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RSAG verbannt E-Scooter aus Bussen und Bahnen

Südstadt/ Reutershagen RSAG verbannt E-Scooter aus Bussen und Bahnen

Gutachten bescheinigt Kipp- und Rutschgefahr in scharfen Kurven

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Wir halten das Verbot von E-Scootern für unangemessen.Petra Kröger Behindertenbeauftragte

Südstadt/ Reutershagen. Erika Neumann kann es noch immer nicht glauben. „Das lässt mich gar nicht mehr los“, sagt die 77-Jährige. Mit ihrem E-Scooter darf sie bald nicht mehr Bus und Straßenbahn fahren. Der Grund: Sie gefährde damit sich und andere Fahrgäste. Schon in der kommenden Woche tritt das Verbot in den Linien der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) in Kraft.

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Gutachten bescheinigt Kipp- und Rutschgefahr in scharfen Kurven

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Es sei das Ergebnis technischer, juristischer Gutachten, Gerichtsurteile und Vorkommnisse in anderen deutschen Verkehrsunternehmen, heißt es in einem Schreiben der RSAG vom 17. Januar an ein Rostocker Sanitätshaus, das der Redaktion vorliegt. Das Sanitätshaus leitete die Information an seine Kunden weiter. „Es hat sich erwiesen, dass alle gegenwärtig im Einsatz befindlichen E-Scooter nicht zur Mitnahme in anderen Fahrzeugen, insbesondere öffentlichen Verkehrsmitteln, geeignet sind“, schreibt die RSAG. Erst drei Wochen später geht das Untermehmen dann an die Öffentlichkeit. „Wir halten das Verbot für unangemessen“, sagt Petra Kröger, Behindertenbeauftragte der Hansestadt. „Die Zeit ist viel zu kurz, als dass sich Betroffene etwas anderes überlegen könnten.“

Das Verbot ist eine Empfehlung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der sich auf das Gutachten der Studiengesellschaft für Tunnel und Verkehrsanlagen (Stuva) bezieht. In ihrem Auftrag hat die Dekra Fahrversuche durchgeführt, und sie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass E-Scooter schon bei gewöhnlichen Fahrmanövern kippen könnten.

Das sieht Erika Neumann anders. „Ach, das ist nicht wackelig.“ Dass eine Kurvenfahrt der Straßenbahn dafür sorgt, dass sie mit ihrem E-Scooter umkippt, ist für sie ausgeschlossen. Und Ausweichmanöver, von denen im Gutachten die Rede sind, treffen auf Bahnen nicht zu. „Straßenbahnen sind doch etwas ganz anderes“, sagt Kröger. Und: „Ein Scooter wird in der Regel vom Arzt verordnet, von der Krankenkasse bezahlt und ist somit ein Hilfsmittel für behinderte und chronisch kranke Menschen. Eine Beförderung sollte somit nicht infrage gestellt werden.“ Der VDV argumentiert in einem Rundschreiben an die Mitglieder weiter, „dass prinzipiell jede Verwendung eines Medizinprodukts (hierzu zählen E-Scooter) entgegen der Gebrauchsanweisung unsachgemäß und damit grundsätzlich verboten ist“. Und laut VDV steht in den Gebrauchsanweisungen – zum Beispiel, dass der Scooter während des Transports nicht als Sitz genutzt werden dürfe.

„Eine Alternative gibt es nicht“, sagt Erika Neumann enttäuscht. Will sie zum Orthopäden oder zu ihrer Schwester nach Lütten Klein, ist sie auf die Straßenbahn angewiesen, denn sie wohnt in der Südstadt. Sie fühle sich ausgegrenzt. „Wir nehmen doch auch am Leben teil.“ Bis 2013 ist Erika Neumann Auto gefahren. Dann hat sie ein Bein verloren. „Und jetzt kann ich nicht mal mehr Straßenbahn fahren.“ Dabei habe sie so lange für ihren E-Scooter gekämpft, denn die Versicherung hatte ihn erst nicht bezahlen wollen. Jetzt befürchtet sie um ihre Unabhängigkeit, die ihr so wichtig ist.

Laut RSAG, VDV und Stuva besteht neben dem Umkippen auch die Gefahr, dass die Scooter rutschen. Zwar sei Nässe kein großes Problem, Dreck und Sand hingegen schon. Bei Rutschen und Kippen bestehe nicht allein für den Benutzer, sondern auch für unbeteiligte Fahrgäste „ein hohes Risiko schwerster Verletzungen“, heißt es in dem Schreiben der RSAG. Darin ist zudem von einem Inkrafttreten der neuen Regelung zum 1. Februar die Rede. Gestern ruderte das Straßenbahnunternehmen dann zurück, das Verbot gilt ab dem 15. Februar. Nach OZ-Informationen hat die Behindertenbeauftragte Petra Kröger eine Einladung zu einer geplanten Pressekonferenz bei der RSAG aus Protest abgesagt, damit nicht der Eindruck stehe, sie heiße das Verbot gut.

„Ich würde mir wünschen, dass das wieder rückgängig gemacht wird“, sagt Erika Neumann, „oder dass es eine Alternative gibt.“ Dass Erika Neumann zurzeit noch Straßenbahn fahren darf, ist für sie neu.

Darüber wurde sie nicht informiert. Dass das Verbot doch nicht in Kraft tritt, ist unwahrscheinlich. Die RSAG teilt in ihrem Schreiben aber mit, dass intensiv an Lösungen für das Problem gearbeitet werde. Elektrische Rollstühle sind von dem Verbot nicht betroffen.

E-Scooter können umkippen

Als Standsicher gilt laut VDV-Rundschreiben ein Scooter, der unter anderem maximal 120 Zentimeter lang und höchstens 300 Kilogramm schwer ist. Seitens der Hersteller müsste eine explizite Zulassung für den Transport im Bus mit aufrecht sitzender Person bestehen. Die Standsicherheit müsste zudem durch ein wirksames Bremssystem gewährleistet sein, das nicht durch ein Differenzial überbrückt wird.

Kein E-Scooter , der derzeit erhältlich ist, erfülle alle Kriterien, teilt der VDV seinen Mitgliedern mit.

Philip Schülermann

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