Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Prozess: Täter quälen Mann stundenlang

Stadtmitte Prozess: Täter quälen Mann stundenlang

Am Landgericht wird ein alter Fall neu verhandelt / Opfer rettete sich über Regenrinne aus viertem Stock

Voriger Artikel
Pur lockt 3900 Zuschauer in die Stadthalle
Nächster Artikel
Macht das Land das Schülerticket billiger?

Jan S. (39/l.) und Christian S. (36), hier mit ihren Verteidigern, sind mehrfach vorbestraft und kannten sich bereits aus dem Gefängnis.

Stadtmitte. Die Tat dreier Männer in Evershagen sorgte für Entsetzen: Stundenlang prügelten sie im März 2014 nachts auf einen 31-Jährigen ein und versuchten, 500 Euro zu erpressen.

Erst am Morgen gelang dem schwer verletzten Opfer die Flucht — über ein Abflussrohr aus dem vierten Stock eines Wohnblocks. Nur durch seine Kletteraktion aus zwölf Metern Höhe gelang es dem Mann, seinen Peinigern zu entkommen. Er kam später in ein Krankenhaus.

Das Landgericht Rostock verurteilte den Haupttäter und mehrfach vorbestraften Christian S. (36) zu drei Jahren und sechs Monaten Haft. Sein „Komplize“ Jan S. (39) musste ein Jahr und sechs Monate hinter Gitter. Den dritten Täter, Enrico W. (34), sprach das Gericht frei. Die Verteidigung legte gegen die Urteile Revision ein. Der Bundesgerichtshof hat das Strafverfahren nun an eine andere Kammer des Landgerichts Rostock zur Verhandlung zurückgewiesen. Der alte Fall wird neu aufgerollt.

Die Schuldsprüche bleiben jedoch bestehen, sie haben Rechtskraft, teilte gestern der Vorsitzende Richter zum Auftakt der neuen Verhandlung mit. Jetzt geht es noch einmal um die Höhe des Strafmaßes.

Die Kernfrage dabei: Hat der Alkoholkonsum von Christian S. und Jan S. am Tag und in der Nacht der Tat die Steuerungsfähigkeit der beiden vermindert oder aufgehoben? Nein, urteilte das Landgericht im ersten Prozess. Etwa 1,5 Promille Alkohol hatten beide Täter am Tag danach im Blut, ergaben Tests. Eine Rückrechnung bis zum Zeitpunkt der Tat, die mehr als zehn Stunden zurücklag, war aber nicht mehr möglich, sagte ein Sachverständiger. Dies hätte bei Christian S. zu einem Wert von 5,52 Promille geführt. „Das ist mit dem Leben unvereinbar“, so der Sachverständige.

Aus Sicht der Richter waren die beiden Täter dennoch steuerungsfähig, weil sie „dosierte Verletzungshandlungen“ vorgenommen hätten. Christian S. habe sogar so umsichtig gehandelt, einem betrunkenen Freund das Bett zu machen, damit sich dieser schlafen legen kann. Auch habe er Enrico W. den Weg zur Tankstelle beschrieben, um weiteres Bier zu holen. Dafür habe Christian S. diesem sogar einen Wohnungsschlüssel ausgehändigt. Und den Weg zu seinem Fahrrad im Keller geschildert.

Den Bundesgerichtshof überzeugen diese Argumente jedoch nicht. Die Richter dort sehen in den Ausführungen des Landgerichts keine „gewichtigen Gründe“. Sie sprechen von einem „Wertungsfehler“. Die Wirkung von Alkohol sei individuell verschieden.

In der Neuverhandlung ist nun ein zweiter Sachverständiger aktiv. Gestern wurden zunächst Verurteilte und Zeugen vernommen. Christian S. gab hier erstmals an, vor der Tat Kokain konsumiert zu haben.

Daran konnte sich jedoch keiner der anderen Beteiligten erinnern. Die Verurteilten sagten, ein Alkoholproblem zu haben.

Der Vorsitzende verlas das bisherige Strafenregister der Täter. Christian S. hat hier 21 Einträge und mehrere Freiheitsstrafen. Bei Jan S. sind es 17, darunter gefährliche Körperverletzung und Aussetzung mit Todesfolge.

Mit Gürtel gewürgt

Die bereits mehrfach verurteilten Straftäter sollen Toni N. (31) in der Nacht zum 20. März 2014 immer wieder geschlagen und getreten haben — auch ins Gesicht. Christian S. habe sich laut Gericht zwischenzeitlich sogar Arbeitsschuhe angezogen, um das Opfer noch mehr zu quälen. Auch soll er den Gürtel seines Bademantels um den Hals von N. gelegt und so zusammengezogen haben, dass dessen Hals geknackt und dieser kaum noch Luft bekommen habe. Christian S. habe vom Opfer verlangt, das eigene Blut aufzuwischen. Weiter forderte er N. auf, ihm 500 Euro zu geben.

Von André Wornowski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Müll-Ofen vor dem Aus: Wo lässt die Hansestadt ihren Abfall?

Günter Hering aus Rostock

mehr
Mehr aus Rostock
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
„Wildwest auf der Warnow“

Nach „Stettin“-Unglück: Skipper fordern strengere Verkehrsregeln für die Hanse Sail