dieser Situation vorsichtig rückwärts wieder zurückzieht, habe eine gute Chance, nicht angegriffen zu werden.

„Wir müssen nun einmal mit der Natur zusammenleben und da gibt es einfach auch Wildschweine“, sagt Bady. Das versteht die Anwohnerin, doch glücklich macht es sie nicht. „Eine Erklärung macht meinen Garten auch nicht wieder heil. Schlimm, dass es dafür keine Versicherung gibt.“

Johanna Hegermann

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