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Protest gegen Abriss der Heinkel-Mauer

Stadtmitte Protest gegen Abriss der Heinkel-Mauer

Über das Internet laufen Initiativen für den Erhalt. Laut städtischer Denkmalpflege ist dies nicht möglich.

Stadtmitte. Nicht sanierungsfähig, Abriss und ab ins Museum. Die städtische Denkmalpflege hat das Urteil über die Heinkel-Mauer gesprochen. Was für manche Rostocker ein Schandfleck ist, sehen andere als Teil der Stadtgeschichte, der erhalten bleiben muss. In der Stadt entbrennt eine Diskussion über den Umgang mit Denkmälern.

Markus Schulz jedenfalls hat die Nachricht vom bevorstehenden Abriss der Heinkel-Mauer aufgescheucht. Er wolle nicht akzeptieren, dass „hinter verschlossenen Türen Tatsachen“ geschaffen werden sollen. Der Selbstständige gestaltete mit drei Mitstreitern die Facebook-Seite „Nein zum Abriss der Heinkel-Mauer“. „Ich war überrascht, dass wir nach 24 Stunden 2000 Unterstützer hatten.“

Inzwischen sind es mehr als 3100. Schulz und seine Mitstreiter schrieben einen offenen Brief an den Oberbürgermeister, die Denkmalpflege und die Wiro als Eigentümer des Werftdreiecks. Er mag nicht glauben, dass bei den anstehenden Millionen-Investitionen kein Geld für den Erhalt der Heinkel-Mauer da sein soll. „Denkmalpflege darf nicht am Bürger vorbei arbeiten.“

Dieser Einschätzung kann sich Tom Maercker anschließen. Denkmalschutz gehörte ursprünglich nicht zu den Themen des Internetportals „Rostock republic“. Dort sollen Kultur und Wirtschaft zusammengebracht, Geld für Kunstprojekte gesammelt werden. Dann sei die Nachricht vom möglichen Abriss der Heinkel-Mauer gekommen. „Da sind wir als Rostocker in der Pflicht.“ Maercker und seine Mitstreiter reagierten. Mit der Aktion „Mitbewohner gesucht“. In einer nächtlichen Plakat-Aktion am Wochenende setzten sie ein Zeichen für den Erhalt der Heinkel-Mauer. Unabhängig davon, wie die Rolle des Flugzeugbauers im Nationalsozialismus bewertet werde, sei sie ein Teil der Stadtgeschichte.

Die Aktion „Mitbewohner gesucht“ soll eine generelle Debatte über den Umgang mit Denkmälern anstoßen. Die Rostocker sollen über die Facebook-Seite vergessene, zerstörte oder kaum noch erkennbare und versenkte Orte beschreiben. Steffen Wiechmann vom Freundeskreis maritimes Erbe weist auf den maroden Wasserturm hin, andere erinnern daran, dass das ehemalige Kleine Haus in der Eselföterstraße trotz Ankündigungen des Besitzers immer weiter verfällt und die „Georg Büchner“ auf dem Grund der Ostsee liegt.

Die Botschaft hat inzwischen auch die Politik erreicht. „Weil in der Vergangenheit einige Denkmäler oder bekannte Gebäude stark vernachlässigt wurden, ist es dringend nötig, sich intensiv mit der Bewahrung und Pflege des baukulturellen Erbes zu befassen“, sagt Steffen Wandschneider (SPD).

Hassan Kdimati interessiert erst einmal die Heinkel-Mauer. Seit vielen Jahren hat er in Rostock eine Firma für Holz- und Bautenschutz. Die Nachrichten, dass die Mauer nicht zu retten sei, wollte er so nicht akzeptieren und machte sich selbst ein Bild. „Wir sind hier aus eigenem Interesse“, verrät er. „Wenn jahrelang keiner etwas macht, ist es klar, dass es irgendwann so aussieht.“ Eine Frage bewegt ihn angesichts des Gutachtens zur Heinkel-Mauer ganz besonders: „Wenn sie so gefährdet ist, warum fährt dann noch die Straßenbahn? Sie müsste abgesperrt oder gesichert werden.“

 



Thomas Niebuhr und Sophie Pawelke

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