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Rap mit Goldmaske – doch nicht alles glänzt

Rostock Rap mit Goldmaske – doch nicht alles glänzt

Respektloser Rüpel-Rapper, begnadetes Hip-Hop-Talent oder bemitleidenswertes Ghetto-Kind? Keine Frage, Sido polarisiert. An die 1000 Fans feierten ihn am Freitagabend im Rostocker Moya.

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Rapper Sido (Kürzel für „Super-intelligentes Drogenopfer“), maskiert und in typischer Pose auf der Bühne – am Freitagabend im Rostocker Moya.

Quelle: Ove Arscholl

Rostock. Respektloser Rüpel-Rapper, begnadetes Hip-Hop-Talent oder bemitleidenswertes Ghetto-Kind? Keine Frage, Sido polarisiert. Vermutlich ist es ein wenig von allem, was seine Faszination ausmacht. An die 1000 Fans feierten ihn am Freitagabend bei seinem vorletzten Konzert der „Sido Liebhaber Tour 2017“ im Rostocker Moya.

 

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„Ich höre Sido schon, seitdem ich klein bin. Ich finde es faszinierend, seine Entwicklung zu beobachten. Er ist von einem Straßenjungen zu einem erwachsenen Mann geworden. Denise Brückner (23), Rostock

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„Ich wohne in der Nähe vom Moya und habe gesehen, dass Sido kommt. Ich mag ihn, aber eigentlich bin ich nur hier, weil ich erst kürzlich nach Rostock gezogen bin und so die Stadt kennenlernen will. Vinodh Kakkassery (43), Rostock

Jogginghose, Bomberjacke, das Gesicht hinter schwarzer Kapuze und goldener Maske verborgen – so tritt Sido vor seine Fans. Es sind diejenigen, die ihn von Anfang an begleitet haben, diejenigen, die mit ihm gewachsen und erwachsen geworden sind, denen er seine Tour und sein aktuelles, „Das goldene Album“, widmet.

„Ich höre Sido, seitdem ich klein bin, und finde es faszinierend, seine Entwicklung zu sehen. Er ist vom Straßenjungen zum erwachsenen Mann geworden, das merkt man auch an den Texten“, sagt Denise Brückner (23) aus Rostock.

Das mag in gewisser Weise stimmen, wenn man ältere und provokative Lieder wie beispielsweise den, pardon, „Arschficksong“, nimmt. Derart krasse Worte findet er im Moya nicht, wo er einen Mix aus Klassikern wie „Mein Block“ – mit dem Sido einst bekannt wurde – über „Bilder im Kopf“ bis hin zum neuen Album von der Bühne rotzt.

Und tatsächlich schlägt der Familienvater bei „Papa ist da“ väterliche Töne an. Aber, der Rapper lässt das Rüpeln eben nicht. Mit „Und sie kriegen wieder kein’n Preis. Doch das ist alles nicht so wichtig wie die Lieder, die man schreibt. Also scheiß drauf!“ spielt Sido schon im Intro auf die Echo- Verleihung 2016 an. Damals sollte er einen Preis verleihen, ging aber selbst leer aus und pöbelte auf der Bühne: „Die sind alle so dumm hier beim ,ECHO’“.

Auch die Medien werden mit dem Song „Masafaka“ „hart weggedisst“. Etwa bei „Ihr Opfer lasst Hip-Hop in Ruhe“ oder „Sie reden über Hip-Hop, sie finden uns witzig. Doch wir stürmen in die Redaktion und schreien: Fick dich! Wenn wir alles kleinhau’n, fragen sie: Spinnt ihr? Doch das ist Hip-Hop, Motherfucker, so sind wir.“

Allzu ernst nehmen sollte man das Gejammer der ach so harten Jungs wohl nicht. Denn Sidos Masche, mangelndem Respekt seiner Musik gegenüber mit noch mehr Respektlosigkeit zu begegnen, kann man mögen, muss man aber nicht. Ebensowenig wie die lyrische Eindimensionalität, die sich vorwiegend dem Saufen, Kiffen und dem (sich selbst) Feiern widmet – auch wenn Sido selbst rappt: „Ich bin erwachsen, jetzt wird nachgedacht.“ Das mag vielleicht etwas für eingefleischte Sido-Fans sein. Für alle anderen gilt: Es ist doch nicht alles Gold, was glänzt.

Stefanie Büssing

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