Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Rabbi Wolff: „Das Zusammenleben der Kulturen wird gelingen“

Rostock Rabbi Wolff: „Das Zusammenleben der Kulturen wird gelingen“

Landesrabbiner William Wolff wird am Montag 90. Im OZ-Interview spricht er über Zuwanderung, Glauben und sein Yoga-Programm.

Voriger Artikel
Paketshops: Lohnenswert oder lästig?
Nächster Artikel
Obszöne Anrufe: Unbekannter gibt sich als Vorstand aus

Der Landesrabbiner William Wolff wird am Montag 90. Im Bild: eine Szene aus dem Film „Rabbi Wolff“

Quelle: Uli Holz, Britzka Film

Rostock. Vor knapp zwei Jahren wurde Dr. William Wolff offiziell als Landesrabbiner von MV verabschiedet. Weil er gebraucht wird und viel Spaß daran hat, ist er aber weiterhin im Amt.

Am Montag (13.02.) feiert der Geistliche mit einem Festakt in der Jüdischen Gemeinde Schwerin seinen 90. Geburtstag. Die OZ hatte vorher in Rostock die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Mann, der zwischen London und Oxford lebt und zwei Mal im Monat nach Mecklenburg pendelt.

OZ: Herr Wolff, die Stadt Rostock plant, Sie anlässlich Ihres 90. Geburtstages zum Ehrenbürger zu machen. Ein schönes Geschenk?

William Wolff: Ja, so ist es wohl gemeint. Und ich finde das sehr nett.

Die Bürgerschaft will das im März beschließen. Und der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck wird dann wohl im Sommer selbst die Auszeichnung vornehmen.

Ich fühle mich sehr geehrt.

Es ist auch eine Auszeichnung für den Aufschwung des jüdischen Lebens in MV. Die Gemeinden Schwerin und Rostock wurden 1994 gegründet. Zusammen haben sie nun 1600 Mitglieder.

Aber es gibt noch viel zu tun. Der Sowjetkommunismus hat in Ostdeutschland und Osteuropa viel vom Judentum zerstört. Deshalb müssen wir das Wissen über die Religion verbreiten. Das Wissen ist noch wichtiger als der Glaube.

Wie lange werden Sie das als Landesrabbiner vermitteln? Sie feiern ja nun Ihren 90. Geburtstag.

Das wird sich zeigen. Ich hoffe noch lange, ich fühle mich sehr gut.

Sie reisen zweimal im Monat von Ihrem Heimatort Henley-on-Thames bei London nach MV. Mit dem Flieger geht’s nach Hamburg, von dort weiter mit dem Zug zum Bahnhof und dann zu Fuß zu Ihren Gemeinden. Woher nehmen Sie diese Fitness?

Oh, ich gehe sehr viel spazieren. Ich ernähre mich vegetarisch, trinke keinen Kaffee, keine Milch.

Und Sie machen jeden Tag Yoga.

Ja, das tut mir sehr gut.

Obwohl Yoga der spirituellen Kultur Indiens entstammt, die Wurzeln im Hinduismus und Buddhismus liegen.

Ja, aber Yoga hat keine Religion. Es ist einfach sehr angenehm. Wobei ich sagen muss: Ich meditiere nicht, das liegt mir nicht so.

In Deutschland gibt es derzeit eine scharfe Debatte über das Aufeinanderprallen der Kulturen – insbesondere wegen der großen Einwanderung von Menschen aus Ländern des Islams. Wie nehmen Sie als jüdischer Geistlicher diese Entwicklung wahr?

Nicht als Problem.

Aber Sie lesen doch täglich ausführlich Dutzende Zeitungen. Es ist eine Protestpartei AfD entstanden, der gesellschaftliche Ton über die Frage der Zuwanderung ist rau geworden seit Herbst 2015.

Okay. Aber ich spüre keine Angst. Das Zusammenleben der Kulturen wird gelingen. Allerdings wird das natürlich auch davon abhängen, wie viele Menschen nach Deutschland und Europa kommen.

Noch ein Blick in die Zukunft: Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Rostock, Juri Rosov, hat gesagt: Wenn Sie Ihren 90. Geburtstag nun in Schwerin feiern, dann müssen Sie Ihren „100.“ in Rostock begehen . . .

Das ist eine gute Idee von ihm, damit bin ich sehr einverstanden.

Rabbi und Filmstar

15 Jahre ist William Wolff bereits Landesrabbiner. Bevor er 2002 ins Amt kam, war er schon Gastrabbiner der Jüdischen Gemeinden Rostock und Schwerin.

Als deutscher Jude kam Wolff am 13. Februar 1927 in Berlin zur Welt. Er floh 1933 mit seinen Eltern vor den Nazis nach Amsterdam, 1939 nach England. Er arbeitete dort lange als Journalist. Erst mit 52 studierte er Jüdische Theologie, wurde Rabbiner.

Rabbi Wolff ist inzwischen auch „Filmstar“. Das Drama über sein außergewöhnliches Leben lief 2016 im Kino und wurde von den Kritikern gefeiert.

Interview: Alexander Loew

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Rostock
Landesrabbiner William Wolff vor dem Gottesdienst bei der jüdischen Gemeinde Rostock. Er soll Ehrenbürger der Hansestadt werden.

Der Landesrabbiner soll die höchste Auszeichnung der Hansestadt Rostock erhalten. Die Ehrung ist für den Juni vorgesehen.

mehr
Mehr aus Rostock
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Österreicher wollen auf die „Pasewalk“

Fischereikutterverein hofft auf mehr Auslastung für sein Schiff