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Südstadt Reinheitsgebot für Krebsmedikamente

Apotheke im Südstadt-Klinikum wird umgebaut / Sterile Arzneimittelherstellung soll weiter verbessert werden

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Im sterilen Herstellungsraum bereiten zwei Mitarbeiter in den Boxen die Medikamente zu (hinten). Pharmazie-Ingenieurin Petra Patzer (vorn) reicht Zutaten, kontrolliert und verpackt die Mittel. Fotos (3): Ove Arscholl

Südstadt. Hunderte Krebskranke werden jedes Jahr im Südstadt-Klinikum behandelt. Die Medikamente für die Chemotherapie werden frisch und patientenindividuell zubereitet.

OZ-Bild

Apotheke im Südstadt-Klinikum wird umgebaut / Sterile Arzneimittelherstellung soll weiter verbessert werden

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„Ad-Hoc-Herstellung“, nennt es Hartmut Eggers, Leiter der Krankenhaus-Apotheke: Nach der Blutabnahme beim Tumorpatienten legten Ärzte die passgenaue Chemotherapie fest, die Bestellung ginge an die Apotheke, die Infusionslösung werde dort zubereitet und schon kurze Zeit später am Patientenbett angehängt.

„Etwa 10000 Flaschen und Beutel mit Zytostatika stellen wir im Jahr her, für die Patienten auf Station und in den Ambulanzen der Klinik“, informiert Eggers. Dazu kommen Begleitmedizin und Ernährungslösungen zum Beispiel für die Frühgeborenen-Abteilung. „Das sind insgesamt rund 16000 sterile Zubereitungen im Jahr“, sagt der Diplompharmazeut.

Die Anforderungen für die sterile Herstellung von Arzneimitteln sind gestiegen. Deshalb erfolgt derzeit ein Umbau der Klinikapotheke – bei laufendem Betrieb. Während Pharmazie-Igenieurin Petra Patzer und ihre Kollegen weiter in speziellen Räumen die Medikamente in hochreinen Boxen zusammenstellen, werden einige Meter weiter im Sockelgeschoss der Klinik auf 75 Quadratmetern neue Reinräume eingerichtet.

„Wir versetzen Wände und Türen, schaffen über ein ausgeklügeltes Schleusensystem einen zentralen Zugang zum neuen Labor“, erläutert Lothar Köhler, der für Betriebs- und Medizintechnik im Haus zuständig ist und das Baugeschehen koordiniert. Der Reinraum werde mit Metallplatten ausgekleidet, jede Ritze und Fuge versiegelt. „Es ist ein Raum im Raum, der komplett abgeschottet ist“, sagt Köhler. A und O für den sterilen Apothekenbereich ist ein neues Lüftungssystem mit Druckstufen zwischen den Räumen zur Verdrängung von Staubpartikeln. Vom Eintritt bis zum Herstellungsraum müssten verschiedene Reinraumklassen garantiert werden. Absolute Keimfreiheit bei der Herstellung von Krebsmitteln: „Im Zubereitungslabor dürfen maximal 3500 Partikel pro Kubikmeter sein, in der Box bis zu 20“, erläutert Apotheken-Chef Eggers, der derzeit trotz Baubelastung in den Sterilboxen gar nur null bis zwei Partikel je Kubikmeter feststellen kann. „Die Keimbelastung wird regelmäßig durch einen externen Sachverständigen geprüft“, informiert Eggers.

Es geht um Patientensicherheit und Produktschutz – kein Staubkörnchen, kein Keim darf in die zubereitete Lösung gelangen. Die Mitarbeiter müssen Schutzkleidung tragen, auch zum eigenen Schutz. „Denn die hochwirksamen Medikamente helfen, können aber auch schädigen bei Hautkontakt oder Vernebelung“, erläutert der Apotheker.

Um die Anforderungen an die Herstellung weiter hundertprozentig erfüllen zu können, müsse der komplette Sterilbereich erneuert werden. Außerdem sind die bisherigen Räume zu klein. „Es gibt mehr Patienten, gezieltere Therapien mit individueller Medikation. Dadurch ist die Überlebensrate höher, die Patienten werden länger behandelt“, erklärt Eggers, der seit 2002 am Klinikum ist. Seit 2004 werden spezielle Arzneimittel und Nährlösungen in der Klinikapotheke in der Südstadt zubereitet – individuell und ad hoc. „Wir stellen also keine Therapien her, die nicht gegeben werden“, betont Eggers, „das spart“.

Der Umbau der Apotheke kostet mehr als eine Million Euro. Das Land fördert die Maßnahme mit 700000 Euro. Am 1. November wird mit der Installation der Lüftungsanlage begonnen. „Die Bauarbeiten sollen dann bis zum 31. März des nächsten Jahres abgeschlossen sein“, kündigt Baukoordinator Köhler an. Anschließend müssten die Räume noch zertifiziert werden, das könne bis zu acht Wochen dauern.

3000 Präparate vorrätig

Die Apotheke im Südstadt-Klinikum versorgt mit 19 Mitarbeitern, davon vier Apotheker, neben den Patienten im eigenen Haus (rund 500 Betten) auch fünf Reha-Kliniken im Umfeld mit insgesamt 1000 Betten. Zum Sortiment der Krankenhausapotheke zählen Arzneimittel, Infusionslösungen, Diätetika, Diagnostika, Zytostatika, Desinfektionsmittel, Verbandstoffe, Stomaartikel und Nahtmaterial, insgesamt rund 3000 Präparate. Die Beschaffung und Belieferung mit Fertigarzneimitteln gehört ebenso zu den täglichen Aufgaben wie die Herstellung von patientenindividuellen Medikamenten. Für rund 2500 Chemo-Zyklen pro Jahr am Klinikum stellen die Klinikapotheker etwa 10000 Flaschen und Beutel mit sterilen Lösungen her.

Doris Kesselring

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